Elf Treckerfreunde kümmern sich in Olpe um alte Schätzchen, die längst im Ruhestand sind.
TreckerfreundeEin Verein für die „Unkaputtbaren“ in Olpe

Die Treckerfreunde lieben ihre historischen Schätze, die ältesten Traktoren stammen aus den 1950ern.
Copyright: Claus Boelen-Theile
Das muss Liebe auf den ersten Blick gewesen sein. Es hat wie ein Blitz eingeschlagen, als Sascha Miebach den Traktor zum ersten Mal sah. Da stand er auf dem Schrottplatz und sollte eigentlich sein Leben aushauchen. Miebach rettete das historische Stück, schraubte zwei Jahre dran und irgendwann brachte er den Traktor ans Fahren. „Ja, jeder Trecker hat seine Geschichte“, sagt Miebach, erster Vorsitzender der frisch gegründeten Treckerfreunde Olpe aus Kürten. Auf dem kleinen Platz bei Dörrenbach nahe Olpe stehen sie alle, grün- oder rotlackiert, von den legendären Herstellern Deutz oder Fahr in den 1950ern und 1960ern ausgeliefert.

Sascha Miebach beim Ankurbeln des Motors.
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Robuste Trecker sind es, gestählt durch jahrelange Arbeit auf den Äckern und Feldern. Jetzt sind sie im Ruhestand und werden mehr geliebt denn je. Miebach hat sogar ein originales Ölkännchen aufgestöbert. Er schraubt an einer Halterung, die Motorklappe schwingt federnd zurück und gibt den Blick auf dieses besondere Utensil frei. „Das war nicht mehr dabei, als ich den Traktor bekommen habe. Aber ich habe anderswo eines aufgetrieben.“ Die muntere Truppe besteht aus elf Mitgliedern. Man kennt sich, man schätzt sich. Das Hobby vereint. „Das ist coole Entschleunigung“, findet Guido Kötter, auch einer der Treckerfreunde. Die ältesten Trecker haben elf oder zwölf Pferdestärken, ganz so schnell geht es damit nicht über die Feldwege oder Gemeindestraßen. Das will aber auch niemand. „Die Entdeckung der Langsamkeit“, angelehnt an einen Romantitel, ist das, was die Treckerfreunde mögen. Auf gar keinen Fall Geschwindigkeit aufnehmen, das ist das Wichtigste.

Ein Trecker der Marke Deutz, Baujahr 1954.
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Die Mitglieder denken an das, was einen Treckerclub ausmacht: Ausfahrten, gemeinsam durchs Bergische rollen, sich von den anderen Verkehrsteilnehmern ein bisschen feiern lassen. „Hier gibt es ja ein paar Klubs in der Nachbarschaft“, weiß Sascha Miebach, in Radevormwald die Schlepperbande, in Wipperfürth-Erlen die Einzylinder. Wer zunächst denkt, dass dies ein exotisches Hobby ist, wird eines Besseren belehrt. „Ein Treffen am Wochenende? Nein, da gibt es sicher 20“, erklärt Sascha Miebach. Er ist stolz auf seinen Trecker, ebenso wie die übrigen im Verein. Freundlich stellen sich die Mitglieder zum Gruppenbild an die Landmaschinen. Einige Trecker haben Familientradition, sind vom Großvater an den Vater an den Enkel gekommen. Weggeben? Das ist etwas, was sich keiner der Treckerfreunde vorstellen kann.

Viel Zeit investieren die Mitglieder in ihr Hobby.
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Einige Nummern kleiner als die heutigen Maschinen sehen die Gefährte aus, schnuckelig wirken sie. Dass sie vor gar nicht langer Zeit die Feldarbeit schulterten, mag man sich kaum vorstellen. Läuft er denn auch? Sascha Miebach hat eine Kurbel dabei. Diese Methode hat schon die allerersten Automobile ans Rollen gebracht. Der Vorsitzende setzt das Teil vorne ein. Dann ist Handarbeit erforderlich. Schnell dreht Miebach den Anlasser, doch zunächst geht der Motor nach einigen Töf-Töfs wieder aus. Beim zweiten Versuch hat der Trecker verstanden, was Sache ist und springt munter an. Alle Trecker, sagt Miebach, haben eine Gemeinsamkeit: „Sie sind unkaputtbar.“ Richtige Wertarbeit aus früheren Jahrzehnten vereint die historischen Schlepper. „Traktoren, Trecker, Schlepper, das ist ja ein Begriff“, sagt Miebach.
Dass die Mitglieder auch noch Experten der Firmengeschichten sind versteht sich von selbst. Die Marke Fahr sei ja von Deutz übernommen worden. Deutz-Fahr habe es dann geheißen. Der Verein ist erst ein paar Wochen alt. Erstmal schauen, was passiert, sagt Miebach. Die Aktivitäten müssten sich dann später mal ergeben. Er denkt an Einladungen an andere Treckervereine, dann wäre Olpe der Mittelpunkt der bergischen Treckerwelt. Warum eigentlich Olpe? Da sind sich die Mitglieder schnell einig. Hinter jedem Gartenzaun stehe hier tatsächlich noch ein alter Trecker. Es ist die landwirtschaftliche Vergangenheit, die sie alle im Dorf verbindet. Viele kennen einander aus anderen Vereinen in Olpe, aus dem Musikverein, aus den Chören oder der Kirche. Die Trecker verbinden jetzt ebenfalls.