Neuorganisiert wird in Bergisch Gladbach das Mobilitätsmanagement bei der Schulwegsicherheit. Das sorgt für Kritik bei den Schulen.
Bergisch GladbachÄrger um den sicheren Schulweg

Die Kidical-Mass-Demo am Samstag greift das Thema auf
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Es braut sich Ärger zusammen für die Bergisch Gladbacher Stadtverwaltung. Ende September, beim Mobilitätsausschuss, könnten einige Schuldelegationen protestieren. Ganz aktuell nimmt am Samstag die Kinder-Fahrraddemo Kidical Mass die Kürzungen beim Mobilitätsmanagement für die Schulen aufs Korn. So geht es nicht: Das haben die Demonstrierenden schon im Vorfeld angekündigt. Mehrere hundert Teilnehmende werden öffentlichkeitswirksam durchs Stadtgebiet fahren und den Finger in die Wunde legen.
Beim Mobilitätsmanagement der Stadt hat es nach dem hochumstrittenen Beschluss zum Haushalt 2026 Stellenkürzungen gegeben, zwei Stellen fallen dauerhaft weg. Ein Mobilitätsmanager hat die Verwaltung verlassen. Bislang kümmerte sich das Rathaus mit einer Dreiviertelstelle um alles, was mit der Mobilität an den städtischen Grundschulen und den weiterführenden Schulen zusammenhing. Ab sofort arbeitet die Verwaltung nur noch mit einer halben Stelle.
Neue Strukturen
Als Folge spricht die Stadt von einer grundlegenden Neuorganisation des schulischen Mobilitätsmanagement – damit gemeint sind Elterntaxizonen, Querungsmöglichkeiten, Sichtachsen an den Straßen, Tempo 30, einfach alles, was den Schulweg für die jüngsten Verkehrsteilnehmer sicher macht. Kritiker weisen den Begriff der Neuorganisation als beschönigend zurück. Vielmehr seien es dramatische Kürzungen, die jetzt auf die Schulen zukämen. Dass es bei der Sitzung am 29. September deshalb zu Protesten kommen könnte, scheint nachvollziehbar.
Die Gladbacher Bürger sind schon zu weniger spektakulären Dingen auf die Barrikaden gegangen. Statt das große Ganze in den Blick zu nehmen, will sich die Stadt nach eigener Aussage auf Zonen von 400 Metern um den Schulstandort konzentrieren. Bislang gingen die Blicke der Planer viel weiter, hinein in das Verkehrsumfeld der Schulen.
Priorisierung soll kommen
Die Stadt spricht von einer Priorisierung, die damit möglich werde. Allerdings ist diese Veränderung auch den personellen Kürzungen geschuldet. Der Verwaltung fehlt das Personal, und aufstocken darf sie aufgrund des Ratsbeschlusses nicht. Statt individuell auf die Schulwege zu schauen, soll ein standardisiertes Vorgehen kommen. Aber kann für alle Schulen in den Stadtteilen das gleiche Verfahren angewandt werden? Jede Schule ist anders, und die Grundschulen in Refrath haben vielleicht andere Schwierigkeiten als die in Herkenrath oder Hand.
Dass diese Standards nun von externen Fachbüros erarbeitet werden sollen, ist weitere Folge der Personalkürzungen. Es geht aber auch um die Reihenfolge. In der Stadt gibt es 20 Grundschulen, sie sind von der Stadt in einer Prioritätenliste eingestuft worden. Weil die Büros auch Zeit brauchen, schätzt die Stadt die Dauer der Umsetzung auf fünf Jahre insgesamt. Wer in der Liste der Verwaltung hinten steht, muss also ziemlich lange warten.
Moitzfeld weit hinten
Mit Priorität 5, der vorletzten Stufe, rangiert die Gemeinschaftsgrundschule Moitzfeld weit hinten. Hier wird vorerst nichts zur Sicherheit umgesetzt werden, bliebe die Reihenfolge unverändert. „Wir sind damit ausgetrickst worden“, kritisiert Benjamin Jendrosch, Mitglied der Schulkonferenz und stellvertretender Schulpflegschaftsvorsitzender in Moitzfeld. Akribisch hat er die Unfallzahlen im Schulumfeld aufgelistet. Jendrosch kommt auf 101 Zwischenfälle seit 2023, davon sechs Unfälle mit Personenschaden. Viele Unfälle seien wegen ungenügendem Sicherheitsabstand geschehen oder beim Abbiegen und Wenden.
Dass die Stadt die Schule nun in einer der untersten Prioritätsstufe einsetze, sei unverständlich. Er werde im Ausschuss noch nicht einmal ein Rederecht erhalten, um die Argumente vorzubringen. Im Frühjahr habe er auf Anraten der Stadt einen Sicherheitsantrag in den Ausschuss für Anregungen und Beschwerden gegeben, die Politiker habe einer Beratung im Fachausschuss zugestimmt. Der Antrag werde aber nicht im Mobilitätsausschuss beraten, sondern im Rahmen des Gesamtkomplexes erwähnt.
Mehrseitiger Antrag
Die Sicherheit der Grundschulkinder werde täglich aufs Spiel gesetzt, sagt der Schulvertreter empört. Mündliche Zusagen, die ihm gegeben worden seien von der Stadt, würden nun eingestampft. Nachgereicht hat er für die Sitzung einen mehrseitigen Antrag, in der auf Informationen gemäß des Informationsfreiheitsgesetzes für die Bürger gepocht wird. Um auf die Moitzfelder Situation eindringlich aufmerksam zu machen, hat die Schulgemeinde einen mehrseitigen Brief aufgesetzt und an alle Fraktionen, und den Bürgermeister aufgesetzt. Eindrücklich wird auf die Situation hingewiesen, die die Schulkinder täglich gefährdeten.
Jendrosch erinnert daran, dass die Stadt beim Umbau der Schloßstraße in Bensberg sofort Tempo-20-Zone für die Flaniermeile eingerichtet habe. Die Grundschüler würden hingegen in „jahrelangen Prüfschleifen“ abgespeist. Jendrosch wird am 29. September auch zur Beratung in den Ausschuss kommen. Er hofft auf ein spontanes Rederecht im Ausschuss.
