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Piepmatzsuche in Bergisch GladbachDer Star wird vom Nachwuchs verfolgt

4 min

Der Star weist nach der Mauser weiße Punkte auf der Brust auf.

Bergisch Gladbach – Seien wir doch mal ehrlich: Die Zeit der echten Stars ist vorbei. Marlene Dietrich, Marilyn Monroe – das waren Sterne! Dagegen heute: statt Brillant Billigtand, Gören statt Diven, Flitter und Flittchen statt flammende Fanale am hohen Firmament.

Der Star, der heute Celebrity heißt, muss uns so ähnlich wie möglich sein, damit wir Nobodys uns problemlos mit ihm identifizieren können. Eine Aura der Erhabenheit ist da unerwünscht.

Der Star unter den Vögeln

Schade. Wie man Klasse mit Masse vereinbart, zeigt der quirlige Namensvetter der Film- und Fernsehidole – Sturnus vulgaris: der gewöhnliche Star. Auch ihn zieht es zum Televisionären. Die gute alte Fernsehantenne auf dem Dach war sein beliebtester Sitzplatz. Eine Rampe eben, und doch zugleich eine Sitzstange für viele: Das drängelte sich und schubste sich und schwirrte und flatterte hin und her, bis mal jeder neben seinem Kumpel saß und die ganze Federtraube Platz hatte, dass man Angst bekam, die ganze Empfangsanlage würde abbrechen.

Heute sind diese Dachgestänge selten geworden, ebenso wie Telefondrähte, und der Star fällt nicht mehr so ins Auge. Aber er verschafft sich Gehör. Wie ein Baum im Frühjahr vor Insekten brummen und summen kann, so zirpt und gluckert und schnurrt er uns im Herbst an, wenn die Blätter eine Tausendschaft Stare verbergen, die durcheinander schwatzen.

Ein funkelndes Federkleid wird farbenfroh

In der Brutzeit tritt der Star nicht in der Masse, sondern verteilt auf, wie es das Angebot an Bruthöhlen zulässt. Dafür legt er sich dann sein sogenanntes Prunkkleid zu, um immer noch gebührend zur Geltung zu kommen. Während bei unsereinem die Festtagskleidung beim Tragen und Verschleißen schäbig wird, ist es bei Starens andersrum: Nach der Mauser trägt der Vogel ein eher unauffälliges schwärzliches Schlichtkleid mit hellen Punkten, die aus den weißen bis beigefarbenen Federspitzen bestehen.

Erst durch Abnutzung der Spitzen wird der Star zu dem metallisch funkelnden Edelstein, der im Sonnenlicht durch alle Farbtöne des Regenbogens schillert wie ein Tropfen Benzin auf einer Regenpfütze – von Blau und Violett über Purpur, Kupfer und Bronze bis Grün.

Nicht, als wenn der Starenhahn, der manchmal in Vielehe bis zu drei oder vier Frauen beglückt – jede mit eigener Bruthöhle und Brut, versteht sich – nicht wüsste, wie er aussieht. Er schwirrt mit den Flügeln und dreht sich auf seiner Sängerwarte in der Nähe des Nestes, plustert sich auf und nimmt den Hals richtig voll: Die Kehle bläht sich, und dann kommen gar merkwürdige Geräusche hervor.

Ein talentierter Stimmenimitator

Der Star ist ein Stimmakrobat, der jeden Vogel nachahmen und sogar sprechen lernen kann, aber seine Vorstellungen von Gesang decken sich nicht mit unseren: Er knarzt und raschelt, räuspert sich und quiekt und legt dazwischen eine prachtvolle Amsel-Imitation hin, inbrünstig geflötet, um dann abrupt abzubrechen und wie ein Hühnerhahn zu krähen.

Der Name Star, althochdeutsch Staron, verwandt mit dem gleichbedeutenden lateinischen Sturnus, hat übrigens nicht mit dem sternähnlichen Gefunkel des Gefieders zu tun, sondern soll wie bei vielen Vögeln lautmalerischen Ursprungs sein: Die Altvorderen haben sein Schwatzen also als „strrr strrr strrr“ verstanden.

Die Brut lässt den Eltern keine Ruhe

Die Gelege werden im April angelegt. Um diese Zeit, Ende Mai bis Mitte Juni werden die Jungvögel flügge, und wie bei Menschen wird es jetzt für Papa und Mama Star richtig anstrengend: Auf Schritt und Tritt ist die gefräßige Brut hinter ihnen her und reißt fordernd den Schnabel auf. Da eilt der Altvogel geschäftig über den Rasen, in etwas pinguinähnlichem Seemannsgang, aber flotter.

Verfolgt auf Schritt und Tritt vom plärrenden Nachwuchs, den Blick fest auf den Boden geheftet, alle paar Schritte innehaltend, den Kopf in die Flur rammend, um Gewürm zu harpunieren. Um dann sofort herumzufahren und die Beute in den Rachen des unerbittlichen Verfolgers zu stopfen, der nur eine Sekunde verharrt, um zu schlucken, und dann die Verfolgungsjagd gnadenlos fortsetzt.

Der Birdwatcher, obwohl durch das Schauspiel amüsiert, kann nicht umhin, den Altvogel zu bedauern und Parallelen zu menschlichen Lebenssituationen zu ziehen (wann sind Kinder teurer als in dem Moment, in dem sie ausziehen?).

Die Küken müssen schnell lernen für sich selbst zu sorgen

Doch Vorsicht: Die Vögel handeln aus nicht aus Pflichtgefühl, Liebe, Verantwortungsbewusstsein oder auch nur, weil sie sich genötigt fühlen würden. Sie handeln nach einem fest verankerten Programm. Der Altvogel würde das Futtersuchen für den Jung-Piepmatz sofort einstellen, wenn dieser nicht so auf die Tube drücken und betteln würde.

Wenn der sich artig auf den Zaun hockt und wartet, dass Mama irgendwann das Essen serviert, kann er lange warten. Wenn er das Nest verlassen hat, schaltet er Mamas Pizzalieferservice ab. Und wenn er die Bettel-Hetzjagd einstellt, heißt das für Papa: „Mission abgeschlossen! Für dieses Jahr haben wir die Brut durch.“