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Überfall in Ex-BordellOpfer von Bergisch Gladbach nennt Räuber „supernett“

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Angeklagte und Verteidiger stehen vor dem Kölner Landgericht.

Gladbacher Ex-Bordell-Raubüberfall vor Gericht: Verteidigerin Anne Kieven (l.) mit dem 50-jährigen Angeklagten (bitte Pixeln) und Verteidiger Jos-Henrik Sonntag mit dem 38-jährigen Angeklagten (r.).

Bei einem Raub in Bergisch Gladbach lobt die 81-jährige Zeugin die „sanfte“ Behandlung durch die Täter, die Luxusartikel stahlen.

Nicht selten leiden Raubopfer nach einem Überfall an Schlaf- oder Angststörungen, reagieren auf plötzliche Geräusche panisch, oder brauchen, wegen einer Traumatisierung, eine entsprechende Therapie.

Nicht so eine 81 Jahre alte Frau, die im Februar in ihrem Haus in Bergisch Gladbach von zwei Männern überfallen und ausgeraubt worden war. Sie zeigte sich eher begeistert von der Sanftheit der beiden Räuber, die sie im wesentlichen gut behandelt hätten — bis auf natürlich, dass sie ihr teure Handtaschen, Uhren und ihren Mercedes Benz geraubt hatten.

Ich dachte direkt, der ist Kampfsportler. Der hat mich gepackt, gelegt, gedreht, gefesselt — sehr elastisch, das alles.
81-jähriges Überfallopfer vor Gericht

Sie erinnere sich gut an den Überfall, stieg die 81-Jährige in die Zeugenbefragung ein. Am Tattag, 14. Februar, sei sie gegen 17.15 Uhr von einem Einkauf zurückgekehrt, als es auch schon an der Tür geklingelt habe. Sie habe geöffnet und ein Mann, der eine Kapuze getragen und mit einem Schal sein Gesicht verdeckt habe, habe sie gefragt, ob es noch Massagen gebe — in dem Haus wurde jahrelang ein Privatbordell betrieben.

„Ja klar, habe ich erfreut erwidert“, sagte die Zeugin. Sie habe ihn hereingebeten und schon habe er sie „zu Boden gelegt. Nicht geschmissen“, betonte sie. Und weiter: „Ich dachte direkt, der ist Kampfsportler. Der hat mich gepackt, gelegt, gedreht, gefesselt — sehr elastisch, das alles.“ Anschließend habe der Mann sie wieder sanft hochgehoben und sie „sehr vorsichtig“ auf einen Stuhl gesetzt. Dort habe sie dann gesessen, mit gefesselten Händen und zugeklebten Augen, während der Räuber seinen Komplizen an der Haustür hineingerufen habe.

Täter hatten es auf Geld und Schmuck im ehemaligen Bordell abgesehen

Der Täter, der sie überwältigt habe, sei zwischendurch immer wieder zu ihr gekommen und habe gefragt: „Wo ist Geld? Wo ist Schmuck?“, wobei er einen gekünstelten osteuropäischen Akzent nachgeahmt habe, obwohl er beim Einlass noch akzentfrei Deutsch gesprochen habe. Sie habe ihm aber geantwortet: „Ich hab’ nix“, woraufhin er gedroht habe, ihren Hund zu töten.

„Da habe ich gesagt: ‚Dann musst Du das machen.‘ Da war der geschockt, und ich hab’ gedacht: Der ist tierlieb“, sagte die 81-Jährige lachend über den 50-Jährigen. Später dann habe er sie auch noch gefragt, ob sie Medikamente brauche: „Super nett“, wie die Zeugin fand. Und weiter: „Da standen Nahrungsergänzungsmittel auf dem Tisch, die er wohl für Tabletten hielt. Der dachte wohl, dass ich todkrank bin“, erzählte die 81-Jährige amüsiert. Rund eine Stunde seien die Männer in ihrem Haus gewesen: „Ich hab’ abgeschaltet. Ich hab’ gedacht: Was sollst Du auch machen?“

Räuber erbeuteten Uhren, Handtaschen und Mercedes Benz

Als Beute nahmen die Täter diverse Uhren von Rolex, Piaget, Chopard und Breitling sowie mehrere hochwertige Handtaschen von Chanel, Dior, Maison Ernest und Louis Vuitton mit — laut Anklage alles zusammen im Wert von mehr als 50.000 Euro. Zudem sollen die Täter noch ein Tafelsilber und ein silbernes Kaffeeservice sowie Bargeld und den Mercedes Benz aus der Garage — den die Täter drei Tage später in Brand steckten — geraubt haben.

Laut Anklage soll der 50-Jährige, nachdem er die EC-Karten der Frau gefunden hatte, die PIN verlangt haben und gedroht haben: „Ich hau’ Dir auf die Fresse.“ Daran konnte die Zeugin sich aber nicht erinnern. Die Täter seien eher „respektvoll“ gewesen, betonte die Zeugin.

Geschockt sei sie erst hinterher gewesen, als sie erfahren habe, dass einer der Täter der 38-Jährige sei, der jahrelang „ein guter, regelmäßiger und gern gesehener Kunde“ in ihrem Etablissement gewesen sei: „Da hab’ ich geheult“, sagte die Zeugin.

Der Prozess wird fortgesetzt.