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Biohof StöckerBergische Bio-Pioniere

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Rösrath – Wir fahren jetzt erstmal mit dem Trecker vom Sonnenblumenfeld rauf zu den Möhren. „Hier oben hat man den schönsten Panoramablick“, sagt Helmut Stöcker und schwenkt mit dem Arm über Himmel und Erde. Unten liegt der weithin bekannte Bauernhof, den er seit 1992 mit seiner Frau Theresia bewirtschaftet: 15 Hektar Gesamtfläche, drei Hektar Gemüse, 1000 Quadratmeter Folienhäuser. Dazu Kühe, Kälber, Hühner, Schafe, Zicklein, im Herbst Enten und Gänse.

Ein Öko-Paradies. Doch Ende Februar ist Schluss hier. „Wir haben unser Leben lang vom Sonnenaufgang bis zum Sonnenuntergang gearbeitet“, sagt Resi Stöcker (58). „Es ist immer mehr geworden. Wir können das nicht mehr.“ Auch ihr Mann Helmut  (63) hat es mittlerweile im Rücken. „Noch schaffen wir die Arbeit zwar, aber es wird nicht besser.“

Darum hören die beiden Bio-Pioniere des Bergischen jetzt auf „wenn es am schönsten ist“. Die Entwicklung ihres Erzeugerhofs ist eine Erfolgsgeschichte. „Wir hatten zuerst Milchwirtschaft“, erzählt Theresia Stöcker. Aber irgendwann stand das Ehepaar vor der Wahl, zu expandieren oder ganz neu anzufangen – mit Ökolandbau. „Wir waren uns gleich einig, das ist es.“

Am Anfang der 90er Jahre stand der erste Bioboom, noch kritisch beäugt und vom konservativen Verbraucher gern in die alternative Schmuddelecke gesteckt. „Aber bei uns hat es von Anfang an funktioniert“, erinnert sich die gelernte Krankenschwester, die auf einem Bauernhof in Overath als ältestes Kind aufgewachsen ist und deshalb eigentlich nie mehr in ihrem Leben etwas mit Landwirtschaft zu tun haben wollte. Bis sie Helmut traf.

Mit den alten Gemüsesorten haben sie experimentiert, erst für den Eigenbedarf, dann das, was übrig blieb, aus dem Wohnzimmer heraus verkauft. Bald stand Resi auf den Märkten in Overath und Refrath. „Die beste Werbung ist Mundpropaganda“, weiß die Landwirtin. „Eigenvermarktung, das ist die Nische, die sich lohnt. Wir haben immer alles verkauft.“

Nach und nach vergrößerte sich das Angebot, ein Hofladen wurde eingerichtet. Wenn man Helmut Stöcker fragt, wie viele Sorten Gemüse er anbaut, schmunzelt er und sagt „von A bis Z“. Es ist so eine Sache mit der Bürokratie. Dennoch: „Die Auflagen im deutschen Ökolandbau sind zwar noch strenger als in der EU, aber das hat uns nie Probleme bereitet“, versichert  Resi Stöcker. Ihr Mann ergänzt: „Wir haben guten, tiefgründigen Boden mit einem hohen Lehmgrund. Deshalb wächst alles so gut, dass wir nur mit mit eigenem Stallmist düngen, wenn überhaupt.“  Samenfeste Sorten bringen robuste Pflanzen hervor, und die Stöckers ziehen alles selbst. Wer über die weiten Felder streift, marschiert vorbei an Sonnenblumenfeldern, Mangoldbüschen, blühenden Zucchini, üppigen Reihen von , Wirsing und Spitzkohl. Violette Kohlrabi schauen aus dem Boden hervor, Pastinaken   gibt es, riesige Gemüsezwiebeln und dicke Lauchstangen.

Zwischendrin wuchert Unkraut. „Das gehört dazu“, findet Helmut Stöcker und bückt sich, um einen Bund Möhren aus der Erde zu ziehen. Modelka heißt die alte Sorte, deren intensives Aroma schon über das Feld schwebt.  Resi Stöckers Stolz sind die Artischocken, die in voller, violetter Blüte stehen – das Ergebnis des milden Winters. „Das ist der Hammer. Sowas sehen Sie sonst nur in Frankreich.“

Kommt angesichts dieses Füllhorns nicht doch Wehmut auf? „Nein“, versichern beide unisono. „Wir würden alles genauso wieder machen. Aber wir freuen uns darauf, etwas mehr Zeit für uns zu haben.“

Für die zahlreichen Stammkunden ist der Abschied indessen bitter. Denn niemand wird die Tradition fortsetzen. Die Tochter arbeitet als Sozialpädagogin am Sommerberg – es war von Anfang an klar, dass sie den Hof nicht übernehmen wird. Einen Pächter, der das ökologische Erzeugerkonzept in ihrem Sinne weiterführt, haben sie nicht gefunden: „Wir hatten  Interessenten, aber die scheuen unsere aufwendige Sorten- und Artenvielfalt“, haben die Stöckers festgestellt. Dann lieber gar nicht.

Um den  Eigenbedarf zu decken, werden sie weiter ein bisschen Gemüse pflanzen und ein paar Tiere halten. „Gemüse im Supermarkt einkaufen,  das geht gar nicht“, schaudert Resi Stöcker.

Der Hofladen im Stöckerhof (Rösrath, Fußheide 34) ist noch bis Februar 2015 geöffnet, tgl.  14-18.30 Uhr, Sa 10-13 Uhr, So Ruhetag. Außerdem auf dem Wochenmarkt samstags auf dem Wochenmarkt in Hoffnungsthal.  Spezialität: verschiedene Blattsalate, mundgerecht gezupft.