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Bergisches PlattZweisprachig liegt im Trend

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Die Dialekte des Rheinlandes - eine Übersicht

Bergisch Gladbach – Ja was denn nun, schreibt man Bergisch Gladbach in der Bergisch Gladbacher Mundart wirklich Jläbbisch, oder gibt es auch andere Varianten? Der in der Bergisch Gladbacher Volkshochschule versammelte Sachverstand kann auf diese Frage eines Eingewanderten keine einheitliche Antwort geben, denn: Statt „J“ am Anfang könnte auch „G“ stehen.

Für einen Nur-Hochdeutschen ist das mit der Zweisprachigkeit gar nicht so einfach, aber höchst interessant. Und für einen Mundartler ist die Sprache der Heimat sowieso wichtig. Und so hoffen die unüberhörbar aus dem bayerischen Sprachraum stammende Dr. Birgitt Killersreiter, Chefin der Bergisch Gladbacher Volkshochschule, und ihre Mitstreiter auf regen Zuspruch, wenn sie am Freitag dieser Woche, 26. Oktober, einen Abend zum Thema „Bergisches Platt – Zwischen Kölsch und Westfälisch“ präsentieren.

Die LVR-Forscher haben  mundartliche „Übersetzungen“ für das Wort „Purzelbaum“ gesammelt. Hier einige Beispiele: Burzelbaum, Burzelbock, Burzelbaumbock, Burzelbank, Bunzelbock, Bunzelhaupt, Bunzelkopf, Bolzen schlagen, Bolzenbaum, Kuckelnbaum, Kuckenbollarsch, Bolzarsch ...

Dabei die schlechte Nachricht für den bergischen Patrioten vorweg: Es gibt überhaupt nicht das bergische Platt, sondern es gibt unglaublich viele unterschiedliche Varianten. Zum Vorab-Pressetermin hat der selbst vom Niederrhein stammende Wissenschaftler Peter Honnen vom Bonner LVR-Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte nicht nur verschiedene Hörproben von unterschiedlichen Orten mitgebracht, sondern auch eine farbige Karte „Die Dialekte des Rheinlands“. Der Rheinisch-Bergische Kreis befindet sich da wesentlich im Teilbereich des „Ripuarischen“, Rheinischen, wird aber durchschnitten von der berühmt-berüchtigten „Benrather Linie“. Jenseits der Linie klingt alles schon wieder ganz anders als diesseits. Und je weiter man nach Westen kommt, desto kölscher werden die Tön, und je weiter es gen Osten geht, desto westfälischer.

Unterschiede findet man sogar auf engstem Raum. Bäuerin Annemarie Hagen aus Lindlar berichtet, dass in der Schule in Süng einmal nach Worten für „Zeit“ gefragt wurde: Richtung Overath spricht man von „Zick“, in Lindlar von „Ziet“ und in Wipperfürth von „Tied“.

In einem einig sind sich die Bayerin Killersreiter, der Niederrheiner Honnen und die Mundart-Experten Annemarie Hagen (Lindlar), Emil Odenthal und Karl Heinz Fröhlingsdorf (Gladbach) sowie Peter Caspers bzw. Pitter vum Blaubach (Köln): Mundart zu sprechen gilt heute nicht mehr als Makel – ganz im Gegenteil. Wer zweisprachig mit Platt und Hochdeutsch aufwächst, der hat es mit dem Erlernen der nächsten Sprache leichter, so Honnen.

Warum Platt aber ausgerechnet im Rheinland (außer in Köln) in vergangenen Jahrzehnten als „Bildungsbarriere“ gegolten hat, ist laut Honnen „eines der großen Geheimnisse der Sprachwissenschaft“. In Bayern und Baden-Württemberg gab es diesen Hochdeutsch-Dünkel nie. Doch auch wenn das Platt heute rehabilitiert ist, so ist es schon fast zu spät: Immer weniger Menschen beherrschen es heute noch. Diesem Trend entgegenzuwirken, hat sich die VHS-Chefin mit ihren Mitstreitern zum Ziel gesetzt– auch wenn sie freimütig bekennt, dass sie oft nicht mehr mitkommt, wenn jemand einen zu starken kölschen oder bergischen Dialekt spricht. Andererseits hat das Platt aber gerade heute wieder gute Chancen. In Zeiten der Globalisierung ist Heimat wieder angesagt. In Bayern wurde schon vor vielen Jahren mit dem Slogan „Laptop und Lederhosen“ politisch geworben, und im Bergischen ist bayerischer Heimatkult mit Lederhosen, Dirndeln und Oktoberfesten im Moment ja ohnehin total hip.

Der Abend zum Bergischen Platt beginnt am Freitag, 26. Oktober, um 19.30 Uhr im VHS-Haus Buchmühle. Es gibt Vorträge in Mundart und Beiträge über Mundart, außerdem bergische Lieder. Wer teilnehmen will, muss nicht tiefer ins Busselömpschen greifen, als wenn er ins Kino wollte: 8 Euro kostet der Eintritt.