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Bergisch GladbachWenn das Lesen lernen Schwierigkeiten macht

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zwei Frauen sitzen an einem Tisch

Helfen Kindern eine Stunde pro Woche: Doro Corts (l.) und Monika Gippert vom Verein Lesementor Bergisch Gladbach. 

Lesementorinnen und Lesementoren unterstützen Kinder dabei, lesen zu lernen – ohne Noten, ohne Druck

Wenn Monika Gippert und Doro Corts über die Arbeit des Vereins Lesementor Bergisch Gladbach e.V. sprechen, verzichten sie auf pädagogisches Weichspül-Vokabular. Die Lage an den Schulen der Region ist ernst, die Diagnose klar: Immer mehr Kinder können nicht richtig lesen. PISA-Schocks im Fünfjahrestakt überraschen niemanden mehr, der Zeit in Klassenzimmern verbringt. An diesem heißen Nachmittag sind über zwanzig Menschen in die Stadtbibliothek gekommen. Sie wollen helfen, die Situation zu ändern.

Es geht um Zuwendung und Geduld

„Es gibt Haushalte, in denen kein einziges Buch mehr steht“, sagt Monika Gippert, einst Leiterin der Stadtbibliothek. Heute sitzt sie im Vorstand des Vereins, der im Januar 2025 gegründet wurde. Anderthalb Jahre später engagieren sich bereits 60 Ehrenamtliche an 17 Schulen in Bergisch Gladbach und Odenthal. Die Nachfrage wächst. Doch oft bremst das System: „Manche Grundschulen haben so wenig Platz, dass sie uns keinen Raum bieten können. Das ist traurig, aber Realität.“ Das Prinzip des Vereins ist einfach: Eins zu eins. Ein Erwachsener, ein Kind, eine Stunde pro Woche, ein Schuljahr lang. Keine Nachhilfe, kein Leistungsdruck, keine Noten. Es geht um Zuwendung, Geduld und darum, die Welt zu entschlüsseln.

Doro Corts, ebenfalls im Vorstand und früher Architektin, kennt die Folgen fehlender Grundlagen aus weiterführenden Schulen. „Vielen Kindern fehlt der Wortschatz“, sagt sie. „Sie können Buchstaben aneinanderreihen, verstehen aber nicht, was sie lesen. Wenn in einer Matheaufgabe das Wort „schraffiert“ vorkommt, muss die Lehrkraft das heute 90 Prozent der Schüler erst erklären.“ Für ihr Lesekind hat Corts deshalb eine kleine Box mit Begriffskarten angelegt. Deutsch-Vokabeln lernen, ganz praktisch. Die Lesestunden finden während der Unterrichtszeit statt. Das ist Absicht. „Damit es keine Strafe nach Feierabend wird“, erklären Gippert und Corts. Meistens klappt das, denn viele Schulen haben feste Lernzeiten. So fällt nicht immer derselbe Unterricht aus.

Ein dreistündiges Grundlagenseminar bereitet auf die Arbeit vor

Um die Ehrenamtlichen vorzubereiten, bietet der Verein ein dreistündiges Grundlagen-Seminar an, vor Ort oder digital. Es vermittelt praktische Methoden für den Lesealltag. Die Anforderungen an die Mentoren sind überschaubar: ein erweitertes Führungszeugnis (für Ehrenamtliche kostenlos), eine Datenschutzvereinbarung und der Nachweis des Masernschutzes für alle, die nach dem 31. Dezember 1970 geboren sind. Im Gegenzug erhalten die Freiwilligen kostenlose Ausleihen über die Stadtbücherei, Versicherungsschutz, wöchentliches Material wie die „Kunterbunte Kinderzeitung“, die viel Material bietet, um die Wöchentliche Stunde vorzubereiten und regelmäßige Fortbildungen.

Warum investieren Menschen ihre Freizeit in Schulen? Nicht wegen Geld, sondern wegen Geschichten. Corts, selbst kinderlos, suchte den Kontakt zur jüngeren Generation. „Man geht völlig unvoreingenommen in diese Beziehung“, sagt sie. „Und manchmal stehen Jahre später junge Menschen als Abiturienten vor einem und sagen: Ohne meinen Mentor hätte ich das nie geschafft. “ Der Bedarf an den Schulen ist groß. Wer mitmachen will, braucht kein Pädagogikstudium, aber Humor, Geduld und ein Herz für Kinder - und für die Sprache.