Daniel Sypien trat im Saloon der Alten Drahtzieherei als Alleinunterhalter auf – Bass und Schlagzeug kamen vom Band, das Publikum tanzte.
Ein Mann, eine Gitarre, eine BandSypien rockt den Saloon in Wipperfürth

Daniel Sypien mit roter Gitarre.
Copyright: Weitzdörfer
Ein Musiker, der klingt wie eine ganze Band
Wenn man am Freitagabend in den Saloon der Alten Drahtzieherei kam, dann war man auf den ersten Blick doch ein wenig irritiert. Das, was da aus den Boxen kam, war astreiner Band-Sound, waren Schlagzeug, Bass, Gesang und Gitarre. Aber da stand ja doch nur ein Musiker auf der Quasi-Bühne – und der war zwar immerhin mit einer sehr schön anzusehenden Halb-Akustik-Gitarre angetan und sorgte zudem für den Gesang. Bass und Schlagzeug kamen aber vom Band – selbst produziert und eingespielt zwar, aber eben nicht live. Daniel Sypien, Blues-, Rockabilly- und Rock‘n‘Roll-Liebhaber aus der Hansestadt, beziehungsweise aus Hämmern, hatte zum Konzert in die Alte Drahtzieherei geladen. Aufmerksam geworden war man auf den Alleinunterhalter mit der Gitarre beim Musik-Sommer auf dem Marktplatz – dort war Daniel Sypien aufgetreten und hatte nachhaltig Eindruck hinterlassen.
Ein Konzept, das erstaunlich gut funktioniert
Und der Hämmeraner hatten wirklich einen ganzen Sack voll guter Songs mitgebracht. Die eben in den unterschiedlichsten Bereichen wilderten, ohne sich wirklich auf einen davon festzulegen. Und das Konzept funktionierte erstaunlich gut. Man ertappte sich immer wieder dabei, dass man mal nach links, mal nach rechts guckte, um eben doch einem Bassisten beim Schrubben der tiefen Töne zuzusehen, oder einem Schlagzeuger beim wilden Kesselrühren. Aber da war eben niemand sonst – außer dem in Blue Jeans und schwarzen Hemd gekleideten Daniel Sypien, der allerdings seine E-Gitarre wie ein Rock‘n‘Roll-Derwisch zu bedienen wusste. Und das machte nicht nur Spaß beim Zuhören.
Tanzbein schwingen und ein bisschen „Schmusing“
Das verführte auch das eine oder andere Pärchen im Publikum dazu, das Tanzbein zu schwingen. Seien es gleichaltrige – oder auch mal eine Mama mit ihrem Sohn, die beiden hatten sichtlich ihren Spaß bei den flotteren Nummern des Abends. Etwa bei „The Rockabilly Boogie“, bei dem die Stoßrichtung im Songtitel recht unmissverständlich vorgeben war. Aber auch langsame Songs gab es, wenngleich nur sehr selten. Und dann vom Maestro des Abends stilgerecht angekündigt. „Are you ready for some Schmusing?“, wollte Daniel Sypien vor „Dream Lover“ von Bobby Darin wissen. Ja, klar. Ein bisschen „Schmusing“ konnte schließlich nie schaden. Das sei es dann aber auch gewesen, mit den langsamen Songs, meinte er im Anschluss.
Von Elvis bis Billy Ray Cyrus: Klassiker und Unbekanntes
Denn ja, die Tendenz ging insgesamt schon in eine eher flottere Richtung. Und da waren dann auch so ganz große Klassiker dabei wie etwa die, beinahe etwas zu langsam gespielte, Elvis-Nummer „All Shook Up“, bei der man auch ganz ohne Mikrophon zumindest den Refrain prima mitsingen konnte – den Hüftschwung von Elvis „The Pelvis“ Presley machte hier allerdings komischerweise keiner der ansonsten recht eifrigen Tänzer mit. Auf der anderen Seite gab es auch - den allermeisten im Publikum wohl gänzlich unbekannte - Stücke zu hören. So auch das Tex-Mex-Stück „El Camino Real“ von Leo Dresser, das so richtig viel Laune brachte. Getoppt werden konnte das nur von einem, dem großen Country-Star Billy Ray Cyrus. Von dem hatte Daniel Sypien einen Song mitgebracht, den er selbst als „ein bisschen langweilig zum Spielen“ bezeichnete, weil „das ja nur zwei Akkorde“ sind. Aber egal, dass „Achy Breaky Heart“ einfach ein Gassenhauer war, das konnten auch zwei Akkorde nicht madig machen.
