Leverkusen – Marlin Schumacher vom Caritasverband kam gar nicht mehr heraus aus dem Fotografieren: Stetig stellten sich Menschen vor die Linse ihrer Sofortbildkamera und ließen sich vor dem großen Stoffbanner mit der Aufschrift „Aktionstag“ ablichten. Die einen nahmen die Bilder im Anschluss mit nach Hause. Die anderen hängten sie mit Wäscheklammern an eine Leine, die sozusagen das symbolisierte, um was es an diesem heißen Sommertag in der City auf dem Wiesdorfer Platz ging: „Leverkusen ist bunt“. Und es ist bunt, weil hier viele Menschen jedes Alters und jeder Nationalität leben und mehr gemeinsam haben, als es einem diejenigen, die immer wieder von Überfremdung faseln, weismachen wollen.
Viele gemeinsame Lieben
Gemein haben sie zum Beispiel die Liebe zur Musik. Die Liebe zum guten Essen. Die Liebe zu guten Gesprächen. Die Liebe zu Freundschaften zwischen Menschen. Und all das fand Ausdruck bei diesem Aktionstag, der – ein wenig verspätet – anlässlich des Weltflüchtlingstages am 20. Juni von Vertretern der Katholischen Jugendagentur, des Caritasverbandes, der Arbeiterwohlfahrt, des Flüchtlingsrates und des Integrationsrates organisiert worden war.
Marlin Schumacher und ihre Kollegen hatten eine lange Esstafel unter Pavillons aufgebaut, an der um die Mittagszeit zig Menschen saßen und vom türkischen Süßgebäck bis hin zu afghanischen Teigtaschen alles verköstigten, was die ethnische und kulturelle Vielfalt der Leverkusener Bevölkerung so hervorzubringen vermag. Auf der Straße spielten Musiker Lieder aus dem mediterranen Raum. Kinder und Erwachsene tanzten dazu.
Beim Einkaufen vorbeigekommen
Und Marlin Schumacher machte eben Fotos von all denen, die gekommen waren – unter anderem von Feryal Jummo und ihren Kindern Suliman, Simaw und Rooine. Mal alle Vier zusammen auf einem Bild. Mal nur die Kleinen. Mal die Mutter mit jedem ihrer Kinder einzeln. Sprich: Alle Varianten wurden einmal durchgeknipst. Und hinterher hängte Feryal Jummo ein paar der Fotos an die „Leverkusen ist bunt“-Leine und erzählte, dass sie gerade beim Einkaufen vorbeigekommen sei und gesehen habe, dass hier etwas gefeiert werde, was mit ihr zu tun habe. Denn: Feryal Jummo kam vor drei Jahren selbst als Flüchtling nach Leverkusen. Aus Syrien. Gebeutelt vom Krieg in der Heimat. Mit Hoffnung auf ein besseres Leben in der Fremde, die mittlerweile ihre neue Heimat ist. Und genau diese Hoffnung hat sie nun. Auch dank Menschen wie denen, die hier um sie herumwirbelten und Gemeinschaft praktizierten und sich einsetzten für mehr Toleranz.
Stolz auf die gute Organisation
Stolz und glücklich, dass die Organisation des Aktionstages so gut geklappt hatte und sich nach und nach immer mehr Menschen dazugesellten und miteinander ins Gespräch kamen, war auch Fritze Frank von der Caritas. Sie betonte, dass die beteiligten Organisationen zwar schon mehrere solcher Projekte auf die Beine gestellt hätten – im vergangenen Jahr etwa direkt vor dem Rathaus. „Aber da ging es eher um politische Beiträge und Reden. Das heute ist viel ungezwungener“, sagte sie. Treffen wie diese lüden ja geradezu dazu ein, aufeinander zuzugehen und sich aufeinander einzulassen. Sprach’s – und schüttelte gleich ein paar Hände, die ihr entgegengestreckt wurden von Besuchern.
