Der Solidaritätspartnerschaftsverein Bergisch Gladbach – Nir Oz und die Bethe-Stiftung sammeln Geld für ein Gästehaus in einem Kibbuz.
SpendenaktionWie ein Gästehaus Menschen in Israel helfen kann

Sie möchten den Menschen im Kibbuz Nir Oz Hoffnung geben: Roman Salyutov (v.l.) und Petra Hemming vom Solidaritätspartnerschaftsverein Bergisch Gladbach – Nir Oz und Florian Bethe (Bethe-Stiftung).
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Von einem regelrechten Paradies sprechen Petra Hemming und Roman Salyutov, wenn es um den Kibbuz Nir Oz in Israel geht. Die beiden haben 2023 den Solidaritätspartnerschaftsverein Bergisch Gladbach – Nir Oz gegründet und beschäftigen sich seither mit humanitärer Hilfe, für die von den Angriffen der Hamas betroffenen Menschen. Unter anderem helfen sie auch beim Wiederaufbau des Kibbuz. Beim Pressegespräch erzählen sie von ihrem neuesten Projekt, einem Gästehaus für das Kibbuz, das ehrenamtliche Helfer beherbergen soll. Auch Florian Bethe von der Bethe-Stiftung, die das Projekt unterstützt, ist beim Gespräch dabei.
Nach dem Angriff der Hamas am 7. Oktober 2023 hatten die Zustände im Kibbuz nichts mehr mit einem Paradies zu tun, wie Hemming und Salyutov erzählen. „Der Kibbuz Nir Oz war der am schlimmsten von den Angriffen betroffene im ganzen Land“, meint Hemming. Jeder vierte Bewohner des Kibbuz „sei entweder umgebracht oder verschleppt worden“. Diejenigen, die überlebten, seien seither fürs Leben gezeichnet.
Auf eigene Kosten helfen
Etwa viermal im Jahr fahren Hemming und Salyutov deshalb mit einer Gruppe Freiwilliger nach Nir Oz und das für mehrere Wochen. Alles auf ehrenamtlicher Basis und auf eigene Kosten. Zwischen zehn und zwölf Personen seien sie in der Regel. Da sie derzeit die einzige Hilfsorganisation dieser Art in Deutschland seien, meldeten sich Menschen aus der gesamten Bundesrepublik, die mit anpacken wollen. Die nächste Reise dieser Art finde im April statt und sei laut den beiden bereits „ausgebucht“.
Vertrauen an oberster Stelle„Es gibt vorher allerdings ein Kennenlernen. Damit wir uns einen Eindruck von den Personen machen können. Schließlich müssen wir uns vor Ort auf sie verlassen können und nicht jede Arbeit, die anfällt, macht auch Spaß“, berichtet Hemming. „Und wir müssen ihnen vertrauen können. Wir haben uns das Vertrauen der Menschen in Nir Oz auch erst verdienen müssen“, fügt Salyutov hinzu.
Die ersten Rückkehrer nach einigen Wochen
Aber die Arbeit lohne sich: Bereits einige Wochen nach dem Angriff habe es Leute gegeben, die zurückgekehrt waren, auch wenn bis auf sechs Häuser alles zerstört war. Viele warteten darauf, dass ihre Häuser wieder bezugsfertig sind. „Es gibt auch welche, die nicht vorhaben, zurückzuziehen, aber nach einer Weile dennoch gekommen sind, um sich anzuschauen, wie es dort mittlerweile aussieht“, erzählt Salyutov. Vor allem aber junge Familien mit kleinen Kindern könnten sich nicht mehr vorstellen, in dem Kibbuz zu leben. Zu riskant erscheine ihnen der Ort.
„Wir geben den Menschen dort wieder Hoffnung. Sie sehen, dass sich dort etwas tut, wie wir arbeiten und gekommen sind, um zu helfen“, sagt Salyutov. Neben den Arbeiten vor Ort, kümmere sich ihr Verein auch um Einzelanschaffungen, etwa Werkzeuge, ein Golfcart für das Kibbuz-Gelände oder Ähnliches. Auch 18 Kinder, die ein Elternteil verloren haben, werden von der Solidaritätspartnerschaft unterstützt. Finanziert wurde das Ganze durch Benefizkonzerte und Spendenaktionen. Das Gästehaus reihe sich bei den größeren Projekten ein, denn benötigt würden zwischen 40.000 und 50.000 Euro. Das Ziel der Spendenaktion seien also 20.000 bis 25.000 Euro. „Den Rest steuert die Bethe-Stiftung durch die Spendenverdopplung dazu. Bis zu einer Summe von 2.000 Euro verdoppeln wir die eingehenden Einzelspenden“, erklärt Florian Bethe.
Mehr Freiwillige benötigt
Das Gästehaus soll auf einem Grundstück entstehen, auf dem sich aktuell noch ein unbewohntes Haus befindet. Der Abriss soll bereits im ersten Quartal des Jahres stattfinden. Was sich die beiden von dem neuen Gästehaus versprechen? „Wir hoffen, dass dann vielleicht auch mehr Freiwillige kommen. Die Ehrenamtlichen müssen die Kosten nämlich selbst tragen“, sagt Hemming. Zwar gebe es auch aus anderen Ländern Ehrenamtliche, allerdings eher spärlich. Eine Unterkunft könne da Abhilfe schaffen.
Auch wenn die Bewohner des Kibbuz' vor allem Juden seien, gebe es keinen Zwang, was die Religion anbelange. „Natürlich wird das Judentum dort praktiziert, man kann Israel nicht vom Judentum trennen. Aber die Kibbuzim am Gazastreifen sind religionsneutral“, meint Salyutov. Die Menschen, die dort leben und gelebt haben, seien sehr friedfertig. „Vor dem 7. Oktober gab es viele Menschen, die eng mit den Menschen in Gaza verbunden waren. Sie sind in ihrer privaten Zeit an den Grenzübergang gefahren und haben Mütter mit Kindern abgeholt, um sie in Krankenhäuser zu bringen, damit sie versorgt werden“, nennt er als Beispiel. Umso enttäuschter seien sie gewesen, als ihre Nachbarn sie bei der Hamas verraten hätten. „Sie haben nicht nur erzählt, wo die Menschen sich befinden, sondern zum Teil auch Details wie das Schlüsselversteck für Haustüren.“
Weitere Informationen zum Verein und zur Aktion auf der Website.
www.bgl-niroz.de

