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Aktuelle StudieBergisch Gladbach hat höchste Müllgebühren der deutschen Großstädte

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Das Foto zeigt zwei Kehrfahrzeuge in Bergisch Gladbach

Die Abfallgebühren sind laut Haus und Grund in Bergisch Gladbach höher als in anderen deutschen Großstädten

Nach einer Studie von des Eigentümervereins Haus und Grund liegt Bergisch Gladbach bei den Müllgebühren deutschlandweit bei den Großstädten an der Spitze

 Der Müll, die Stadt- nein, nicht der Tod, wie es in einem legendären Theaterstück von Rainer Maria Fassbinder aus den 1970ern heißt. Haus und Grund, der Zusammenschluss der Immobilieneigentümer, kann diesesmal ergänzt werden. Es geht um eine Tabelle zu den Abfallgebühren 2026, neudeutsch Ranking, die Haus und Grund Deutschland gemeinsam mit einer Beraterfirma erstellt hat.

Das Ergebnis, seit Mittwoch bekannt, wird den Verantwortlichen der Stadt Bergisch Gladbach um Bürgermeister Marcel Kreutz (SPD) und auch den politischen Akteuren im Stadtrat gar nicht schmecken. Die Stadt belegt darin den letzten Platz unter den einhundert größten Städten Deutschlands.

Langfristige Verträge

Ausschlaggebend, wie seit Jahren in solchen Abfall-Bewertungen, sind offenbar langfristige Verträge, die die Stadt mit der Müllverbrennungsanlage in Leverkusen hat. So jedenfalls erklärt die Geschäftsführerin von Haus und Grund Rhein-Berg, Sylvia Schönenbröcher, das negative Ergebnis: „Bergisch Gladbach weist damit die höchsten Müllgebühren unter den untersuchten Kommunen auf.“ Die Anlage, die die Gladbacher Müllfahrzeuge ansteuern, liegt in Nachbarschaft zum Leverkusener Fußballstadion und zum Autobahnkreuz. Betreiber ist die Avea, sie gehört zur Hälfte der Stadt Leverkusen und dem Bergischen Abfallwirtschaftsverband BAV.

Mail an die Verwaltungsspitze

Gleich nach Erscheinen der Studie am Vormittag setzte sich die Geschäftsführerin an ihren Schreibtisch und schrieb Mails an Gladbachs Bürgermeister, an den Ersten Beigeordneten Ragnar Migenda und Kämmerrer Thore Eggert. „Konstruktiv müssen wir schauen, wie wir da rauskommen“, erklärte Schönenbröcher dazu auf Nachfrage. Für die Zukunft müsse geschaut werden, wie man die Problematik mit der Müllverbrennungsanlage angehen könne.

Zurück zum Ranking. Mittlerweile spielen solche Städtetabellen eine große Rolle, potenzielle Neubürger schauen da genau hin. Das ist bei der Digitalisierung der Verwaltung so, bei der Radinfrastruktur auch. Und auch bei den Müllgebühren. Hohe Ausgaben für die Abfallentsorgung schrecken ab. Das bestätigt auch Sylvia Schönenbröcher.

Hypothetischer Index

In der entscheidenden Tabelle hat Haus und Grund alle unterschiedlichen Gebühren und Abfuhrrhythmen der Städte unter einen Hut zu fassen versucht. Ergebnis ist ein hypothetischer Indexwert für eine Musterfamilie (zwei Erwachsene, zwei Kinder), der für die Stadt Bergisch Gladbach bei 54,2 liegt, Platz 100, weit abgeschlagen. Je niedriger, um so teurer seien die Gebühren, erklärt Haus und Grund. Weil nicht alle Kommunen vergleichbare Leistungen anböten, seien die fehlenden Varianten in einer Näherungsvariante für alle einhundert Städte berechnet worden („approximiert“).

