Zahlreiche Kinder mit ihren Eltern zogen bei der „Kidical Mass“ auf dem Fahrrad durch Bergisch Gladbach.
Kidical MassDurch Bergisch Gladbach mit Luftballons und Boxhandschuhen

Mit bunten Luftballons und lautem Klingeln ging es für die Kinder mit ihren Eltern am Samstagmittag durch Bergisch Gladbach.
Copyright: Christoph Konkulewski
Mit bunten Luftballons an den Lenkern, lautem Klingeln und spürbarer Entschlossenheit zogen zahlreiche Kinder mit ihren Eltern am Samstagmittag durch Bergisch Gladbach. Die Fahrrad-Demonstration „Kidical Mass“ forderte kindgerechte Straßen und mehr Sicherheit auf den Schulwegen. Für einen Samstagmittag war die gewählte Route ambitioniert: Vom Startpunkt im Hermann-Löns-Viertel führte der Tross über die Hermann-Löns-Straße zum Tunnel, passierte den Marktplatz und die neu gestaltete Laurentiusstraße und fuhr über Odenthaler Straße, Hauptstraße, Schnabelsmühle sowie Mülheimer Straße zurück zum Ausgangsort.
Dass die Demonstration bewusst Hauptverkehrsachsen wählte, hatte programmatische Gründe. Wer auf infrastrukturelle Mängel und Gefahren aufmerksam machen will, kann dies nicht abseits auf verkehrsberuhigten Nebenstrecken tun. Die Realität des städtischen Verkehrsalltags zeigte sich prompt unterwegs: Die Polizei sicherte den Demonstrationszug ab, dennoch führten das normale Samstagsaufkommen, der parallele Abbau des Wochenmarktes und die bestehende Baustelle an der oberen Hauptstraße zu Engpässen. Mehrmals mussten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zur Seite rücken, um herannahenden Rettungswagen im Einsatz Platz zu machen. Zugleich fehlte es einzelnen Autofahrern an Geduld und Einsicht: Vereinzelt drängten sich Pkw trotz Polizeibegleitung mitten in den Zug der radelnden Familien.
Bereits bei der Auftaktkundgebung machten die Organisatorinnen deutlich, worum es ihnen ging. Jana Winkens eröffnete die Versammlung mit einer deutlichen Botschaft, untermalt von einem Paar roter Boxhandschuhe: „Wenn eine Stadt bei der Sicherheit unserer Kinder kürzt, statt aufzustocken, ziehen wir eben Handschuhe an – bildlich gesprochen.“ Sie betonte die Notwendigkeit von Tempo 30, Fahrrad- und Schulstraßen sowie ausreichenden Sichtachsen: „Wir kämpfen nicht gegen Menschen oder demonstrieren gegen Menschen, die Autos fahren. Wir demonstrieren für unsere Kinder und sichere Radwege. Deshalb müssen sich die Straßen an die Kinder anpassen, nicht umgekehrt.“

Jana Winkens (l.), Corvin Kochan, Melanie Baierl im Eisbärenkostüm sprachen bei der Demo in Bergisch Gladbach.
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Melanie Baierl, die im Eisbärkostüm teilnahm, verwies auf den ernsten Hintergrund der Aktion und kritisierte die jüngsten Einsparungen: „Ich bin ein bisschen geknickt, denn ich stehe heute hier schon wieder und habe schon wieder schlechte Nachrichten.“
Hintergrund sind Kürzungen im städtischen Mobilitätsmanagement und Verzögerungen beim Ausbau sicherer Schulzonen. Der stellvertretende Bürgermeister Corvin Kochhan sicherte Unterstützung zu und zitierte den Bürgermeister: „Nicht die Kinder sind das Problem im Verkehr, sondern die Kinder sind der Grund, warum wir unseren Verkehr in der Stadt ändern müssen.“
Vor dem Start gab Florian Schäfer von der Initiative praktische Verhaltensregeln durch, um die Sicherheit im laufenden Verkehr zu gewährleisten: „Ganz wichtig: Wenn Krankenwagen oder Polizei mit Blaulicht kommen, müssen wir Platz machen. Die Straßen sind nicht komplett gesperrt, das heißt immer schön rechts auf den Spuren bleiben.“ Die Kidical Mass verdeutlichte einmal mehr: Der Ausgleich zwischen alltäglichem Verkehr und dem Schutz junger Verkehrsteilnehmer bleibt nicht nur in Bergisch Gladbach eine zentrale verkehrspolitische Aufgabe.