In Wipperfürth stellen sich die Gymnasien auf G9 um und erwarten im kommenden Schuljahr deutlich mehr Schülerinnen und Schüler.
G9-RückkehrWipperfürther Gymnasien sehen sich gut gerüstet

Seit 2017 ist der Weg in NRW wieder frei, die Abiturprüfungen nach 13 Schuljahren abzulegen. So richtig zufrieden war mit G8 niemand.
Copyright: Symbolfoto: dpa
Auch wenn man final erst im kommenden Schuljahr darüber wird urteilen können, so sehen sich die beiden Wipperfürther Gymnasien – das Städtische EvB-Gymnasium und das Erzbischöfliche St.-Angela-Gymnasium – gut darauf vorbereitet, in diesem Schuljahr keinen Abiturjahrgang zu entlassen. Zugleich bedeutet das, im kommenden Schuljahr 100 bis 120 Schülerinnen und Schüler mehr unterrichten zu müssen.
Hintergrund ist die Rückumstellung vom G8- auf das G9-System – 21 Jahre nach der Einführung des verkürzten Abiturs, das in zwölf statt bis dahin 13 Schuljahren von der Grundschule zum Abschluss führte. Installiert worden war das G8-System als Reaktion auf die schlechten Ergebnisse deutscher Schülerinnen und Schüler bei den internationalen Pisa-Vergleichsstudien der 2000er-Jahre. „Zu alt und zu schlecht“ – so lautete damals regelmäßig das ernüchternde Urteil über die deutschen Abiturienten.
Mehr Zeit für Entwicklung
Allerdings: Richtig zufrieden wurde mit dem Abitur in zwölf Jahren keiner, Schülerinnen und Schüler nicht, die sich über enormen Druck beklagten, und auch die Schulen nicht, die ähnliche Probleme sahen. Bei Pisa bleibt Deutschland weiter im Mittelfeld. Ab 2011 gab es erste Modellversuche zur Rückumstellung, seit 2017 ist der Weg in NRW wieder frei, das Abitur im Rahmen von G9 zu machen. In diesem Jahr trifft es nun also den ersten Jahrgang, noch ein Jahr dranzuhängen, ehe die Allgemeine Hochschulreife lockt.
An den beiden Gymnasien ist man gut vorbereitet, wie die Schulleiter Melanie Burger (EvB) und Werner Klemp (St. Angela) mitteilen. „Die Rückkehr zu G9 bedeutet für uns vor allem mehr Zeit für Bildung und persönliche Entwicklung der Schülerinnen und Schüler“, sagt etwa Melanie Burger. Ihr Kollege vom erzbischöflichen Gymnasium ergänzt: „Ein wesentlicher Vorteil ist die höhere Reife der Lernenden. Durch das zusätzliche Jahr in der Mittelstufe erreichen die Schüler das Abitur ab 2027 in einer fortgeschritteneren Phase ihrer persönlichen Entwicklung.“
Ein entzerrtes System bietet einen gesünderen Lebensraum, mehr Raum für Schulleben und persönliches Engagement
Dazu komme, so Werner Klemp weiter, dass die Jugendlichen beim Abschluss in aller Regel bereits volljährig seien, was für den Übergang von Schule in den Beruf von Vorteil sei. Gleichzeitig liege hier allerdings auch eine organisatorische Herausforderung durch das Anwachsen der Schule um einen kompletten Jahrgang. „Der Schulalltag wird bald spürbar dichter. Es kommen zusätzliche Klassen hinzu, mehr Räume werden genutzt, der Bedarf an Lehrkräften steigt“, sagt Melanie Burger.
Am St.-Angela-Gymnasium erwartet man zudem eine spürbare Reduzierung der täglichen Belastung, resultierend aus einer besseren Verteilung des Stundenkontingents. „Dadurch bleibt mehr Raum für die Nachbearbeitung sowie für außerschulische Aktivitäten“, erwartet Werner Klemp. Das sei vor allem deswegen wichtig, weil das St.-Angela-Gymnasium keine Ganztagsschule sei, im Gegensatz zum EvB.
„Wir werden mehr Ganztagsangebote, neue Projekte und eine breitere Verteilung der Aufgaben im Kollegium sehen. Ich sehe das durchaus als Chance – auch wenn wir uns unabhängig von G9 in den vergangenen Jahren stetig weiterentwickelt haben“, sagt Melanie Burger. Sie glaubt, dass die Rückkehr aller Jahrgänge die Schule „wieder vollständiger und insgesamt lebendiger machen“ werde, ein Vorteil für die Schulatmosphäre. „Davon gehe ich auch aus – ein entzerrtes System bietet einen gesünderen Lebensraum“, sagt auch Werner Klemp. Auch er sieht „mehr Raum für Schulleben und persönliches Engagement“.
Da auch der Raumbedarf gedeckt ist – weil beide Schulen ursprünglich für den G9-Betrieb ausgelegt waren, die Lehrpläne schon vor einigen Jahren auf diesen Zeitpunkt hin angelegt wurden und auch die Personaldecke entsprechend aufgestockt wurde – steht einem glatten Übergang zurück nach G9 in Wipperfürth nichts im Weg.
