In Refrath gibt es seit drei Monaten das „Café Wirbelwind“, das nicht nur Erwachsenen Spaß macht.
GastronomieEx-Kauffrau schafft mit Eltern-Kind-Café ein neues Angebot

Jasmin Tronnier betreibt seit drei Monaten das Café Wirbelwind in Refrath.
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Die Schuhe bleiben an der Tür. Wer den Laden betritt, steht erst einmal auf Socken da – für Erwachsene in einem Café ein ungewohntes Gefühl. Dann kommt die nächste Hürde: die Kindersicherung am Eingang. Nicht wenige Erwachsene scheitern beim ersten Versuch daran. Jasmin Tronnier oder eine der Angestellten eilt dann zur Tür, löst die Sicherung und öffnet das Kinderschutzgitter. Spätestens jetzt wird klar: Ihr Laden „Café Wirbelwind“ in Refrath ist kein gewöhnliches Café, sondern ein Eltern-Kind-Café.
Wer die Welt der Zeitungskolumnen über Eltern-Kind-Cafés durchstöbert, findet unterschiedliche Beschreibungen: Für die einen sind sie Ruheoasen, für andere die reinste Hölle. Mal gelten sie als Treffpunkt für High-Performer-Eltern, mal als Rückzugsort für Familien.
Wachsender Trend zu beobachten
Eltern-Kind-Cafés sind bislang eher ein städtisches Phänomen. Wie viele es inzwischen in NRW gibt und wie stark ihre Zahl in den vergangenen Jahren gestiegen ist, wird nicht erfasst. Sicher ist aber: Das Konzept spricht eine Nische an. Thorsten Hellwig, Pressesprecher des DEHOGA NRW, bezeichnet Eltern-Kind-Cafés als „Gewinn für die bunte, vielfältige Gastronomie“. In Refrath hat Jasmin Tronnier ihren eigenen Weg gefunden, diese Nische zu füllen. Sie ist nicht nur Mutter von zwei Kindern, sondern auch gelernte Gastronomin. Der Laden, in dem einst ein Matratzengeschäft war, ist heute kaum wiederzuerkennen. Eher zufällig ist sie auf die Räume gestoßen. Seit drei Monaten betreibt sie hier ihr Café.
Sie hat damit einen Ort geschaffen, den sie selbst lange gesucht hat. Gemeinsam mit ihrem Mann war sie früher häufig selbst in Eltern-Kind-Cafés in Düsseldorf und Burscheid. „Das, was ich an Eltern-Kind-Cafés am schönsten fand, habe ich hier vereint“, sagt sie.

Ein kleines Spielparadies für die Kinder - ein Rückzugsort und manchmal auch Kita-Ausweichplatz für Eltern ist das Café Wirbelwind.
Copyright: Nina Dreßler
Tronnier hat mit 16 Jahren eine Ausbildung zur Fachfrau für Systemgastronomie begonnen und später den Weg in einen kaufmännischen Beruf eingeschlagen. Auch wenn es zunächst ungewöhnlich klingen mag: Für sie ist die Gastronomie heute trotz ihrer Selbstständigkeit familienfreundlicher und besser mit ihren Kindern vereinbar als ihr früherer Beruf. Damals musste sie ihre Kinder sogar mit ins Büro nehmen, wenn die Kita ausfiel – eine Lösung, die für sie alles andere als ideal war. Für sie wurde es zusätzlich schwieriger, als Unternehmen ihre Homeoffice-Regelungen wieder zurückfuhren. Heute hat die 33-Jährige dieses Problem nicht mehr: „Ich habe ein Spielecafé.“
Als gelernte Gastronomin legt sie großen Wert auf guten Service. Bewusst hat sie nur eine kleine Karte. Gute Qualität und frische Speisen seien ihr wichtiger als eine große Auswahl. Gleichzeitig möchte sie die Preise bezahlbar halten, weil genau das bei Angeboten für Familien ihrer Meinung nach immer seltener werde.
Babyccino gefällig?
Ein Caffè crema kostet bei ihr 2,50 Euro, ein Cappuccino 3,50 Euro und damit genauso viel wie eine große Flasche Wasser mit 0,75 Litern. Auf der Karte stehen aber auch Dinge, die man in anderen Refrather Cafés selten findet: Babyccinos zum Beispiel – aufgeschäumte Milch für Kinder. Das persönliche Highlight von Tronnier sind ihre Waffeln mit Zucker. Gleichzeitig merke sie, dass Eltern immer häufiger nach zuckerfreien Alternativen für ihre Kinder fragen.
Für die Kinder gibt es im Café einiges zu entdecken. Besonders beliebt sind ein Rettungswagen, ein Feuerwehrauto und die Rutsche. Außerdem gibt es einen eigenen Baby- und Stillbereich. Für Kinder kostet der Eintritt 7,50 Euro für zwei Stunden. Insgesamt gibt es nur sieben Tische. Das ist Absicht. Der Laden soll nicht so voll werden wie manch andere Spielecafés in der Metropolregion. Eltern und Kinder sollen hier gleichermaßen entspannen können.

Unter den kleinen Besuchern sorgt unter anderem ein Feuerwehrauto für viel Begeisterung.
Copyright: Nina Dreßler
Auch ist ihr wichtig, dass Eltern im Café arbeiten können, wenn die Kita ausfällt. Während die Kinder spielen, könnten die Eltern am Tisch den Laptop aufklappen. Das Angebot von Tronnier spricht inzwischen Familien aus der ganzen Region an. Gäste kommen nicht nur aus Gladbach und Kürten, sondern auch aus Köln und Leverkusen nach Refrath.
Eine von ihnen ist Stammkundin Martina Chindamo. Drei Wochen nach der Eröffnung entdeckte sie das Café über Google. Mit anderen Eltern-Kind-Cafés habe sie zuvor weniger gute Erfahrungen gemacht. Jetzt nimmt sie regelmäßig eine halbe Stunde Fahrt aus Leverkusen auf sich. Besonders gefällt ihr, dass sie ihr Kind von jedem Sitzplatz aus sehen kann. Gegenüber einem Spielplatz habe das Café für sie noch weitere Vorteile: Es sei sauber, überdacht und nicht zu vergessen: klimatisiert. „Dieser Laden hat unseren Sommer gerettet“, schwärmt Chindamo. Auch der Kontakt zu anderen Müttern ist ihr wichtig. Im Café fühle sie sich weniger isoliert als auf einem Spielplatz. Ihr Partner sei ebenfalls begeistert.
Reservierung ist notwendig
Dass Tronniers Konzept längst kein Geheimtipp mehr ist, hört man an diesem Tag immer wieder. Ihr Telefon klingelt ständig. Gäste wollen reservieren. Inzwischen bittet sie darum, vorher einen Tisch zu buchen und nicht spontan vorbeizukommen.
Einen Wunsch hat Tronnier trotzdem: Sie würde gerne mehr Väter in ihrem Café begrüßen. Auch Großeltern seien willkommen. Eigentlich jeder. Nur eine Voraussetzung gibt es: Mit Kinderlärm muss man klarkommen.
Das Café Wirbelwind befindet sich in der Dolmanstraße 55 in Bergisch Gladbach und hat montags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Mittwochs ist das Café geschlossen.