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KultursommerHier wurde die Industriehalle auf Zanders zur Bühne für Tanz und Klang

4 min
ein Mann und eine Frau halten einen Kontrabass in der Waagerechten, der Mann spielt den Kontabass

Eine etwas andere Art, Instrumente aus dem Bassbereich zu spielen, präsentierte die Produktion „Zanders Projekt: The Space“.

Ein einzigartiges Zusammenspiel von Tanz und Klang wurde bei der Eröffnung des Kultursommers auf Zanders geboten.

Wo begrüßt man normalerweise seine Gäste? Im Hausflur. Der Hausflur der Gastgeber, „Dancer & Musicians“, geriet etwas größer. Es war die Durchfahrhalle zum denkmalgeschützten Kalandersaal auf dem Zanders-Gelände.

Hier standen und saßen die vielen Besucher und wurden begrüßt: von den leisen Tönen der Posaune, den tiefen, oft verfremdeten Klängen des Basses – und schließlich von den vier Tänzerinnen, die sich mit großen Armbewegungen im frei gebliebenen Mittelgang bewegten. Dann ging es in den großen Saal. Ein Sextett, eine denkmalgeschützte Industriehalle und vier Sekunden Nachhall: Choreografin Britta Lieberknecht eröffnete am Samstag den Kultursommer Bergisch Gladbach im Kalandersaal der ehemaligen Papierfabrik Zanders. Vier Tänzerinnen und zwei Musiker ließen Architektur zu Kunst werden. Sie nutzten Bewegung, Stimmen und Instrumente, um den 55 Meter langen Raum klanglich auszuloten. Ein intensives Zusammenspiel von Raum, Ton und Tanz – im Herzen der Stadt.

Ich wünsche Ihnen eine ganz persönliche Entdeckungsreise, lebendig und mit Herzblut inmitten unserer Stadt.
Brigitta Opiela, stellvertretende Bürgermeisterin Bergisch Gladbach

Im klassischen Ballett nennt man die Führung der Arme – die tänzerische Begrüßung am Samstag – „Port de bras“. Dort trainiert man sie zusammen mit Neigungen des Oberkörpers. Doch Industriehalle und klassischer Spitzentanz passen nicht zusammen. Tänzerinnen und Musiker, gekleidet in Neonfarben, die man mit Arbeitskleidung verbindet, bedienten sich eines tänzerischen Vokabulars, das an Modern Dance erinnerte. Die beiden Musiker, die Instrumente aus dem Bassbereich spielten, pflegten die Musik des Free Jazz. Eine Musikform, die auch in Köln, im Stadtgarten oder im LOFT, selten geworden ist.

Bereits vor der Halle hatte Brigitta Opiela (CDU), die stellvertretende Bürgermeisterin, das große, vor der Durchfahrhalle wartende Publikum begrüßt: „Ich wünsche Ihnen eine ganz persönliche Entdeckungsreise, lebendig und mit Herzblut inmitten unserer Stadt!“

Vier Tänzerinnen in neonfarbenen T-Shirts und Trainingshosen in Bewegung, alle halten sich an langen Gummibändern fest, die an der Decke befestigt sind

Eine Tanzperformance in einer denkmalgeschützten Industriehalle: Choreografin Britta Lieberknecht eröffnete den Kultursommer im Kalandersaal der ehemaligen Papierfabrik Zanders.

Organisiert hatte das Team des Kulturbüros, fest verbunden mit dem Namen Petra Weimanns. Sie organisiert den Kultursommer mit über dreißig Veranstaltungen an verschiedenen Orten der Stadt. Kein Getöse, maximale Klasse: Im Hintergrund zieht Weimanns die Fäden für eine Fusionsreihe aus Musik, Tanz und Kunst, die schlichtweg perfekt sitzt.

Diese freie Form von Tanz und Musik ist nicht nur für die Ausführenden äußerst anspruchsvoll. Auch das Publikum ist gefordert. In der Musik gibt es keinen durchgängigen Groove, keine Melodie, keine sich wiederholenden Formteile. Die Töne der Instrumente sind oft verfremdet, die Musiker nutzen ihre Stimmen. Ebenso im Tanz. Keine klassische Sprache, wie sie dem Ballett zu eigen ist. Die Tänzerinnen, Neus Barcons Roca, Christiane Budden, Britta Lieberknecht und Maria Mercedes Flores Mujica erschließen den Raum. Sie halten sich an Gummibändern fest, die oben an den tragenden Stahlsäulen der Halle befestigt sind. Sie ziehen sie straff, entspannen sie, lassen sie mit einem lauthörbaren „Wusch“ los oder schlagen sie klappernd zusammen.

Ein Mann in neongrünem T-Shirt mit Posaune, eine Tänzerin in Orange und Neongrün macht einen großen Schritt

Tänzerinnen und Musiker trugen Neonfarben.

So wird der Raum mit seiner Struktur, den Säulen, den stillgelegten Bedienfeldern, der stehengebliebenen Uhr, den Warnschildern, der Waage im Hintergrund zum Anker – für die Tanzenden, die Musiker und das Publikum. Man erfasst die Weite. Wenn zum Schluss die Tänzerinnen von ganz hinten zur Musik sich langsam nach vorne zucken. Oder wenn sie ganz links hinten auf vier Stühlen sitzen, mit dem Gesicht zur Wand, und ihre Stimmen ein Teil des akustischen Geschehens werden. Paul Hubweber, Posaune, und John Edwards am Kontrabass stehen auf der anderen, der Fensterseite, und kommentieren, was, von der Wand reflektiert, bei ihnen ankommt. Alle sechs sind auf ihre Art hochvirtuos. Ein Teil der Faszination an diesem Nachmittag.

Dann die Choreografie: Leicht flitschen die Finger der Tänzerinnen an die Stahlsäulen, man hört dieses extrem leise Ping deutlich. Danach eine Panikattacke: Eine Tänzerin tritt immer wieder vor eine rote Tür, die anderen schreien, die Musiker übernehmen. Extreme Lautstärke. Das Ensemble legt immer wieder weite Wege zurück, meist in schnellen Bewegungen, ihre Gesten verzahnen sich mit den Musikern. Der gesamte Raum wird Teil der Aktion. Moderne Kunst in höchster Qualität.