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Skurril und absurdFantastische Werke des Künstlers James Ensor zeigt das Gladbacher Museum Villa Zanders

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Ein Bild von Ensor zeigt die sieben Todsünden, die sich unter den Flügeln des Todes in der Darstellung eines Totenkopfes versammeln.

Skurril wirken die Figuren in Ensors Werken.

Über 100 Radierungen, die mal gesellschaftskritisch, mal skurril-witzig daherkommen, sind ab Sonntag (31. Mai) in der Villa Zanders zu sehen.

Musiker, Schriftsteller, Künstler: James Ensor hat viele Gesichter. Ebenso wie seine Kunstwerke. Landschaften, Stadtansichten, Gesellschaftskritik, absurde und skurrile Figuren oder literarische Darstellungen – sie alle sind in Ensors Werken und insbesondere in seinen über 100 Radierungen, die das Kunstmuseum Villa Zanders ab dem morgigen Sonntag im Rahmen der Ausstellung „James Ensors fantastische Welten“ zeigt, vertreten.

Ensor dürfte den meisten als „Maler der Masken“ bekannt sein. Der belgische Avantgardekünstler wird 1860 in der Hafenstadt Ostende geboren. Seine Eltern betreiben vor Ort einen Souvenirladen. Hier, umringt von exotischen Objekten und Kuriositäten, verbringt er seine Kindheit. Vieles davon sicherlich Inspiration für seine Maskendarstellungen – ebenso wie der Ostender Karneval.

Mit dem bloßen Auge sind nicht alle Details sofort erkennbar

„Er selbst bezeichnete sich aber als Maler der Masken und des Meeres“, erklärt Museumsleiterin Ina Dinter, die ihre Doktorarbeit über Ensor verfasste und die Ausstellung kuratierte. Eine seiner Radierungen zeigt eine Hafenansicht: Boote am Strand, blau und grün mit roten Fahnen, im Hintergrund das Meer und eine kleine Stadt. Mit dem Strand im Vordergrund brachte Ensor die Radiertechnik sicherlich an ihre Grenzen, denn die Linien lösen sich an vielen Stellen so weit auf, dass sie zu Punkten werden.

Mit dem bloßen Auge ist das nicht an allen Stellen gut zu erkennen. Viele der ausgestellten Arbeiten sind recht kleinformatig, weshalb das Museumsteam überlegt, Lupen für die Gäste bereitzustellen.

Ensor scheute sich nicht, seine Mitmenschen aufs Korn zu nehmen

Hilfreich wären diese auch bei seinem Mappenwerk „Die sieben Todsünden“. Etwa bei der Radierung „Todsünden vom Tode beherrscht“, in dem die personifizierten Laster unter den Flügeln des Todes, dargestellt als Totenschädel, vereint sind. Hochmut als Soldat mit Fellmütze, Geiz als Mann mit Geldbeutel, eine Frau und ein Mann als Zorn und Wollust, die Völlerei als runder Kopf mit Wurstzipfel im Mund, Neid als Mann mit blutverschmiertem Messer und die Faulheit als Mann im gestreiften Schlafanzug mit Zipfelmütze. Viele kleine Details erlauben diese Zuordnung, so auch etwa die Schnecke, die auf dem Pyjama der Faulheit entlang krabbelt. Ensor scheute sich nicht, seine Mitmenschen und ihre „schlechten Eigenschaften“ aufs Korn zu nehmen.

Insgesamt drei Varianten dieses satirischen Werks hängen in der Villa Zanders. Eine in schwarz-weiß, zwei weitere in Farbe. Damit ist es nicht das einzige Motiv – immer wieder gibt es Radierungen, die in mehrfacher Ausführung zu sehen sind.

Satirisch und angriffslustig präsentieren sich Ensors Werke

Zum Kolorieren nutzte Ensor unter anderem Aquarell oder Gouache. Im Fall der sieben Todsünden sind die Unterschiede sehr eindeutig. In der einen Farbvariante wirkt das Bild heller, jede der einzelnen skurrilen Figuren hebt sich durch ihre Farbgestaltung von den anderen ab. Geiz etwa trägt ein rotes Oberteil, Faulheit ein blau-weiß gestreiftes.

In der anderen Variante hingegen sind die Farben dumpfer. Auch hier lässt sich das rote Oberteil noch erkennen und auch die Streifen des Pyjamas. Was gänzlich fehlt, ist das grüne Oberteil von Wollust, das in der ersten Variante deutlich sichtbar ist. Weniger satirisch und angriffslustig wirkt die Radierung dadurch aber nicht.

Auch sich selbst greift der Künstler selbstironisch in seinen Werken auf

Ensor schreckte auch nicht davor zurück, sich selbst selbstironisch aufzugreifen. In „Der Pisser“ uriniert ein Mann an eine Hauswand, auf der „Ensor est un fou“ (Ensor ist ein Narr) steht. Darunter als Wandzeichnung inszeniert: Bürger, die Ensor in seiner Künstlerrolle nicht verstehen. „Der Pisser“ ist eine clevere Reaktion auf seine Kritiker, in der der Künstler auch sich selbst nicht allzu ernst nimmt. Es ist mit einem Augenzwinkern zu genießen – wie viele seiner Werke.

Die Ausstellung „James Ensors fantastische Welten“ ist vom 31. Mai bis zum 15. November in der Villa Zanders zu sehen. Bei der Vernissage am morgigen Sonntag um 11.30 Uhr wird neben Bürgermeister Marcel Kreutz und Ina Brandes, NRW-Ministerin für Kultur und Wissenschaft, auch der Sammler der in der Villa Zanders ausgestellten Kunstwerke anwesend sein.