Bergisch Gladbach – „Der Wolf macht Schule“ – unter diesem Titel macht die Wanderausstellung des Naturschutzbundes (Nabu) zur Rückkehr des Wolfes in den Wäldern in NRW auch in Bergisch Gladbach halt. Die Thematik könnte im Kreis nicht aktueller sein, denn im August wurde offiziell das Wolfsgebiet „Oberbergisches Land“ ausgewiesen. Das Gebiet umfasst mit einer Pufferzone auch die Stadt Bergisch Gladbach.
In Zusammenarbeit mit der Einrichtung „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ (BNE) hat die Ausstellung gestern im Steinhaus ihre Türen geöffnet und nimmt die Besucher ab sofort mit in die faszinierende Welt der Wölfe und deren Reise zurück in die nordrhein-westfälischen Wälder. „Für uns ist die Wiederkehr des Wolfes ein positives Zeichen, er gehört zum Ökosystem Wald. Gerade jetzt, wo es dem Wald nicht gut geht, kann er einen wichtigen Beitrag dazu leisten, wieder ein ökologisches Gleichgewicht zwischen Wald und Wild herzustellen“, sagt Kay Boenig, Leiter des Regionalforstamtes.
Dass die Wanderausstellung des Nabu NRW nun in Bergisch Gladbach Halt macht, freut auch Martin Barth, Waldpädagoge des Steinhauses, ganz besonders. Für ihn uns seinen Kollegen Dirk Schroeder sei der Wolf ein Paradebeispiel für die Bildung nachhaltiger Entwicklung, da sie ökologische, ökonomische und soziale Aspekte vermischen.
Rückkehr des Wolfes im Bergischen Land
Intention der Ausstellung ist vor allem die Akzeptanz des Wolfes in der Bevölkerung. „Die Meinungen gehen tatsächlich auseinander, auch hier in der Gegend wird kontrovers diskutiert, wenn es um den Wolf geht“, erzählt Martin Barth, dessen Telefon nach Bekanntwerden der Rückkehr des Wolfes im Bergischen Land nicht mehr stillstand. Viele seien unsicher, wie sie sich in Bezug auf den Wolf nun in den Wäldern verhalten sollten.
„Dabei ist es sehr unwahrscheinlich, dass man tatsächlich einem Wolf über den Weg läuft. Da ist es hier in den Wäldern deutlich wahrscheinlicher, einem Wildschwein gegenüberzustehen“, meint Barth. Im Steinhaus können sich die Menschen nun ausführlich über den Wolf informieren. Es sei wichtig, das Bild des bösen Wolfes aus den Märchen geradezurücken.
Wolfsgebiet „Oberbergisches Land“
Am 20. August wurde das Wolfsgebiet „Oberbergisches Land“ durch das Landesumweltministerium ausgewiesen. Ausschlaggebend für die Ausweisung ist der Nachweis eines Wolfsrudels. Dieses war in Eitrof im Rhein-Sieg-Kreis nachgewiesen worden. Gleich mehrere Welpen waren in Videofallen getappt und gefilmt worden. Zur sogenannten Pufferzone des Wolfsgebiets „Oberbergisches Land“, das 754 Quadratkilometer umfasst, zählen auch Bergisch Gladbach, Kürten, Overath und Rösrath.
Ein Wolfsgebiet wird inklusive Pufferzone extra großzügig ausgewiesen, um Haltern von Nutztieren finanzielle Unterstützung bei der Anschaffung von Schutzmaterial für ihre Herde zu ermöglichen. Der erste Wolf im Bergischen wurde 2016 übrigens in Rhein-Berg nachgewiesen. (lth)
Seit dreieinhalb Jahren ist die Wanderausstellung mittlerweile unterwegs und hat seitdem zahlreiche Besucher erreicht. Vor anderthalb Jahren wurde die Ausstellung zuletzt aktualisiert. „Momentan ist allerdings so viel in Bewegung, dass es schwer ist, immer auf dem aktuellsten Stand zu sein. Jedes Jahr kommen neue Wolfszahlen hinzu“, erklärt Dennis Brockmann vom Nabu, der das Projekt „Der Wolf macht Schule“ entwickelt hat und die Ausstellung betreut.
Der Fährte des Wolfes auf dem Boden folgend, können sich die Ausstellungsbesucher auf die Reise begeben und auch selbst aktiv werden. Neben einem ausführlichen Steckbrief mit vielen interessanten Fakten über den Wolf, können sie die ausgewiesenen Wolfsgebiete kennenlernen und erfahren auch, wie die DNA eines Wolfes über dessen Kot nachgewiesen werden kann. Informiert wird zudem über mögliche Maßnahmen des Herdenschutzes. „Vor allem Landwirte machen sich Sorgen um ihre Schafe.

Wie unterschiedet sich der Pfotenabdruck eines Wolfes von dem eines Hundes? Das erfahren die Besucher in der Wolfsausstellung.
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Deswegen geben wir Tipps, welche Maßnahmen sie ergreifen können, um ihre Tiere zu schützen, beispielsweise durch einen speziellen Zaun oder Herdenschutzhunde“, erklärt Brockmann. Denn was viele nicht wissen: Ist ein Gebiet als Wolfsgebiet ausgewiesen, können für entsprechende Herdenschutzmaßnahmen Landesfördermittel beantragt werden.
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Bis zum 4. Oktober ist die Ausstellung im Steinhaus zu Gast und donnerstags bis sonntags von 11 bis 17 Uhr geöffnet. Unter der Woche wird sie nach Absprache vormittags für Schulklassen geöffnet. Aufgrund der Pandemie ist die Besucherzahl auf zwölf begrenzt. Es muss ein Mund-Nasen-Schutzes getragen werden. Der Eintritt ist frei.


