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Währen der S11-SperrungDas Schienersatz-Fahrrad in Bergisch Gladbach war ein Flop

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SEV-Leihräder stehen am Bergisch Gladbacher S-Bahnhof.

Der Großteil der Nutzerinnen und Nutzer hat das als Pilotprojekt gestartete SEV-Bike nach der Fahrt nicht ordnungsemäß abgestellt.

1235-mal wurden Räder während der S11-Sperrung ausgeliehen – Drei Viertel der Räder wurden nicht an einer Station zurückgegeben.

Die Idee klang pfiffig: Wenn die S11 nicht fährt, sollten Pendler einfach auf eigens bereitgestellte Fahrräder umsteigen können. 50 violett lackierte „S11-Bikes“ standen während der dreimonatigen Vollsperrung zwischen Bergisch Gladbach und Köln-Mülheim bereit. Die Bilanz fällt allerdings ernüchternd aus. Der Kreis empfiehlt, ein solches eigenständiges Leihradsystem bei künftigen Streckensperrungen nicht erneut einzurichten.

Eine Hand hält ein Handy mit der App zum Ausleihen der SEV-Leifahrräder am Bergisch Gladbacher S-Bahnhof.

Einfach auszuleihen - aber nur jedes vierte SEV-Leihfahrrad wurde auch korrekt zurückgegeben.

Vom 10. April bis 3. Juli wurden die Räder insgesamt 1235-mal von etwa 1000 Menschen ausgeliehen. Das entspricht während der 85 Tage lediglich rund 14 Fahrten pro Tag – bei 50 bereitstehenden Fahrrädern. Rund 80 Prozent der Nutzer griffen nur ein einziges Mal auf das Angebot zurück. Nach dem größten Interesse zum Projektstart im April ging die Nachfrage kontinuierlich zurück.

Die Kreisverwaltung rät von einer Wiederholung des Pilotprojekts ab

Noch deutlicher verfehlte das Pilotprojekt sein Stationskonzept. Die Fahrräder sollten ausschließlich an den fünf S-Bahn-Stationen Köln-Mülheim, Holweide, Dellbrück, Duckterath und Bergisch Gladbach ausgeliehen und zurückgegeben werden. Dadurch sollte verhindert werden, dass die Räder mit nach Hause genommen oder irgendwo im Stadtgebiet abgestellt würden. Zugleich sollten an der gesperrten Strecke stets genügend Räder verfügbar bleiben. Wie berichtet, war genau dies ein zentraler Bestandteil des Konzepts.

Auf einem Handy-Display ist die Nextbike-App mit einer Ausleihe eines SEV-Bikes zu sehen.

Per App ließ sich das SEV-Bike ausleihen – und bezahlen.

In der Praxis funktionierte das kaum: 931 und damit rund 75 Prozent der 1235 Ausleihen wurden außerhalb einer Station beendet. Nur etwa jedes vierte Rad landete dort, wo es nach dem ursprünglichen Konzept zurückgegeben werden sollte. Mehr als 500 Fahrten begannen und endeten sogar außerhalb der fünf vorgesehenen Stationen.

Auch die zurückgelegten Strecken sprechen dagegen, dass die Räder in größerem Umfang als Ersatz für die gesperrte S-Bahn genutzt wurden. Die meisten Fahrten waren kürzer als zwei Kilometer und dauerten weniger als 15 Minuten. Am stärksten genutzt wurde unter den vorgesehenen Stationsverbindungen die Strecke zwischen Dellbrück und Duckterath, gefolgt von Dellbrück–Bergisch Gladbach und Mülheim–Duckterath.

Initiative der ehemaligen schwarz-grünen Kreistagskoalition

Etwa 300 Menschen registrierten sich während des Projekts neu beim Betreiber Nextbike. Lediglich 46 hinterlegten allerdings ein VRS-Abonnement, mit dem die ersten 30 Minuten einer Fahrt kostenlos waren.

Entstanden war das bundesweite Pilotprojekt auf Initiative der damaligen schwarz-grünen Kreistagskoalition. Bei der politischen Beratung hatte CDU-Fraktionschef Uwe Pakendorf begrüßt, dass bei einer Streckensperrung nicht allein der Bus als Alternative angeboten werde. Die Gesamtkosten waren mit 17.000 Euro kalkuliert. Der Kreis wollte bis zu 8500 Euro übernehmen, sofern sich der zuständige Zweckverband Go.Rheinland mindestens zur Hälfte beteiligt.

Auch Selbstversuch dieser Zeitung zeigte Schwächen des SEV-Leihrades

Schon ein Selbstversuch dieser Zeitung zum Beginn der Sperrung hatte allerdings Schwächen gezeigt. Zwar funktionierten Ausleihe und Rückgabe per App problemlos. Die Ausschilderung der Radrouten war jedoch lückenhaft und endete teilweise mitten im Wald. Zum Haltepunkt Duckterath fehlten Wegweiser vollständig. Mit Bus, Bike und Geduld gelang die Fahrt dennoch.

Die Evaluation steht am Donnerstag, 17. September, im Ausschuss für Mobilität und Verkehrsinfrastruktur des Kreises auf der Tagesordnung. Die Verwaltung zieht bereits ein klares Fazit: Ein eigens für Schienensperrungen aufgebautes Fahrradmietsystem soll es in dieser Form nicht noch einmal geben.

Stattdessen will der Kreis vorhandene Leihradsysteme besser miteinander vernetzen und Übergänge zwischen den Angeboten vereinfachen. Langfristiges Ziel ist ein regionales Fahrradmietsystem. Die violetten S11-Bikes dürften dagegen ein einmaliger Versuch bleiben.