Überraschende NachrichtRhein-Bergs Abgeordneter Tebroke tritt nicht zur Bundestagswahl an

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Dr. Hermann-Josef Teroke mit Ehefrau Sabine nach seiner Wiederwahl in den Deutschen Bundestag.

Das war im September 2021: Dr. Hermann-Josef Teroke mit Ehefrau Sabine nach seiner Wiederwahl in den Deutschen Bundestag.

Der CDU-Mann hat seit 20 Jahren seine Heimat mitgestaltet. Aus persönlichen Gründen zieht er sich aus der Politik zurück. 

Das ist ein Nachricht, die viele in Rhein-Berg und insbesondere die Mitglieder der CDU überraschen wird: Dr. Hermann-Josef Tebroke (60, CDU), direkt gewählter Bundestagsabgeordneter für den Rheinisch-Bergischen Kreis, tritt bei der nächsten Bundestagswahl im Herbst 2025 nicht erneut an. Damit ist ab sofort ist das Politikerkarussell bei der CDU eröffnet, die Diadochenkämpfe um die Kandidatur beginnen.

In einer persönlichen Stellungnahme, datiert auf diesen Samstag und zur Mittagszeit von CDU-Kreisgeschäftsführer Lennart Höring per E-Mail bekannt gegeben, teilt Tebroke seinen Rückzug im kommenden Jahr mit.  Tebroke hatte bei den Bundestagswahlen 2017 und 2021 mit relativ großem Vorsprung das Mandat geholt und die Nachfolge des populären Wolfgang Bosbach (CDU) angetreten. Tebroke ist auch Kreisvorsitzender der CDU im Rheinisch-Bergischen Kreis.

Vor seiner Wahl in den Deutschen Bundestag war Tebroke direkt gewählter Landrat im Rheinisch-Bergischen Kreis (2012 bis 2017) sowie Bürgermeister in seinem Wohnort Lindlar/Oberbergischer Kreis (2004 bis 2011). Davor lehrte er als Professor an der Universität Bayreuth Betriebswirtschaftslehre, Finanzwirtschaft und Bankbetriebslehre. Tebroke stammt gebürtig aus Rhede in Westfalen, aufgewachsen ist er in Bocholt.

Raum für neue Ideen

Es seien „grundsätzliche Überlegungen“, die ihn zu der Entscheidung gebracht hätten, schreibt Tebroke in seiner persönlichen Stellungnahme, datiert auf diesen Samstag. Ämter in der Politik seien auf Zeit vergeben, und ein regelmäßiger Wechsel gewährleiste, „dass sich Strukturen nicht verfestigen und es Raum für neue Ideen und Perspektiven“ gibt. Aber auch persönliche Gründe gebe es. In diesem Jahr sei er 60 Jahre alt geworden (am 19. Januar). Grund für ihn, Neues anzugehen: „Ich möchte mich nach vielen wertvollen Jahren in der Politik anderen Aufgaben widmen.“ Konkreter wird Tebroke nicht.

Mit dieser Entscheidung gebe er der CDU Rhein-Berg auch Zeit, rechtzeitig einen Nachfolger, eine Nachfolgerin zu finden. Die Nominierung soll am 22. November auf einem Kreisparteitag vorgenommen werden. Auch Tebroke hätte das parteiinterne Nominierungsverfahren pro forma durchlaufen müssen. Der CDU-Kreisvorstand wird in seiner nächsten Sitzung am Donnerstag, 20. Juni, über die Suche nach einem Bewerber oder einer Bewerberin beraten.

Nach 20 Jahren zieht er sich aus der Politik zurück

Tebrokes Schreiben beginnt als sommerlicher Gruß an die Parteifreunde, verfasst am Morgen nach dem gefühlsseligen 5:1-Sieg von Deutschland gegen Schottland bei der Fußball-EM. „Ich hoffe, es geht Ihnen gut und Sie können den Sommer und vielleicht auch die Fußball-Europameisterschaft genießen, die gestern mit einem tollen Auftritt der deutschen Fußballnationalmannschaft begonnen hat.“ Er wende sich mit einer persönlichen Nachricht an die Parteimitglieder und seine Freundinnen und Freunde.

Es seien jetzt 20 Jahre, in denen er hauptamtlich die Politik seiner Heimat habe mitgestalten dürfen. Tebroke: „Ich habe diese Aufgaben stets mit großer Freunde und Engagement wahrgenommen und tue das noch immer sehr gerne. Ganz besonders schätze ich die vielfältigen Begegnungen mit Menschen vor Ort, in Vereinen und Verbänden, Unternehmen und der öffentlichen Verwaltung. Gemeinsam lässt sich vieles erreichen.“ Für die große Unterstützung und das entgegengebrachte Vertrauen und das gute Miteinander sei er sehr dankbar. Der Rückzug aus der Politik werde ihm nicht leicht fallen, erklärt Tebroke, er versichere, dass er sein Mandat bis Oktober 2025 „unverändert mit aller Kraft wahrnehmen werde.“

Aber: „Zur kommenden Bundestagswahl werde ich gleichwohl nicht mehr antreten.“ Das politische Mandat für Rhein-Berg wahrzunehmen, sei sicherlich anstrengend und herausfordernd, aber in vielfältiger Weise auch bereichernd, sinnstiftend und nicht zuletzt ein Privileg gewesen.

Schlichtungsversuche bei Kreis-CDU

In den vergangenen Monaten hatte Tebroke in seiner Funktion als Kreisvorsitzender auch Zerwürfnisse innerhalb seiner Kreis-CDU zu kitten versucht. An die Öffentlichkeit geriet eine Auseinandersetzung bei einer der letzten Mitgliederversammlungen, als es bei der Wahl zum Kreisvorstand eine Kampfabstimmung zwischen Caroline Bosbach, Tochter von Wolfgang Bosbach, und der aufstrebenden Lena Behnke, Parteivorsitzende aus Kürten, gab.

Behnke setzte sich knapp durch,   dank der persönlichen Unterstützung von Herbert Reul, dem aus Leichlingen stammenden NRW-Innenminister. Auch fordernd für Tebroke waren Vorwürfe, die gegen ein Mitglied einer Unterorganisation der CDU aufgekommen waren. In seiner Stellungnahme geht der Bundestagsabgeordnete auf diese Ereignisse im Kreisverband nicht ein und verweist auf seine langjährige Tätigkeit in politisch verantwortungsvollen Ämtern.

Fleißig und beliebt

Auch bei den Mitgliedern anderer demokratischer Parteien hat Tebroke in den vergangenen Jahren mit seiner ruhigen und besonnenen Art Wertschätzung erfahren.Der Politiker gilt als fleißig und als jemand, der nicht die große Fernsehbühne sucht, wie sein Vorgänger.In Talkshows hat man Tebroke bislang nicht gesehen. 2017 hatte der gebürtige Westfale die Bundestagswahl mit 40,0 Prozent der Stimmen gewonnen, der für de SPD angetretene Nikolaus Kleine aus Bergisch Gladbach erreichte als Zweitplatzierter 24,5 Prozent. 2021 holte Tebroke 30,0 der Erststimmen, der SPD-Kandidat Kastriot Krasniqi blieb mit 22,7 Prozent deutlich dahinter.

In den kommenden Wochen und Monaten steht die CDU im Bergischen damit vor einer intensiven Bewerbersucher. Neben einem Kandidaten für den Bundestag muss auch ein Bewerber für das Amt des Landrats gesucht werden, nach dem verkündeten Rückzug von Landrat Stephan Santelmann (CDU). Und in den Kommunen müssen Bürgermeisterkandidaten gefunden werden.

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