Bergisch Gladbach – „Unterm Strich hat es sowohl bei den Baukosten als auch bei der Bauzeit nahezu ein Punktlandung gegeben“, verkündete Landrat Dr. Hermann-Josef Tebroke, als er am Donnerstag im Rahmen einer inoffiziellen Mitarbeiterfeier symbolisch die Schlüssel des neuen Kreishausanbaus in Empfang nehmen durfte.
Anfang Dezember beginnt der Umzug in die neuen Räume. Noch vor Weihnachten soll die Presseabteilung als eine der letzten ihr neues Domizil im vierten Geschoss des Hinterhauses in Besitz nehmen. 87 Mitarbeiter finden im Neubau Platz. Das Kreishaus Gronau (gegenüber dem Finanzamt) wird vollständig geräumt und kann dann „verwertet“ werden – als Baugrundstück, denn eine Sanierung dieses Objekts lohnt sich nicht.
Letzte Details fehlen noch
Ganz fertig ist der Neubau noch nicht: Der Handlauf im hell lindgrün akzentuierten Treppenhaus fehlt noch, ebenso wie zum Beispiel die Asphalt-Feindecke auf dem Parkdeck über dem Konferenztrakt. „Da hat uns leider das Wetter im Stich gelassen“, bedauert Walter Büttgens. Der ehemalige Chef der Umwelt-, Abfall- und und Abwasserbehörde ist nunmehr als stellvertretender Projektleiter für die technischen Aspekte der Kreishauserweiterung verantwortlich. Ansonsten ist das Gebäude aber pünktlich fertig geworden und wurde nun den Mitarbeitern vorgestellt, die von den anderthalbjährigen Bauarbeiten am meisten betroffen waren.
Die Nachbarn, etwa in der Märchensiedlung, hatten darunter zu leiden, dass während der Bauzeit die Parkplätze knapp waren und in der Folge mehr Autofahrer zum Parken ins Wohngebiet auswichen. Den Anwohnern soll das Gebäude im Frühjahr bei einem Tag der offenen Tür präsentiert werden.
Für die Kreishausbelegschaft, die mit den Zugängen aus Gronau auf 860 Köpfe kommt, ist der Baustellenstress noch nicht vorbei: Nach dem Umzug in den Neubau beginnt die Sanierung des Altbaus inklusive einer Aufstockung des Seitenflügels links des Eingangs um zwei Stockwerke. Das wird weitere zwei Jahre in Anspruch nehmen. Für den bisherigen Bauabschnitt galt ein Baukostenvoranschlag von 15,3 Millionen Euro, der um eine halbe Million überzogen worden ist. Das liegt nicht daran, dass der geplante Bau teurer geworden wäre, sondern an einigen zusätzlichen Aufträgen, die nachträglich ins Bauprogramm aufgenommen wurden.
Für das Geld erhält die Kreisverwaltung hinter dem Haupthaus, abgesetzt durch einen Binnenhof, ein eingeschossiges Konferenzgebäude. Es wurde rückseitig in den Hang gesetz, mit einem Parkdeck auf dem Flachdach. Dazu kommt ein viergeschossiges Bürogebäude, in dessen Obergeschoss Landrat und Kreisdirektor residieren werden. Im vorderen Altbau sollen vor allem die Abteilungen untergebracht werden, die viel Publikumsverkehr anziehen.
Im Neubau sind auch die neuen Fraktionsräume untergebracht sowie drei Konferenzräume und ein IT-Schulungsraum. Der Neubau wird erschlossen durch einen Korridor, der im ehemaligen CDU-Fraktionszimmer gegenüber dem Haupteingang ansetzt. Besonderen Wert wurde auf Barrierefreiheit gelegt, von zehn Behindertenparkplätzen über taktile Leitsysteme ab der Bushaltestelle bis zu Tonschleifen für Hörbehinderte in den Sitzungssälen.
Besonders stolz ist man auf das Energiekonzept, das zu 70 Prozent auf Erdwärme setzt. Dafür wurden 28 Geothermie-Sonden in den Untergrund versenkt. Auf dem Dach wurde eine Photovoltaik-Anlage mit acht Kilowatt Leistung installiert. Die energetische Sanierung macht auch den Löwenanteil der nun folgenden Renovierung des Altbaus aus, dessen Fassade und Fenster erneuert werden.
