Der Kreis gibt 20.000 Euro für „Wald.Berg“ frei, doch ob die Förderung für das 200.000-Euro-Projekt kommt, ist offen.
Klimaresiliente WälderWermelskirchen soll Testfeld für Schwammwald werden

Nicht nur Talsperren, sondern auch bergische Wälder sollen künftig noch stärker Niederschläge speichern.
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Wie wird aus einem Wald ein Schwamm? Im Rheinisch-Bergischen Kreis soll genau das erprobt werden. Wälder sollen künftig Regenwasser möglichst lange aufnehmen und speichern, um Trockenperioden besser zu überstehen. Der „Schwammwald“ ist einer von vier Bausteinen eines Projekts, mit dem Rhein-Berg gemeinsam mit dem Oberbergischen Kreis und Wald und Holz NRW den bergischen Wald fit für den Klimawandel machen will.
Der Ausschuss für Klimawandelanpassung, Umwelt und Kreisentwicklung hat grünes Licht dafür gegeben, dass der Kreis 20.000 Euro in das Projekt „Wald.Berg – Perspektiven im Klimawandel“ einbringt. Es ist aus dem früheren Regionale-Projekt „Perspektive Laubwald“ hervorgegangen. Das Vorhaben war während der Regionale 2025 zunächst daran gescheitert, dass sich keine passende Förderung fand. Nun soll ein neuer Anlauf über die Leader-Regionen unternommen werden.
Pilotprojekt von 200.000 Euro
Insgesamt wird mit Kosten von 200.000 Euro gerechnet. 70 Prozent sollen über Fördermittel finanziert werden. Rhein-Berg, Oberberg und Wald und Holz wollen jeweils 20.000 Euro Eigenmittel beisteuern. Für Rhein-Berg soll das Geld aus vorhandenen Regionale-Mitteln umgeschichtet werden. Ob die Förderung bewilligt wird, steht noch aus.
Jörn Hevendehl, Leiter des Regionalforstamts Bergisches Land, hatte zuvor deutlich gemacht: Trockenheit und Waldbrandgefahr sind nur ein Teil der Herausforderungen. Zugleich werde der Wald stärker als Erholungsraum wahrgenommen, während das Wissen um seine forstwirtschaftliche Nutzung schwinde.
„Wald.Berg“ soll möglichst praxisnah ansetzen. Ein Schwerpunkt ist der „Bergische Schwammwald“. Das Prinzip ähnelt der Schwammstadt: Niederschläge sollen nicht möglichst schnell abfließen, sondern vor Ort zurückgehalten werden. Auch im Wald soll Wasser länger in der Fläche bleiben. Das kann in Trockenperioden helfen, ein ausgeglicheneres Waldklima zu erhalten, und zugleich der Waldbrandvorsorge dienen.

Wälder nehmen viel Wasser auf.
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Für Rhein-Berg könnte Wermelskirchen dabei zum Versuchsfeld werden. Nach Angaben der Kreisverwaltung hat dort eine Forstbetriebsgemeinschaft Interesse signalisiert. Auf geeigneten Flächen sollen Maßnahmen zum Wasserrückhalt praktisch erprobt werden. Welche zum Einsatz kommen, soll noch entwickelt werden. Zudem ist eine Förderberatung vorgesehen, damit Waldbesitzer erfahren, wie sie Wasser länger im Wald halten können. So sollen aus den Modellversuchen möglichst konkrete Lösungen entstehen, die später auch auf andere Waldflächen übertragbar sind.
Doch der Schwammwald ist nur ein Teil. Ein „Waldbaurezeptbuch“ soll insbesondere kleineren Waldbesitzern Hilfestellungen geben. Das Waldbaukonzept des Landes soll dafür auf das Bergische zugeschnitten werden. Praxisnahe „Rezepte“ sollen zeigen, welche Waldformen infrage kommen, wie Wälder widerstandsfähiger werden und wie sich Artenvielfalt und wirtschaftliche Nutzung verbinden lassen.
Ein weiterer Baustein widmet sich den sogenannten Ökosystemleistungen. Denn Wald liefert weit mehr als Holz. Er speichert Wasser, beeinflusst das Klima, bietet Lebensraum und dient den Menschen als Erholungsraum. Mit Waldbesitzern und Fachleuten soll untersucht werden, wie solche Leistungen auf Flächen sichtbar gemacht und gestärkt werden können. Auch digitale Karten könnten dabei eingesetzt werden.
Wanderausstellung und Infotafeln mit QR-Codes
Die Erkenntnisse sollen nicht in Aktenordnern verschwinden. Geplant sind eine Wanderausstellung sowie Informationstafeln mit QR-Codes an Waldflächen. Grünen-Vertreter Markus Plagge regte an, die Ausstellung gerade dort zu zeigen, wo besonders viele Erholungssuchende unterwegs sind.
Breite politisch Unterstützung, AfD dagegen
Auch politisch fand das Projekt breite Unterstützung. SPD-Vertreter Bodo Jakob hob besonders den Schwammwald hervor. Der trockene Sommer habe gezeigt, wie dringend das Thema sei. Ein besserer Wasserrückhalt könne neben ökologischen Vorteilen auch bei der Waldbrandvorsorge helfen. CDU und VWG unterstützten das Vorhaben ebenfalls.
Die AfD lehnte die Beteiligung mit Hinweis auf die angespannte wirtschaftliche Lage ab. Der Ausschuss beschloss die Freigabe der Mittel mit drei Gegenstimmen. Gelingt die Förderung, könnte im Bergischen bald praktisch ausprobiert werden, wie der Wald der Zukunft nicht nur grüner, sondern auch ein besserer Wasserspeicher werden kann. (wg)
