Dokumentation über Jascha Lülsdorf, der von Nazis verfolgt und in den USA zur Fotografenlegende wurde.
Unter neuem NamenVon Schildgen ins Weiße Haus: Jaques Lowe war Fotograf der Kennedys

Jascha Lülsdorf aus Schildgen wanderte Ende der 1940er-Jahre nach Amerika aus. Unter dem Namen Jacques Lowe wurde der Junge aus dem Rheinland als „Kennedy-Fotograf“ berühmt. Seine Biographie ist nun auf der Kinoleinwand zu sehen.
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Er schuf die Bilder, die für die Ewigkeit bleiben. Jacques Lowe war der Mann, der den Kennedys ihr Gesicht gab und der Welt einen Mythos schenkte. Camelot nannten die Kennedys den glanzvollen Traum im Weißen Haus; Lowe hielt diesen Traum in zeitlosen Schwarz-Weiß-Fotografien fest. Nah dran, fast unsichtbar, immer im perfekten Moment. Ein Erinnerungsabend von „Himmel un Ääd“ erwecfkte das Werk des Fotografen zu neuem Leben. Einblicke hinter die Fassade einer Familie, die Geschichte schrieb und deren Momente für die Ewigkeit festgehalten wurden.

Zur Sondervorstellung der Dokumentation „Capturing Kennedy“ sind unter anderem Uli Poggel (v.l.), Mitinitiator der Recherchen, Klaus Dieter Becker, stellvertretender Landrat, Christel Polito, Enkelin von Christine Quirl, Achim Rieks, Mitinitiator der Recherchen, Fritz Quirl, Sohn von Christine Quirl, Corvin Kochan, stellvertretender Bürgermeister, Wolfgang Lülsdorf, Bruder des Fotografen, erschienen.
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Biografie ist nun in der US-Dokumentation „Capturing Kennedy“ auf der Kinoleinwand zu sehen
Es ist eine Lebensgeschichte, die tief berührt. Sie beginnt im dunklen Keller der Gaststätte „Zur Post“, heute das Irish Pub in Schildgen. Zwei Häuser neben dem Veranstaltungsraum des Bestattungsunternehmens König, wo sich knapp fünfzig Menschen versammelt hatten, um den Film über den Fotografen zu sehen. Sie endet in den glanzvollen Hallen der US-Machtpolitik im Oval Office. Jascha Lülsdorf wurde der weltberühmte US-Fotograf Jacques Lowe.
Seine spektakuläre Biografie ist nun in der US-Dokumentation „Capturing Kennedy“ auf der Kinoleinwand zu sehen. Nicht zuletzt verdankt der Film einige seiner Elemente dem akribischen Spürsinn von Ehrenamtlerinnen und Ehrenamtlern aus Bergisch Gladbach-Schildgen.

Auch das Familienleben hielt Lowe fest.
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Während der Zeit des Nationalsozialismus verhalf die mutige Schildgener Wirtin Christine Quirl (Gaststätte „Zur Post“) dem jüdischen Jungen Jascha Lülsdorf und seiner Mutter Raya zum Überleben. Im letzten Kriegswinter versteckte sie die beiden im Keller ihres Hauses vor der Verfolgung. Nach dem Krieg wanderten die beiden in die USA aus, Jascha Lülsdorf nahm den Namen Jacques Lowe an und avancierte zum persönlichen Fotografen der Kennedy-Familie. Über die grausamen Jahre im Dritten Reich und seine Rettung im Rheinland schwieg der Fotograf jedoch weitgehend gegenüber seinen eigenen Kindern. Auch bei der Kennedyreise nach Deutschland war er nicht dabei.
Jahrzehnte später nahm das Vergessen in Bergisch Gladbach-Schildgen ein Ende
Jahrzehnte später nahm das Vergessen ein Ende. Im Rahmen eines lokalen Geschichtsprojekts im Begegnungscafé „Himmel un Ääd“ recherchierte ein Team um die Initiatoren Achim Rieks und vor allem Uli Poggel zu jüdischen Lebensläufen aus der Region. Den entscheidenden Impuls gab schließlich der Mitrecherchierende Heinrich Mehring: Er stieß auf einen Artikel und verknüpfte als Erster den Namen des Jungen aus dem Rheinland mit der US-Fotografenlegende Jacques Lowe.

Auch einen Fotoband über Kennedy erschien mit Bildern von Jacques Lowe.
Copyright: Jacques Lowe
Die Fäden laufen zusammenWas folgte, war eine intensive historische Spurensuche. Das Team aus Schildgen trug Puzzleteile zusammen, dokumentierte die Ereignisse vor Ort und nahm Kontakt zur US-Nachlassverwaltung sowie den Kindern des verstorbenen Fotografen auf.
Für die Nachkommen Lowes schloss sich damit ein Kreis: Erst durch die Recherchen aus Deutschland erfuhren seine Tochter Thomasina und ihre Geschwister die genauen Details über die dramatische Rettung ihres Vaters. Im vergangenen Sommer reiste die Familie nach Schildgen, wo es zu einer hochemotionalen Begegnung mit den Enkelinnen der Retterin Christine Quirl kam. Für den Mut der Wirtin wurde zudem ein Antrag auf Ehrung in der israelischen Gedenkstätte Yad Vashem eingereicht.
Aus der Spurensuche entstand eine internationale Dokumentation
Dass aus der Spurensuche schließlich eine internationale Dokumentation entstand, verknüpft mehrere Fäden: Frank Harvey, ein US-amerikanischer Freund und Bewunderer Lowes, hatte bereits Jahre zuvor Interviews mit dem Fotografen aufgezeichnet, da er erkannte, wie wenig in den USA über dessen wahre Ideen bekannt war.
Als die detaillierten Rechercheergebnisse aus Schildgen in den USA Bekanntheit erlangten, griffen US-Filmemacher den Stoff auf. Auf der Grundlage von Harveys historischen Aufnahmen und den neuen Erkenntnissen der Schildgener Heimatforscher entstand die Dokumentation „Capturing Kennedy“. Der Regisseur beriet sich im Vorfeld in Videokonferenzen direkt mit dem Team von „Himmel un Ääd“, um die historischen Fakten aus dem Rheinland passgenau in das Filmporträt einzuweben.
Honoratioren tief bewegt von der internationalen Tragweite des Projekts
Bei der Sondervorstellung im Bergisch Gladbacher Kreis zeigten sich der stellvertretende Landrat Klaus-Dieter Becker und der stellvertretende Bürgermeister Bergisch Gladbachs Corvin Kochan tief bewegt von der internationalen Tragweite des Projekts.
Die Geschichte zeigt eindrucksvoll, dass große Weltpolitik und lokale Zivilcourage oft dicht miteinander verwoben sind. Ein Einzelschicksal, das im Keller von Schildgen seinen Anfang nahm, bleibt so dank engagierter Heimatforschung für die Weltöffentlichkeit lebendig.
Für die Besucher bleibt die Erinnerung an einen Fotografen, der bei der Kampagne zur Präsidentenwahl von Kennedy und mit den vielen privaten Aufnahmen innerhalb der Familie die Fotos geschaffen hat, die uns von John F. Kennedy bis heute im Gedächtnis geblieben sind.
