Bergisch Gladbach – Wenn in dieser Woche die Schule beginnt, dann haben sie wieder Hochkonjunktur: Schulranzen in allen Formen und Farben, aus leichtem, wasserabweisendem Material und mit Leuchtreflektoren an den Seiten. Nicht nur eine einfache Tasche zum Transport von Schulbüchern, Heften und Stiften, sondern eher Statussymbol jedes Schulanfängers.
Eckige Kästen mit Schiebedeckel
Schüler früherer Zeiten hatten am Schulanfang weit schwerer zu tragen als heutige Kinder. Denn ihre Taschen waren oftmals aus Holz gefertigt, kleine eckige Kästen mit Schiebedeckel, ohne Gurte, dafür mit ausgeschnittenem Handgriff – der Schrecken aller modernen Orthopäden.
Heute sind diese Schulkästen gefragte Raritäten. Drei Exemplare aus dem frühen 19. Jahrhundert, die die Zeiten überdauert haben, sind heute im Schulmuseum Katterbach zu sehen und leisten hier ihren Beitrag zur Evolutionsgeschichte des Schulranzens.
Zwei von ihnen hatte schon der Gründer des Schulmuseums Carl Cüppers an Land gezogen, undatierte Stücke, die wohl im 19. Jahrhundert entstanden und von denen eines aus den Niederlanden stammt, so der heutige Leiter der Schulmuseums Peter Joerißen.
Im vergangenen Jahr gelang es Joerißen, ein weiteres Exemplar anzukaufen, das ein verziertes Monogramm trägt, aus dem Jahr 1824 stammt und heute in einer eigenen Vitrine gezeigt wird.Nun könnte das historische Trio bald Verstärkung bekommen.
Denn eine weitere hölzerne Schultasche fand sich überraschend im Bensberger Heimatmuseum und die Refratherin Agnes Scharffe besitzt ein gut erhaltenes Exemplar als Familienerbstück. „Gefunden habe ich es schon vor Jahrzehnten auf dem Speicher meines Elternhauses“, berichtet Agnes Scharffe, deren Familie vom Niederrhein stammt.

Neue Exponate im Bergisch Gladbacher Schulmuseum
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Damals suchte sie Sachen für den Flohmarkt. Dass das dunkle Kästchen mit der Jahreszahl 1820 für diesen Zweck zu schade war, sei ihr aber direkt klar gewesen, sagt sie lächelnd. Seither hat sie es gut bewahrt und jüngst Kontakt mit dem Schulmuseum aufgenommen.
Dabei dachte sie zunächst an eine Dauerleihgabe, ist aber nach eigenen Angaben auch nicht abgeneigt, das Stück an das Museum zu verkaufen. Für Museumsleiter Joerißen eine Preisfrage, obwohl er begeistert ist. Denn im Gegensatz zu den anderen hier gezeigten Stücken hat das Schulkästchen von Agnes Scharffe ein reiches Innenleben.
Erster Schultag
Schultasche und Schultüte sind die wichtigsten Accessoires für die Jungen und Mädchen, die am Donnerstag eingeschult werden. An den 20 Grundschulen in Bergisch Gladbach werden 949 i-Dötzchen erwartet, sechs mehr als im Schuljahr zuvor.
Ihren ersten Tag an den weiterführenden Schulen haben bereits am Mittwoch 1115 Schüler; im vergangenen Jahr waren es 1082. Im gesamten Regierungsbezirk Köln werden 38.890 Kinder eingeschult, 256 i-Dötzchen mehr als im Vorjahr. Insgesamt werden rund 555.000 Schüler von knapp 45.500 Lehrern in elf Schulformen unterrichtet. (spe)
Zahlreiche Zettel mit Rechtschreibübungen in alter deutscher Schrift überdauerten hier gut geschützt die Zeit, auch ein kleines Rechenheft und weitere Zettel, darunter datierte aus dem Jahr 1840. Rechnen muss nun auch Museumsleiter Peter Joerißen, ob sich sein Verein die Schultasche leisten kann.
Diese Probleme hat Sandra Brauer nicht. Der neuen Leiterin des Bensberger Heimatmuseums fiel eine bisher unbekannte, beziehungsweise in Vergessenheit geratene Schultasche förmlich in den Schoß. „Hier hielt man das in der Bauernküche hängende Stück für einen Kasten zur Aufbewahrung von Tabak“, so Brauer.
Da sie aber bei der Neukonzeption eines Raumes im Schulmuseum mit einer ganz ähnlichen Tasche in Berührung gekommen war, konnte sie nach kurzer Recherche die vermeintliche Tabaksdose wieder zu dem machen, was sie ursprünglich war: eine alte Schultasche.
