Bergisch Gladbach – Ein bisschen trüb war er, der Samstag vor dem ersten Adventssonntag. Mühselig schob sich langsam eine graue Wolkendecke über den Himmel des Stadtzentrums. Unten aber floss überraschend rasch der Verkehr.
Der erste sogenannte Adventssamstag gilt seit Jahrzehnten für Händler und Verkehrsexperten als Auftakt zum großen Weihnachtsgeschäft. Und das heißt nicht nur viele Kunden und hohe Umsätze, sondern ebenso traditionell: viele Autos, lange Staus, endlose Parkplatzsuche, genervte Kunden. Und das alles in Bergisch Gladbach unter der besonderen Brisanz der Großbaustelle Strunde hoch vier, die sich mit ihren gewaltigen Gräben für neue Kanalrohre wie eine offene Wunde quer durch das Herz der Innenstadt auftut.
Das ließ Arges ahnen. Intensiv betreiben die Einzelhändler, städtische Institutionen und der Strundeverband als Bauherr daher seit ein paar Tagen kräftig Marketing. Mit Flugblättern, Plakaten und Presseauftritten werben die Verantwortlichen gezielt für die Marke „Weihnachts-Shopping“. Entspannt soll der „Erlebnis-Einkauf“ am Wochenende im Gladbacher Zentrum ablaufen. „Viele Baustellen zurückgebaut, alle Parkplätze gut erreichbar“ heißt es optimistisch in der Theorie des städtischen PR-Büros. Und die Praxis?
Der Verkehr fließt
Samstagmorgen, 11 Uhr: Die Realität gibt der Marketingkampagne recht. Der Verkehr in Gladbachs Innenstadt fließt. Um 11.20 Uhr zeigt die analoge Parkhaus-Anzeige an der Rhein-Berg-Galerie: „Besetzt“. Kurze Zeit später zeigt auch das digitale Parkleitsystem für die Anlage „0“ freie Plätze an.
Schnell stellen die Mitarbeiter der Rhein-Berg-Galerie ein Schild auf, dass auf die weiteren 450 im Parkhaus der Rhein-Berg-Passage zur Verfügung stehenden Stellplätze hinweist.
Im Einkaufszentrum ist viel los, und trotzdem rollt der Verkehr draußen in passabler Geschwindigkeit. Auch der Driescher Kreisel ist in angemessener Zeit passierbar.
Und Parkplätze? Seien kein Problem, sagen Christel und Kurt Goebels, die regelmäßig aus Köln-Dellbrück zum Shoppen nach Bergisch Gladbach kommen. Am Parkplatz am S-Bahnhof haben sie noch einen Platz gefunden, um ihr Auto abzustellen.
So wie Anneliese Buchholz, die aus Hebborn mit dem Auto in die Stadt gekommen ist. „Ich bin gut durchgekommen“, sagt sie. „Trotzdem sind die Leute genervt“, stellt sie fest. Das muss der übliche Weihnachtsstress sein. Am Verkehr kann es heute nicht liegen.
Um 14 Uhr ist die Innenstadt noch ein bisschen voller. Jetzt drängen sich die Menschen auch auf dem Weihnachtsmarkt. An den Einkaufszentren wird Parkraum langsam knapp, aber zum Beispiel das gut ans Zentrum angebundene Parkhaus des Marienkrankenhauses hat noch Kapazitäten. 67 freie Plätze zeigt das Parkleitsystem an. Vom Kino bis zum Driescher Kreisel braucht man mit dem Auto zu dieser Zeit acht Minuten.
Bei drei Ampeln mit Rotlicht eine gute Zeit und die umgekehrte Strecke schafft man sogar in fünf Minuten.
Auch über Gronau kommt man gut in die Stadt. Sieben Minuten vom Kaufland zur Rhein-Berg-Passage – das geht. Kein Chaos, keine langen Staus oder ärgerliche Wartezeiten auf einen Parkplatz. Die Planer und Macher der Großbaustelle haben gegenüber Händlern und Kunden Wort gehalten. Rechtzeitig zum Weihnachtsgeschäft haben sie die Verkehrssituation deutlich entschärft.
Ob auch Kunden- und Umsatzzahlen nach dem Geschmack der Händler waren, wird der Kassensturz am Samstagabend gezeigt haben. Denn trüb war er schon, der erste Verkaufstag für das Weihnachtsgeschäft. Es ist durchaus zu erwarten, dass es bei besserem Wetter auch noch mehr Besucher in Richtung Weihnachtsmarkt zieht.
Und die Erfahrung zeigt, dass die Zahl der Zentrumsbesucher bis zum Weihnachtswochenende immer weiter ansteigt. Vielleicht kommt der große Belastungstest ja erst noch – an einem der kommenden Adventssamstage.
