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Dr. PopParforceritt durch die Welt der populären Musik in Wipperfürth

3 min
Das Bild zeigt Markus Henrik alias Dr. Pop (43) bei seinem Auftritt in Wipperfürth.

Markus Henrik alias Dr. Pop (43) füllte den Abend überaus abwechslungsreich mit skurrilem, aber nicht unbedingt unnützem Wissen über Pop.

Der Wattenscheider hatte zur Sprechstunde in die Alte Drahtzieherei gebeten und verabreichte hoch dosiert skurriles Wissen.

Nur ganz knapp am „Ausverkauft“-Status vorbeigeschrammt ist die Show „Hitverdächtig“ von Dr. Pop in der Alten Drahtzieherei. Und das Publikum, das zur Wipperfürth-Premiere des bürgerlich unter dem Namen Markus Henrik firmierenden Pop- und Rock-Experten zum größten Teil von außerhalb in die Hansestadt angereist war, hatte ganz offensichtlich Lust auf jede Menge unnützes und natürlich auch nützliches Wissen aus der Welt der populären Musik.

Eine Reise durch Raum und Zeit

Der Wattenscheider hatte wie immer sein Tablet mit mehr als 1600 Samples im Gepäck, die er im Sekundentakt abrief. Dazu gab es, ganz nebenher, allerlei Infos zu den Songs, die man auf der nächsten Party zum Besten geben konnte. Etwa zu Frank Farian, über dessen „Boney M.“-Hit „Daddy Cool“ man erfuhr, dass der markante perkussive Rhythmus mit einem Bleistift im Mund von Farian produziert wurde.

Vom viralen TikTok-Hit „Gute Laune“ wusste er, dass zwei Erzieherinnen das Lied für ihre Kindergartenkinder aufgenommen haben. „Das Lied ist nun viral gegangen und im vergangenen Jahr hat das halbe Internet zum Refrain getanzt.“

Irgendwann war auch Dieter Bohlen auf die Idee gekommen, das zu nutzen. Das hätte Strawinsky nicht gewollt!
Dr. Pop über Bohles Verwendung eines Strawinsky-Samples

Dr. Pop sprang nicht nur durch die Zeit, sondern reiste auch durch die Welt. Dabei besuchte er etwa Nord Korea, von dort gab es eine Modern-Talking-Cover-Variante von „Brother Louie“, aus dem arabischen Raum hatte er „The Sign“ von Ace Of Base ausgegraben - eine kleine Bauchtanz-Einlage inklusive. „Bitte hiervon keine Fotos machen, das dürfen meine Eltern nicht sehen, sonst werde ich enterbt“, sagte der Doktor.

Der Doktor redete in einer hohen Wortfrequenz, seine Sprechstunde war informativ. Wer hätte etwa gedacht, dass Igor Strawinskys Orchesterschlag aus dem „Feuervogel“ – dem modernen Sampling sei Dank – in Milli Vanillis „Girl You Know It's True“ oder bei „A View To A Kill“ von Duran Duran zu finden ist? „Irgendwann war auch Dieter Bohlen auf die Idee gekommen, das zu nutzen. Das hätte Strawinsky nicht gewollt!“

Lehrstunde und Schenkelklopfer Ab und zu wurde es sogar konzertant, denn Dr. Pop tauschte das Tablet bisweilen gegen den Flügel, wo er etwa den Grönemeyer ganz famos gab. „Seit den 90ern habe ich den Grönemeyer in mir. Immer, wenn ich morgens im Dunkeln im Hausflur den Lichtschalter suche, denke ich: Ich kann nicht mehr sehn!“, was man natürlich im typischen Grönemeyer-Duktus hören musste.

Lehrreiches und Schenkelklopfer

Das Publikum fraß dem Doktor begierig aus der Hand, applaudierte immer wieder frenetisch und hörte auch dann aufmerksam zu, wenn er einen Abstecher in die Welt der Musiktheorie machte und „Ein Herz kann man nicht reparieren“, den von den Humpe-Schwestern komponierten Comeback-Song für Udo Lindenberg, harmonisch auseinandernahm und analysierte.

Lehrstunde und humorvolles Schenkelklopf-Theater zugleich also? Ja, das war sie, diese sehr abwechslungsreiche Pop-Sprechstunde. Bliebe zu hoffen, dass der Doktor bald wieder nach Wipperfürth kommen würde. Da er allerdings demnächst von Berlin „in die Nachbarschaft“ von Wipperfürth ziehen wird, dürfte das sicherlich der Fall sein.