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Pendlerstress selbst in den Ferien„Einfach aus dem Zug geworfen“

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Zwischen Köln-Mülheim und Düsseldorf werden ab 21. August bis 4. September bei der Vollsperrung auch knapp acht Kilometer Gleise erneuert.

Zwischen Köln-Mülheim und Düsseldorf werden ab 21. August bis 4. September bei der Vollsperrung auch knapp acht Kilometer Gleise erneuert. 

Auf den Bauzug-Unfall zwischen Köln und Aachen folgt ab 21. August für zwei Wochen eine Vollsperrung zwischen Köln-Mülheim und Düsseldorf.

Gemeinhin gelten die Sommerferien für Bahnpendler im Rheinland als entspannte Zeit. Kein Gedränge, weniger Verspätungen, gute Chancen auf einen Sitzplatz. Das alles gilt in diesem Jahr nicht. Doch selten war der Frust so groß wie seit Ende Juni auf der Strecke zwischen Köln und Aachen.

Erst seit Montag läuft der Zugverkehr wieder einigermaßen stabil. Doch jetzt steht schon die nächste geplante Vollsperrung ins Haus. Vom 21. August bis 4. September fährt zwischen Köln-Mülheim und Düsseldorf Hauptbahnhof gar nichts mehr. Keine Fernzüge, keine Regionalzüge. Die S-Bahnen fallen sogar bis zum 4. Dezember aus.

Von „unhaltbaren Zuständen“ spricht Bahnpendler Christian Freimuth, deren Höhepunkt am 4. August erreicht werden, als nahezu sämtliche Züge der S 19 als einzig verbliebener Verbindung zwischen Köln und Düren gestrichen werden, die eigentlich stündlich zur Minute 36 aus Köln in Düren ankommen und zur Minute 43 wieder zurückfahren sollen. Die Information zu diesem Desaster auf zuginfo.de: Der Zugverkehr staut sich zwischen Köln und Düren. Es komme deshalb zu Verspätungen, Teilausfällen und Ausfällen auf der gesamten Strecke.

Alternativen gab es nicht, Schienenersatzverkehr Fehlanzeige
Christian Freimuth, Pendler

„Alternativen gab es nicht, Schienenersatzverkehr Fehlanzeige“, sagt Freimuth. „Man lässt die Pendler bei 30 Grad einfach auf die nächste S-Bahn warten, die natürlich überfüllt ist, weil sie zusätzlich alle Reisenden aufnehmen muss, die normalerweise mit den beiden Regional-Express-Zügen 1 und 9 zwischen Aachen und Köln durchfahren.“

In den Tagen zuvor und danach sei es immer wieder vorgekommen, dass man mitten auf der Strecke „völlig ungeplant aus dem Zug geworfen wurde, weil der vorzeitig endet und wieder zurückfährt“, so Freimuth. „Dann steht man dort, in Köln-Hansaring, in Horrem, in Sindorf. Ungeplant. Ohne Getränke. Ohne Infos. Nur mit dem Versprechen, der nächste Zug folge in Kürze.“ Selbst Lokführer hätten ihm von ihrem Stress berichtet, an den Endhaltestellen in Düren und am Flughafen Köln/Bonn innerhalb von fünf Minuten wenden und zurückfahren zu müssen.

Bauzug entgleist: Bahnchaos zwischen Köln und Aachen

Das Problem: Eigentlich hätte die Strecke zwischen Düren und Köln, die wegen Bauarbeiten vom 26. Juni bis auf die S-Bahn gesperrt war, längst wieder frei sein müssen. Doch kurz vor dem Ende der Arbeiten entgleist am 24. Juli ein Bauzug bei Kerpen-Horrem. Dabei werden zwei Weichen derart beschädigt, dass sie neu angefertigt werden müssen.

Die Folge: Bis zum gestrigen Montag kann dort nur noch die S 19 fahren. „Auf meine Beschwerden beim Kundendialog von DB Regio habe ich keine Antwort erhalten“, sagt Freimuth. Der Verkehrsverband go.Rheinland habe ihn auf die DB-Transportleitung verwiesen. Diese müsse den kompletten Bahnbetrieb „im Blick, aufrecht und flüssig“ halten. „Die Nerven liegen blank. Und am Ende wieder: Wir bitten um Entschuldigung. Man kann das echt nicht mehr hören.“

Irreführende und unzureichende Fahrgastinformation
Friedrich Jeschke, Kommunalpolitiker (Volt)

Friedrich Jeschke kann das nur bestätigen. Der Kommunalpolitiker, der für die Volt-Fraktion im Regionalrat Köln sitzt, spricht von „irreführender und unzureichender Fahrgastinformation bei der Sperrung der Strecke zwischen Köln und Aachen“.

Die Qualität und Verständlichkeit der Informationen sei unzureichend. So seien im DB-Navigator immer wieder Verbindungen angezeigt worden, die gar nicht existierten. Überdies habe es widersprüchliche Infos auf den verschiedenen Info-Portalen gegeben. „Immerhin hat es go.Rheinland geschafft, irgendwann Schnellbusse ohne Zwischenstopp zwischen Köln und Aachen einzusetzen“, sagt Jeschke.

Zwei Wochen lang keine Züge zwischen Köln und Düsseldorf

Was ab 21. August für zwei Wochen bis zum 4. September zwischen Köln-Mülheim und Düsseldorf passiert, ist bis auf den deutlich kürzeren Zeitraum durchaus mit der noch bis Anfang Dezember parallel laufenden Korridorsanierung auf der rechten Rheinseite vergleichbar. Der Austausch von knapp acht Kilometern Gleisen samt 8000 Schwellen, 6500 Tonnen Schotter und verschiedene Nebenarbeiten sind laut DB InfraGo nur machbar, wenn der Betrieb auf einer der wichtigsten Verbindungen in Deutschland komplett eingestellt wird.

Durch die Schäden an der Wupperbrücke bei Opladen können auf der Strecke Köln-Hagen während der Sperrung zwischen Köln-Mülheim und Düsseldorf weniger Züge umgeleitet werden.

Durch die Schäden an der Wupperbrücke bei Opladen können auf der Strecke Köln-Hagen während der Sperrung zwischen Köln-Mülheim und Düsseldorf weniger Züge umgeleitet werden.

Das wirbelt den Fernverkehrs-Fahrplan völlig durcheinander, zumal auch über die frisch sanierte Ausweichroute zwischen Köln, Wuppertal und Hagen wegen der beschädigten Wupperbrücke bei Opladen deutlich weniger Züge umgeleitet werden können als ursprünglich geplant. Die Bahn verspricht, zumindest einen Zwei-Stunden-Takt ab Köln und Düsseldorf auf den Fernverkehrslinien aufrechtzuerhalten.

Im Vergleich dazu trifft es die Pendler im Regionalverkehr ungleich härter. Zwischen Köln und Düsseldorf bleibt nur die Alternative mit dem RE 1, der über Neuss umgeleitet wird. Weil auf dieser Verbindung auch noch der RE 6 und der RE 7 fahren, ist für die S 11 kein Platz mehr frei. Sie wird zwischen Neuss und Worringen durch Busse ersetzt. Die Verstärkerzüge des RE 4 fallen zwischen Aachen und Düsseldorf aus. Der RE5 wird zwischen Düsseldorf Hauptbahnhof und Köln-Mülheim durch Busse ersetzt. Das gilt auch für die S 6. Schnellbusse zwischen Köln und Düsseldorf werden nicht angeboten.