Die Brillen sind beliebt, doch schwer zu bekommen. Nicht so bei Optik Wolf auf der Schloßstraße. Der hatte noch einige im Angebot.
„Wie geschnitten Brot“Sonnenfinsternis führt zu großem Ansturm auf Bensberger Brillen

800 Brillen, mit denen man die Sonnenfinsternis beobachten kann, gab es noch bei Optik Wolf zu ergattern. (Fotomontage)
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„Sollten Sie Nachfrage bezüglich der Sonnenfinsternisbrillen haben, wir haben keine mehr auf Lager“, erklingt die rauschende Stimme auf dem Anrufbeantworter von Skyline Optik aus Bergisch Gladbach. Bei Olma Optik hingegen klebt ein weißer Zettel an der Ladentür, auf dem derselbe Hinweis in schwarzen Buchstaben steht. Ein Anblick, der an Zeiten von ausverkauften Coronatests und Masken erinnert. Der Grund für diesen Ausnahmezustand ist die seltene Sonnenfinsternis, die am heutigen Mittwochabend zu sehen ist.
Wer als Optiker die speziellen Brillen im Angebot hatte, wurde am Dienstag von Menschenmassen überrollt. Denn diese Brillen zeichnen sich durch eine CE-Zertifizierung aus und schützen die Augen vor Schäden durch den direkten Blick in das Sonnenlicht. Diese sind zwar in der Theorie noch online erhältlich, eine rechtzeitige Lieferung vor heute Abend jedoch unwahrscheinlich. Also bleibt noch der spontane Kauf bei Sternwarten oder Optikern vor Ort. Und selbst dort sind sie kaum mehr zu bekommen.
Wie geschnitten Brot gehen die hier weg
Anders war es am gestrigen Dienstag bei Optik Wolf in der Bensberger Schloßstraße. Denn dort gab es noch Brillen zu ergattern. „Wie geschnitten Brot gehen die hier weg“, so beschrieb Mitarbeiter Falk Altmann die Lage des großen Andrangs im Laden.
Schon gegen Mittag standen Menschen die Schloßstraße hoch, bis zur nächsten Straßenecke. Entlang der Einkaufsläden standen ältere Ehepaare, Familien mit Babys und Kleinkindern, Gruppen von jungen Erwachsenen im Schatten. Ein nicht endender Zustrom an potenziellen Kundinnen und Kunden.
Für 2,90 Euro gab es eine der heiß begehrten Brillen
Doch nicht jeder, der hier vorbeikam, wusste, worauf es die Menschen abgesehen hatten. So etwa zwei ältere Damen, die an der Schlange vorbeischlenderten. Eine der beiden war sich sicher: „Da gibt es bestimmt was geschenkt!“. Damit lag sie falsch, wenngleich der Preis der Brillen nicht sonderlich hoch war. Für 2,90 Euro gab es eine der heiß begehrten Brillen. Vor allem kosteten sie die Wartenden Zeit.

Auf lange Wartezeiten mussten sich die Kundinnen und Kunden einstellen. Eine Schlange bildete sich auf der Schloßstraße.
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Eine von diesen war Renate Deichert, die für sich und ihre Familie anstand. Gemeinsam hatten sie den Laden mithilfe einer Internetrecherche gefunden, Vater und Tochter suchten nach einem Sitzplatz, kamen aber unverrichteter Dinge wieder zurück. Bereits nach einer viertel Stunde fragte Deicherts junge Tochter, was sie da mache. Ihre Mutter antwortete, wenig überraschend: „Warten.“
Viele Optiker waren nicht auf den Ansturm vorbereitet
Das taten auch Klaus und Brigitte Dorn, die eine knappe Stunde vor dem Laden standen. Sie kauften zehn Brillen. Weiter hinten in der Schlange war die 32-jährige Jessica Negenborn. Sie hatte sogar vorher bei vielen verschiedenen Optikern angerufen – erfolglos. Sorgen, dass sie keine mehr bekommt, machte sie sich trotz der Menschenansammlung vor ihr nicht.
Andere Optiker aus Bergisch Gladbach wie Glas & Bügel Augenoptik hatten mit dem Ansturm nicht gerechnet. Untypisch viel Kundenkontakt erwartete das Personal des Geschäfts. 60 Anrufe gingen bereits am Dienstagnachmittag ein. Gerade mal 20 Stück habe Glas & Bügel Augenoptik zuvor bestellt. „Komm auch an keine Lieferung mehr dran“, sagte Optikerin Monique Hofmann mit einem Lachen.
Schon nach zwei Stunden waren 800 Brillen ausverkauft
Bernard Wolf, der Inhaber von Optik Wolf, war indes besser vorbereitet. Er kannte das Spiel schon von der letzten Sonnenfinsternis im August 1999. Damals hatte er extra in seinem Urlaub eine Lieferung in München bei einem Großhändler geordert. Diese habe er durch den Hintereingang in sein Geschäft gebracht, damit ihm die Ware nicht aus den Händen gerissen würde. Eine kluge Entscheidung. Denn auch am Dienstag waren schon nach zwei Stunden 800 Brillen ausverkauft. Auch wenn es maximal fünf Stück pro Person zu ergattern gab.
Vor dem Laden entwickelte sich ein eigenes Geschäftsmodell: Wer mit einer Packung Brillen herauskam, bot sie teils direkt den Wartenden in der Schlange an. Einige, die weiter hinten standen, probierten indes auf andere Weise, an die Brillen zu kommen. Sie gingen gezielt zu den vorderen Plätzen und baten die Kunden direkt am Eingang darum, ihnen eine Brille mitzubringen. Für den heutigen Mittwochmorgen ist wohl wieder mit einer riesigen Schlange vor Wolfs Laden zu rechnen, denn er bekommt die nächste Lieferung – wieder 800 Brillen.
