Abo

Blick in die ZukunftEin Körnchen Wahrheit für das Jahr 2015

4 min

Rhein-Berg – Kaffee ist statistisch gesehen das Lieblingsgetränk der Deutschen. Der kleine Koffeinschub zwischendurch schärft bekanntlich den Geist und beflügelt die Fantasie – woraus sich auch die Tradition des Kaffeesatzlesens speist. Nicht jeder ist zwar zum Hellseher geboren, aber Menschen, die von Berufs wegen mit Kaffee zu tun haben, geben ihr Bestes für uns.

Der Barista

Von morgens bis abends steht Pietro Lattarulo an der Kaffeemaschine in seinem „Alten Pastorat“ in Gladbach. „Ungefähr zwei Kilo Kaffeesatz“, schätzt er, sind abends in der Schublade. Gewonnen aus Hunderten Tassen. Er selbst trinkt nur Espresso, Marke Caffée Mondo. Gekonnt dreht er die Tasse auf den Kopf und wieder zurück. Zwei lange Nasen laufen vom Grund bis zum Tassenrand: „Das sind meine zwei Mädchen“, sagt Pietro wie aus der Pistole geschossen. Leona Lucia ist vier Jahre, Sofia Emilia ein Jahr alt. Oben sind sie verbunden durch eine Linie, was der Papa mittels eines innigen Handyfotos beweist. „Starke Basis“, konstatiert er noch. „Unsere Familie hat hier etwas Solides aufgebaut.“ (eck)

Die Künstlerin

Von ihrem Balkon aus tastet sich die Overather Künstlerin Margret Schopka an die Zukunft heran. Dort hat sie auf dem teilweise verschneiten Fußboden mit ihrer bewährten Kaffeesatz-Technik gearbeitet. Sie breitete eine Spitzendecke aus, siebte Kaffeesatz darüber und nahm die Decke weg: Es blieb deren Muster in Kaffeesatz. Dann schneite es darauf, taute ein wenig ab, Schopka setzte mit einer neuen Decke neue Muster darüber. Auf früheren Schichten entstanden neue Strukturen. Die Botschaft ist, dass die Zukunft, also auch das Jahr 2015, auf dem Vergangenen aufbaut. Einen weiteren Hinweis gibt die Künstlerin, indem sie die auf dem Balkon entwickelte Arbeit im dahinterliegenden Wohnraum fortsetzt: So gelangt auch das Jahr von eisigem Klima zu wohliger Wärme, das Blumenmuster der Spitzendecke verheißt einen prächtigen Sommer und eine glückliche Entwicklung. Auf dem Weg dorthin sind aber planvolles Vorgehen und Umsicht gefragt: Durch die Spitzendecke erhält der Kaffeesatz Form und Struktur, beim Wegziehen der Decke ist sorgsam vorzugehen: „Man muss das Leben gestalten.“

Auch der interkulturelle Aspekt lässt sich in ihrer Arbeit zum Jahreswechsel entdecken: Die Spitzendecke ist Teil der europäischen Kultur, der Kaffee ist weit gereist – von den meist lateinamerikanischen Anbauländern in den Rheinisch-Bergischen Kreis. Spitzendecke und Kaffee verbinden sich – ein kultureller Brückenschlag, der zu einem gelungenen Ergebnis führt. Das ist ein gutes Omen für die Integration der Neuankömmlinge aus vielen Ländern, vor allem für die Flüchtlinge. Im Kaffee finden Orient und Okzident einen gemeinsamen Nenner. (tr)

Der Produzent

Marc Krüger liebt es, in dem Kaffeesatz seines selbst produzierten Kaffees zu blicken. „Ein super Kaffee, und ich sehe ganz deutlich, dass er im nächsten Jahr noch viel besser wird.“ Er spricht von einem „Qualitätssprung“, den er im Jahr 2015 für seine Kaffeekapseln prognostiziert. Und das schöne an seiner Kaffeesatzleserei sei, dass er nun wirklich in Zukunft blicken könne. 2014 habe das Unternehmen viel investiert, und das zahle sich aus. Und Krüger sieht es ganz deutlich: Der Markt für Kaffeekapseln werde wachsen und wachsen. Denn das Kaffeetrinken werde immer mehr zum Genuss-Erlebnis. „Ich sehe ganz deutlich, dass sich unsere Kapselsysteme immer mehr durchsetzen werden“, orakelt Krüger. (nie)

Das Kaffeekränzchen

Im Galerie-Café von Tamara Türner hat sich Freundin Heike Krebber eingefunden, die sich als Profi entpuppt: „Vor zehn Jahren hat mir eine Jugoslawin den Kaffeesatz gelesen und vorhergesagt, dass ich einen Mann mit zwei Kindern kennenlerne. Hab’ ich. Wir sind seit neun Jahren glücklich.“

Die Damen selbst entschließen sich zu einer ungewöhnlichen Methode: Sie werfen den Satz auf den weißen Schnee am Buchmühlenpark. „Wer streut, kriegt Freud’“, intoniert Heike, während Tamara die weit gestreuten braunen Flocken als Aufbruch deutet: „Wir machen weiter im Krisengebiet. Wir sind Klein-Lerbach“, spottet Tamara, bevor sie sich über die Katzenspuren im frischen Schnee freut, die sie an ihren Kater Oskar erinnern.

In drei Sternenspuren erkennt Heike ihre drei Enkelkinder wieder, sieht aber keine weiteren am Horizont. Tamara ist sicher: „2015 wird ein tolles Jahr.“ (eck)