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Das Ergebnis basiere also auf realen und angenäherten Gebühren, erklärt Haus und Grund. Im Jahr 2022, bei der letzten Studie, lagen die Bergisch Gladbach ebenfalls wenig berauschend auf Platz 98 von 100. Jetzt nochmal zwei Plätze schlechter, hinter Lünen (Platz 99) und Leverkusen (Platz 98). Die Berechnung ist komplex: Im zweiwöchentlichen Teilservice verglichen die Planer 67 Städte, hier liegt die bergische Großstadt auf dem vorletzten Platz, mitausschlaggebend für die negative Bewertung.

Teurere Grundsteuer B

Auch die zum 1. Januar beschlossene Erhöhung der Gebühren um etwa fünf Prozent könnte eine Rolle gespielt haben. Sylvia Schönenbröcher sieht die Leverkusener auf einem günstigeren Weg als die Bergisch Gladbacher. Denn in der Farbenstadt sei in der Vergangenheit reagiert worden, mit der Einführung der Biotonne habe sich etwas getan. Deshalb sei die Stadt Leverkusen, bislang letzter im Ranking, an Bergisch Gladbach vorbeigezogen. „Wie es in Bergisch Gladbach ist, kann es nicht bleiben“, betont Schönenbröcher.

Erst am Dienstag habe die Stadt an die um 25 Prozentpunkte gestiegene Grundsteuer B erinnert und den Versand der geänderten Bescheide angekündigt. „Und heute kommt die Information zu den Müllgebühren“, ergänzt sie. Die hohen Gebühren in Bergisch Gladbach beträfen ja Mieter und Vermieter, über die Nebenkosten würden die Gebühren eingerechnet. Schönenbröcher: „Rat und Verwaltung sind aufgefordert, sämtliche Kostenstrukturen kritisch zu überprüfen und Einsparpotenziale konsequent zu nutzen.“

Reaktionen der Mitglieder

Direkt nach Veröffentlichung der Studie habe sie erste Reaktionen ihrer Mitglieder erhalten. Weil die Nebenkosten bereits sehr hoch seien in Bergisch Gladbach, würden manche Eigentümer Steigerungen nicht mehr an ihre Mieter weitergeben. „Wenn die Bürger in Bergisch Gladbach für die Müllentsorgung fast das Dreifache zahlen müssen wie die Einwohner der günstigsten Vergleichsstadt, dann besteht erheblicher Erklärungsbedarf.“ Die Stadt dürfe sich mit diesem Negativrekord nicht abfinden.

Noch am Mittwoch reagierte die Stadt mit einer längeren Erklärung. „Wir gehören, als eine kleine Großstadt, welche selbstständig eine eigene Müllabfuhr betreibt, sicherlich nicht zu den günstigsten Kommunen. Es ist jedoch dabei nachzuvollziehen wie und ob erhobene Werte miteinander vergleichbar sind. Aus unserer Sicht sind solche Gebührenvergleiche immer schwierig, da teilweise unterschiedliche Leistungen und Faktoren eingerechnet werden“, so Stadtkämmerer Thore Eggert.

Andere Zuständigkeiten

Gleichzeitig müsse die unterschiedliche Ausgangssituation mitbetrachtet werden: Für die Verwertung und Entsorgung sei der Bergische Abfallwirtschaftsverband (BAV) zuständig, der aus den Gebühren umlagefinanziert werde. „Auf die Höhe der Umlage haben wir nur sehr bedingt Einfluss.“ Außerdem  müsse die Stadt nicht unerhebliche Kosten für Altdeponien – aus Zeiten die teilweise sogar noch vor der Zeit der Gebietsreform lagen – tragen.

„Auch haben wir höhere Logistikkosten als andere Kommunen, da der Müll über teilweise sehr weite Strecken transportiert werden muss. Wir vermuten, dass es andere Kommunen gibt, die diese Zusatzbelastungen nicht oder nur im geringeren Maße haben.“

Somit gebe es nicht unerhebliche Einflussfaktoren, die eine Auswirkung auf die Gebühren hätten. Dies liege überwiegend nicht im Verantwortungsbereich der Stadt Bergisch Gladbach und damit auch außerhalb einer Steuerbarkeit.