Krimiautor Volker Kutscher präsentierte sein neuestes Buch „Westend“ beim Heimspiel in Wipperfürth als Theaterevent mit prominenten Gästen.
KrimilesungVolker Kutscher zeigt in Wipperfürth eine große Literaturshow

Bühnengespräch (v.l.): Martin Wuttke und Samuel Horn, hinten Volker Kutscher und Kat Menschik.
Copyright: Wolfgang Weitzdörfer
Es war mehr als eine Lesung, eigentlich ein Theaterevent. Volker Kutscher hat zusammen mit der Illustratorin Kat Menschik seine Roman-Reihe um Kommissar Gereon Rath, der im Berlin der Weimarer Republik ermittelt, mit drei Zusatzbüchern abgerundet. Deren jüngster Teil namens „Westend“ hat Kutscher nach der Premiere in der Berliner Volksbühne nun auch in seiner Heimatstadt Wipperfürth auf die Bühne gebracht. Musik, Schauspiel, Talk – das waren die Zutaten der Veranstaltung am vergangenen Donnerstagabend in der Alten Drahtzieherei.
Wieder sind die Hückeswagener Jazz-Brüder Julian und Roman Wasserfuhr mit dem Cellisten Jörg Brinkmann dabei, ebenso der prominente Schauspieler Martin Wuttke, der unter anderem im Quentin-Tarantino-Film „Inglourious Basterds“ den Adolf Hitler gegeben hat. Den Interviewer Hans Singer spielt Samuel Horn.
Alte Bekannte auf der Wipperfürther Bühne
Dieser besucht Gereon Rath im Altenheim, um ihn vorgeblich wegen einer historischen Forschungsarbeit über die Berliner Polizei zu befragen. Es geht im Interview aber auch um Charlotte Ritter, respektive Charlie Rath, die offensichtlich nach Kriegsende noch einmal geheiratet hat. „Das wird mir jetzt wieder zu persönlich hier“, wiegelt Wuttke als Rath da ab.
Viele Figuren werden im Rückblick des Altenheimgesprächs erwähnt, Kennern des Rath-Kosmos sind sie bekannt. Andreas Lange, ehemaliger Kriminalsekretär, späterer Kriegsverbrecher, Reinhold Gräf, der mit dem Reichstagsbrand 1933 zum Nazi wurde, oder Anton Kowalski, mit dem Rath nicht nur 1932 in Ostpreußen, sondern auch nach dem Krieg in Berlin zusammengearbeitet hat. Oder Arthur Czerwinski, der Rath zufolge niemals ein Nazi war, und natürlich Wilhelm Böhm, ehemaliger Vorgesetzter und späterer Detektiv.
Hückeswagener Brüder Wasserfuhr spielen Jazz
Es ist ein tiefgreifender Einblick in die Welt nach der Welt, die Geschichte nach der Geschichte, die Kutscher auf so meisterhafte Art erschaffen hat. Wenn der pensionierte Kommissar von Charlie Rath etwa als „meine Ex-Frau“ spricht, die er nur einmal noch „auf der Beerdigung meiner Mutter“ gesehen habe, zieht es einem als Fan das Herz zusammen. Zumal sie ausgerechnet Wilhelm Böhm in zweiter Ehe geheiratet hat.
Zwischendurch gibt es immer wieder Musikeinlagen des Wasserfuhr-Trios, etwa die Stücke „Solitude“, den unermüdlichen „Englishman in New York“ oder „Perfect Tiny Moment“. Die Jazzstücke lockern ein szenisches Bühnengespräch auf, das nicht ganz leicht zu verdauen ist.
Sebastian Tornow spielt darin immer wieder eine Rolle, der SS-Mann und ehemalige Schupo, der mit einigen Gleichgesinnten im dritten Roman „Goldstein“ als Kopf der Bande „Die Weiße Hand“ das Recht in die eigenen Hände genommen hat. Aber auch die Frage, wie sich Gereon Rath nach dem Krieg entwickelte.
Im Gespräch mit Moderator Olaf Petersenn sagt Autor Volker Kutscher dazu: „Irgendwann bin ich bei einem verbitterten alten Mann gelandet, der sich mit seiner persönlichen und auch politischen Schuld auseinandersetzt.“
Vielversprechend ist die Ankündigung des Schriftstellers, dass er einen Sammelband mit Kurzgeschichten plant. Darin soll es auch darum gehen, wie Rath aus den USA wieder zurück nach Berlin gekommen ist.

