Bergisch Gladbach/Köln – Zwölf Jahre nach der Tat muss sich seit Mittwoch ein heute 39 Jahre alter Bergisch Gladbacher wegen eines Raubüberfalls auf einen Getränkemarkt vor Gericht verantworten. Vor dem Kölner Landgericht wie auch zuvor schon bei der Polizei legt der nach eigenen Worten seit Jahren drogenabhängige Norbert P. (Name geändert) ein Geständnis ab: Ja, er habe mitgemacht bei dem 12.000-Euro-Überfall, bei dem zwei Menschen mit Prellungen und ausgeschlagenen Zähnen nicht unerhebliche Verletzungen davontrugen.
Treibende Kraft seien aber seine bis heute nicht identifizierten Mittäter Murat und Denis gewesen.
Dass Norbert P. nach so langer Zeit überhaupt noch wegen gefährlicher Körperverletzung und schweren Raubes vor Gericht steht, hat die Justiz nach Informationen dieser Zeitung einem späten DNA-Treffer zu verdanken. Denn die Polizei konnte 2004 die bei dem Überfall verwendeten Vermummungen – zwei Sturmhauben und eine Halloween-Maske – zwar aufspüren und daran DNA-Spuren zu sichern, doch war P. noch nicht in der DNA-Datenbank gespeichert.
DNA-Probe abgegeben
Das änderte sich, als er nach einem Einbruch im Januar 2014 in Bergisch Gladbach ins Visier der Fahnder geriet. Im Februar 2015 wurde Norbert P. erkennungsdienstlich behandelt und musste eine DNA-Probe abgeben, berichtet Polizeisprecher Richard Barz auf Anfrage. So flog er auf.
In Saal 29 des Landgerichts ist P. an diesem Morgen kaum zu verstehen. Leise und undeutlich spricht er über sein Leben und die Tat. Geboren 1976 in Köln, besucht er Grund- und Hauptschule, geht ohne Abschluss ab. Er jobbt als Möbelpacker, bekommt eine Stelle als Industriereiniger. Da verdient er gut, arbeitet aber nach seinen Worten bis zu auch 280 Stunden im Monat. Kollegen, erzählt er dem Gericht, bringen ihn darauf, wie man sich mit Amphetaminen und Kokain für ein solches Pensum aufputschen kann.
Zweite Frau und zweites Kind
Mit 27 beginnt der „Absturz“: Die Firma wechselt den Besitzer, der Job ist weg. Und auch die Beziehung mit der Frau, mit der er mit 21 ein Kind bekommen hat, geht in die Brüche.
Drogen nimmt er weiter, allerdings weniger, weil er sie sich nicht mehr leisten kann, sagt er. Eine zweite Frau, ein zweites Kind, aber auch die Beziehung scheitert. Mittlerweile ist der sportlich-drahtig wirkende Mann mit den kurz geschnittenen schwarzen Haaren wieder in festen Händen.
Über seine eigene Kindheit mag Norbert P. nicht viel erzählen. „Meinen Erzeuger kenne ich nicht“, sagt er auf Nachfrage. „Meine Mutter hatte häufig wechselnde Männer“, und sie habe ihn auch schon einmal alleingelassen – für eine Nacht, auch für mehrere.
Bei seiner Schilderung des Überfalls berichtet er, dass Murat die Idee gehabt habe. Er kenne einen mit viel Bargeld, habe der gesagt, als die drei nach „Party feiern“ mit Amphetaminen, Kokain und Alkohol gemerkt hätten, dass das Geld zu Ende gehe.
Der Ablauf laut Norbert P.: Die drei fahren zu dem Getränkemarkt, betreten ihn nach Ladenschluss durch eine Seitentür, fordern den ersten Anwesenden auf, sich hinzulegen. Dann schlägt einer den zweiten mit einer Eisenstange nieder und nimmt ihm Geld ab. Sie warten, bis ein weiterer Mitarbeiter mit den Tageseinnahmen aus weiteren Filialen kommt, misshandeln und berauben auch diesen, flüchten dann. An der Saaler Mühle lassen Murat und Denis Norbert aussteigen, geben ihm 2000 Euro ab.
Der Prozess wird fortgesetzt.
