Die Dürre der vergangenen Wochen bereitet Land- und Pferdewirten Schwierigkeiten. Das Futter wird im Winter knapp werden.
Rhein-BergAuf diesen Weiden gibt es nichts mehr zu fressen

Wochenlang ausbleibender Regen habt auf den Wiesen deutliche Spuren hinterlassen. Für die Pferde gibt es auch in Bergisch Gladbach draußen kaum noch etwas zu fressen.
Copyright: Nina Dreßler
Die Weide am Landgut Diepeschrath in Bergisch Gladbach erinnert eher an eine Steppe als an saftiges Grünland. Das Gras ist braun und vertrocknet. An vielen Stellen wächst kaum noch etwas. Wochenlange Hitze und fehlender Regen haben deutliche Spuren hinterlassen. Heinz-Peter Türk betreibt dort Pferdehaltung und produziert einen Teil seines Heus selbst. Besonders beim zweiten Schnitt bekam er die Trockenheit zu spüren. Als Schnitt bezeichnen Landwirte das Mähen von Wiesen oder Futterpflanzen zur Gewinnung von Heu, Silage oder Grünfutter.
In diesem Jahr brachte der zweite Schnitt kaum Ertrag. „Das Pressen lohnt sich nicht mehr“, sagt Türk. Den Rest ließ er deshalb auf der Fläche liegen. Dort soll das Pflanzenmaterial zur Humusbildung beitragen. Im Stall laufe der Betrieb bisher normal weiter. Bei den Weide- und Aufzuchttieren seien die Folgen der Trockenheit aber deutlich sichtbar. Der Regen am vergangenen Montag und Dienstag hat die Lage etwas entspannt. Die ausgefallenen Futtermengen kann er jedoch nicht zurückbringen. Viele Landwirte und Pferdehalter im Rheinisch-Bergischen Kreis sorgen sich deshalb bereits um ihre Vorräte für den Winter.
Das Pressen lohnt sich nicht mehr
Auch Thomas Westler beschäftigt die Futterversorgung. Er führt einen konventionellen Milchviehbetrieb und hat sein Grünland vor rund drei Wochen zuletzt gemäht. Noch größere Sorgen bereitet ihm der Mais. Die Pflanzen bekamen in den vergangenen Wochen zu wenig Wasser. Dadurch könnten sich die Kolben schlechter entwickeln und weniger Futter liefern. Mais wird in Milchviehbetrieben häufig als Silage verfüttert. Dafür häckseln Landwirte die gesamte Pflanze und lagern sie luftdicht ein. Durch Gärung bleibt das Futter über Monate haltbar.
Westler besitzt noch Vorräte aus dem vergangenen Jahr. Trotzdem erwartet er, bald einen Teil des Winterfutters verfüttern zu müssen. Eine Verringerung seines Tierbestandes war bisher nicht notwendig. Neben der Trockenheit belasten ihn die hohen Betriebskosten. Normalerweise müssten Milchbauern etwa sechs Liter Milch für einen Liter Diesel verkaufen, sagt Westler. In diesem Jahr gehe diese Rechnung nicht mehr auf. Auch trockenheitsgeschädigtes Getreide könne für die Betriebe Rhein-Berg zum Problem werden. Schlechtere Qualitäten eignen sich teilweise nicht zum Brotbacken und werden dann als Tierfutter genutzt.
Die Kühe drehen bei Hitze auf der Weide meist nur eine kurze Runde
Die Hitze belastet auch Westlers Kühe. Auf der Weide drehen sie oft nur eine kurze Runde. Anschließend suchen sie wieder den kühleren Stall auf. Westler will seinen Betrieb deshalb stärker an trockene Sommer anpassen. Auf seinen Grünlandflächen möchte er künftig unter anderem Luzerne anbauen. Die Luzerne bildet besonders tiefe Wurzeln. Dadurch erreicht sie Wasser, das für viele Gräser nicht mehr verfügbar ist. Sie gilt deshalb als vergleichsweise trockenheitsverträgliche Futterpflanze.
Erster stellvertretender Landrat Peter Lautz (CDU) sieht im Kreis noch keinen akuten Futternotstand. Er ist Vorsitzender der Kreisbauernschaft Rhein-Berg und Inhaber der Reitanlage Hebborner Hof. Von Notschlachtungen oder größeren Bestandsreduzierungen habe er bisher nichts gehört. Bei einer Bestandsreduzierung verkaufen oder schlachten Landwirte Tiere, damit weniger Futter benötigt wird. Neben der Dürre belasten laut Lautz vor allem Treibstoffpreise, Löhne und allgemein steigende Kosten die Betriebe. Auch auf dem Reitstall Hauerhof werden die Reserven bereits kleiner. Pferdefachwirtin Sabrina Döpper berichtet, dass sie dort inzwischen Teile des Winterfutters verfüttern müssen. „So krass war es noch nie“, sagt sie. Wie teuer zugekaufte Heuballen im Winter werden, könne sie noch nicht abschätzen.
Meistens reichte das Wachstum beim Gras nicht für einen zweiten Schnitt
Der Betrieb besitzt keine eigenen Flächen für die Heuproduktion. Deshalb ist er besonders von den Preisen der Landwirte und Händler abhängig. Finanzielle Unterstützung für landwirtschaftliche Betriebe würde Döpper deshalb begrüßen. Niedrigere Produktionskosten könnten am Ende auch Pferdehalter entlasten.
Landwirt Andreas Fröhlingsdorf berichtet ebenfalls von deutlichen Ernteausfällen. Er hält Mutterkühe, die ihre Kälber selbst säugen. Seine Tiere verbringen den Sommer überwiegend auf der Weide. Bei Temperaturen über 25 Grad suchen sie mittags häufig Schutz im Stall. Auf einigen Flächen konnte Fröhlingsdorf noch einen zweiten Schnitt einbringen. Auf anderen reichte das Wachstum dafür nicht. Seinen Tierbestand musste er bislang nicht reduzieren. Auch ein Biobetrieb aus dem Bergischen berichtet von einer angespannten Futterlage, aber noch keiner Bestandsverkleinerung.
Dürrehilfen für Landwirte wie 2018 sind derzeit eher unwahrscheinlich
Joachim Tichy von der Landwirtschaftskammer hält neue Dürrehilfen derzeit für „relativ unwahrscheinlich“. Nach der schweren Dürre 2018 gab es solche Hilfen in Nordrhein-Westfalen. Damals konnten betroffene Betriebe Anträge über die Kreisstellen der Landwirtschaftskammer stellen. Die gemeinsame Kreisstelle betreut den Oberbergischen Kreis, den Rheinisch-Bergischen Kreis und den Kreis Mettmann. Sie war 2018 in die Bearbeitung der Anträge eingebunden. Prüfung und Auszahlung verantwortete formal der Direktor der Landwirtschaftskammer als Landesbeauftragter.
Landwirt Thomas Westler sieht direkte Hilfszahlungen ohnehin nicht als beste Lösung. Ihm wäre wichtiger, dauerhaft bessere Preise für landwirtschaftliche Produkte zu bekommen. Das würde seinem Betrieb mehr bringen als einmalige Zahlungen. Für die Höfe in Rhein-Berg zählt jetzt jeder Schauer. Der Regen kann das vertrocknete Gras nicht zurückbringen. Aber er kann darüber entscheiden, ob Mais und Grünland noch etwas Substanz gewinnen – und wie früh die letzten Futterreserven angegriffen werden müssen.
