Weil sich die Übergabe des Neuen Stadthauses verzögert, hatten Bergisch Gladbachs Politiker zahlreiche Nachfragen.
StadthausGladbachs Politik fragt zu Bauverzögerungen nach

Das Neue Stadthaus an der Bensberger Straße ist gerade eingerüstet.
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Es war keine „peinliche Befragung“, wie man sie aus dem Mittelalter kennt, Geschäftsbereichsleiter David Sprenger erlitt keine Schmerzen. Im Bergisch Gladbacher Hauptausschuss gab es dennoch einige kritische Fragen, die sich mit der weiteren Verzögerung bei der Fertigstellung des „Neuen Stadthauses“ an der Bensberger Straße beschäftigten.
Vom 1. Dezember 2025 ist der Tag der Übergabe über den 15. September 2026 jetzt auf den 15. Oktober 2026 nach hinten gerutscht. Theresia Meinhardt, Co-Fraktionsvorsitzende der Grünen, hakte nach, ob dies nicht vorab hätte erkennbar sein müssen. Der verantwortliche Geschäftsbereichsleiter erinnerte an einen im Jahr 2025 vollzogenen Eigentümerwechsel der Immobilie, deswegen sei einiges an Abstimmungen zusätzlich dazugekommen.
Wünsche der Stadt
Das habe sich auch auf die Terminschiene ausgewirkt und den Übergabetermin nach hinten rutschen lassen. Stärker noch seien es Aspekte, die bei Abschluss des Mietvertrages im Jahr 2022 seitens der Stadt noch nicht absehbar gewesen seien. Sprenger erklärte es bildhaft mit einer weißen Wand. Diese habe die Stadt gemietet. Später sei aber bewusst geworden, dass die weiße Wand nicht ausreiche. Farbe müsse zusätzlich gekauft werden.
„Dann wird es auch teurer“, lenkte Sprenger den Blick zurück auf die Immobilie und nannte Barrierefreiheit und Blindenleitsystem. Sonderwünsche, die sich im Nachhinein ergeben hätten, müssten in die Bauabläufe integriert werden. Nach zweimaliger Verzögerung schauten die Ausschusspolitiker auch auf den jetzt genannten Termin der Übergabe. „Ich kann nicht in die Glaskugel schauen“, räumte David Sprenger ein.
Risiko gibt es immer
Ein „gewisses Risiko“ gebe es bei Projekten dieser Art immer. Die Stadt habe aber Einfluss auf die Dinge, sagte er den Politikern zu. Die Bürgerinnen und Bürger erwartet an der neuen Adresse eine Verwaltung modernster Art, und auch die Mitarbeitenden dürfen sich freuen: Rund 95 Prozent der einziehenden Bereiche arbeiten mit der Elektronischen Akte.
175 voll ausgestattete Arbeitsplätze sollen im Stadthaus entstehen bei einem Bedarf von 284 Mitarbeitenden. Eine „Sharingquote“ von 62 Prozent liegt den Planungen zugrunde. Aufgeteilt wird das Gebäude in ein Frontoffice für die Bürgerinnen und Bürger, in Großraumbüros, Kurzzeit-Arbeitsplätze (Stichwort Halbtagsjobs), Lounges, „Thinktanks“, Konferenzsäle und Besprechungsräume. Insgesamt gibt es 4500 Quadratmeter Bürofläche.
Die Alt-Immobilien an der Schnabelsmühle und am Konrad-Adenauer-Platz haben eine lange Geschichte. Der erste Büroteil diente ab Dezember 1953 als Kreishaus des Rheinisch-Bergischen Kreises, der zweite ab September 1955 als Finanzamt des Landes Nordrhein-Westfalen. Ihre Nachnutzung ist offen, Prüfungen des baulichen Zustands laufen.
Denkbar sind unter anderem die Einrichtung von Mikroappartements für Auszubildende und Studierende oder gewerbliche Nachnutzungen. Als die beiden Stadthäuser in den 1950er-Jahren fertiggestellt wurden, galten sie als stilbildend für die Nachkriegszeit. Die Historiker des Bergischen Geschichtsvereins Rhein-Berg setzen sich seit langem für ihren Erhalt ein.

