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Überfall auf BordellbesitzerinGericht verurteilt Angeklagte zu mehrjährigen Haftstrafen

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Eine Justitia aus Bronze mit verbundenen Augen hält zwei Waagschalen gegen einen blauen Himmel.

Mit mehrjährigen Haftstrafen endete der Prozess vor dem Kölner Landgericht.

Geständnis und Nennung des Komplizen, der als Drahtzieher des Überfalls in Bergisch Gladbach gesehen wurde,  wurden strafmildernd bewertet.

Weil sie im Februar eine damals 80 Jahre alte Frau, die in einem abgelegenen Haus in Bergisch Gladbach lebt und dort ein Privatbordell betreibt, überfallen und ausgeraubt hatten, hat das Kölner Landgericht am Freitag zwei Männer (38 und 50 Jahre alt) schuldig gesprochen. Der 38-Jährige, aus Sicht der 2. Großen Strafkammer Drahtzieher des Coups, muss demnach für sechseinhalb Jahre ins Gefängnis. Sein 50 Jahre alter Komplize kam mit fünf Jahren Haft davon.

Hintergrund waren dessen frühes Geständnis sowie die Nennung seines Komplizen und späteren Mitangeklagten gegenüber der Polizei: „Sie haben hier Aufklärungshilfe geleistet. Wir meinen, damit haben Sie sich eine Strafmilderung verdient“, so der vorsitzende Richter.

Einer der Angeklagten war Stammkunde des Etablissements

Laut den Feststellungen der 2. Großen Strafkammer hatte der 50-Jährige am 14. Februar bei der Dame geklingelt, sich als Kunde ausgegeben und nach einer Massage gefragt. Als die inzwischen 81-Jährige ihn hereinbat, überwältigte er die Frau, brachte sie zu Boden, fesselte sie mit Klebeband und setzte sie auf einen Sessel. Anschließend rief er den 38-Jährigen, der zunächst draußen gewartet hatte, weil er rund 20 Jahre lang regelmäßiger Kunde und bestens bekannt war in dem Etablissement.

Ziel des 38-Jährigen, der nach einer Insolvenz mit seiner Firma bis heute hochverschuldet ist, waren die Einnahmen des Etablissements. Doch außer 5000 Schweizer Franken und rund 2000 Euro war kein Bargeld zu finden. Stattdessen erbeuteten die beiden Räuber Silberbesteck, -geschirr, wertvolle Designer-Handtaschen sowie Luxusuhren.

Das Duo steckte das gestohlene Fluchtauto im Königsforst in Brand

Zudem flüchteten die Täter im Mercedes-Benz SLK der 81-Jährigen, den sie zwei Tage später im Königsforst in Brand steckten, weshalb beide Angeklagte auch wegen schwerer Brandstiftung schuldig gesprochen wurden. Ursprünglich wollten sie den Pkw verkaufen, wegen seiner auffälligen hellblauen Lackierung entschieden sie sich aber dagegen.

Das Opfer hatte die Tat bemerkenswert sportlich genommen. Bei ihrer Zeugenaussage sprach die Frau von einem „sanften“ Vorgehen der Täter. Sie sei „galant“ und „elastisch“ zu Boden gebracht worden; während sie gefesselt auf dem Stuhl gesessen habe, habe der 50-Jährige sich um ihr Wohlergehen gesorgt und immer wieder gefragt, ob sie Medikamente brauche: „Super nett“, wie die Zeugin fand.

Das 81 Jahre alte Opfer nahm die Entschuldigungen an

Geschockt gewesen sei sie dann erst, als sie erfahren habe, dass der 38-Jährige, „ein guter, gerngesehener Kunde“, an der Tat beteiligt war: „Da hab’ ich geheult“, hatte die 81-Jährige ausgesagt, die die von den Angeklagten ausgesprochenen Entschuldigungen angenommen hatte.

Neben den Haftstrafen ordnete das Gericht die Einziehung von 33.205 Euro an — dem geschätzten Gegenwert der Beute. Gegen den 38-Jährigen, der bis zu seiner Festnahme große Mengen Kokain sowie Ketamin und Cannabis konsumierte, ordnete das Gericht noch eine Maßregel in einer Entziehungsanstalt an. Nach zwei Jahren und vier Monaten Haft soll die mindestens zweijährige Therapie beginnen.