Bergisch Gladbach – Was haben Sie eigentlich für Ihre letzten Marken-Sneaker bezahlt? Der Arbeiter in der Fabrik hat jedenfalls gerade einmal 40 Cent pro Stück dafür bekommen. Dass Kleidung oft nicht zu fairen Konditionen hergestellt wird, wissen wir alle. Doch wie oft machen wir uns Gedanken darüber? Gerade jetzt zur Fußball-EM könnte das aber ein Anstoß sein. Denn woher kommen die Trikots, die Fußbälle und Fußballschuhe, die die Spieler tragen? Ist das arbeits- und menschenrechtlich vertretbar? Damit befasst sich die Wanderausstellung „Trikottausch“, die aktuell am Quirlsberg Stop macht.
Zwei Seiten der Produktion
„Trikottausch“ beschäftigt sich mit den zwei Seiten der internationalen Sportbekleidungsproduktion und ist sowohl in den Räumlichkeiten des Jugendzentrums Q1 zu sehen, als auch im „Quirl’s“-Biergarten integriert. Zu sehen sind dort mindestens bis zum 2. Juli Schautafeln und kleine Filme. Zum Ausprobieren gibt es Mitmachstationen. Bergisch Gladbach ist der einzige Ort in NRW, der „Trikottausch“ zeigt. Praktisch gewählt ist der Ausstellungsort allemal, denn im Quirl’s tummeln sich aktuell viele Fußballfans zu den Spielen.
Der Besucher der Ausstellung erfährt von Näherin Victoria aus Nicaragua, die zwar unzählige Trikots für die Mannschaften genäht hat, sich aber von ihrem Gehalt niemals ein Ticket fürs Stadion leisten könnte. Er erfährt vom Aralsee in Zentralasien, der vor 30 Jahren fünfmal so groß wie heute war. Das liegt an der Baumwollproduktion dort, denn auf ein Kilogramm Baumwollfasern kommen 25 000 Liter Wasser, die verbraucht werden.
Wanderausstellung für Schulklassen und Sportvereine geeignet
Besonders gut eigne sich die Ausstellung für Sportvereine, aber auch für Schulklassen, meinen die Organisatoren. „Sportvereine deshalb, weil der Trainer noch einmal eine andere Funktion für junge Menschen hat, als ein Lehrer, denn im Verein kann alles, muss aber nicht“, begründet Robert Wagner von „Faireinskultur“.
Die gemeinnützige Gesellschaft beschäftigt sich mit der Förderung von Fair Play im und durch Sport und hat die Wanderausstellung nach Bergisch Gladbach geholt. Aber auch Lehrer könnten ihre Schüler gut über das Thema Sport für soziale Themen sensibilisieren, ist sich Wagner sicher. Im Quirl’s ist zur Eröffnung am Samstagnachmittag viel an den Tischen los. Auf die Ausstellung jedoch sind bis dahin noch nicht viele Besucher aufmerksam geworden. Im hinteren Bereich allerdings befindet sich eine der Mitmachstationen. Uwe Dörnen betreibt dort den Fair-Play-Stand, der mit aufgeschnittenen Fußbällen bestückt ist. Sie alle sind sehr unterschiedlich in der Machart, ihre Gemeinsamkeit ist die Herstellungsart: unter fairen Bedingungen.
Nur knapp drei Prozent sind fair produzierte Bälle
„Es besteht ein Zusammenhang mit der Kinderarbeit. Wenn ein Ball nämlich auf diese Weise produziert wird, werden die Eltern besser bezahlt. Weil das Einkommen höher ist, sind die Kinder weniger gefährdet, selbst arbeiten zu müssen, haben die Chance auf Bildung durch den Besuch einer Schule“, erklärt Wagner den Kreislauf. Und dennoch gebe es nur knapp drei Prozent fair hergestellte Bällen. Zur Ansicht hat Dörnen auch das Werkzeug mitgebracht, womit die einzelnen Teile eines Fußballs zusammengefügt werden. Eines gleicht einem Messer, eine dicke Nadel mit Holzgriff und etwas Kordel. Es sieht nach harter Arbeit aus, die viel Kraft und Genauigkeit erfordert.
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Um Punkt 18 Uhr beginnt dann das Spiel Deutschland – Portugal. Der Biergarten des Quirl’s ist brechend voll fürs Public Viewing. Die Spieler auf den Bildschirmen verlassen alle im stylischen Mannschaftsdress den Tunnel, der Ball rollt zum Anpfiff über den Rasen. Und vielleicht sieht der eine oder andere, der sich zuvor mit der „Trikottausch“-Ausstellung beschäftigt hat, das Spiel an diesem Abend einmal mit ganz anderen Augen.


