Der OVH setzte bei seiner Sommerserenade in diesem Jahr auf ein temperamentvolles Programm.
SommerserenadeOrchesterverein Hilgen ging temperamentvoll in die Burscheider Kirchenkurve

Die Sommerserenade des OVH in der Burscheider Kirchenkurve
Copyright: Violetta Gniß
Mal wieder scheint am Samstagabend ganz Burscheid in der Kirchenkurve zusammengekommen zu sein für die Sommerserenade des Orchesterverein Hilgen (OVH). Manche haben sich sogar Campingstühle für einen Sitzplatz mitgebracht und ein paar Kinder haben es sich vor der Bühne auf einer Decke bequem gemacht. Wer glaubt, dass ein Orchesterkonzert nur für Erwachsene ist, irrt – viele Kinder sitzen im Publikum oder stehen hinten mit ihren Eltern.
Oder sie spielen selbst mit. Schließlich präsentiert auch das Junior-Orchester seine Stücke. Nach Corona hatte das Ensemble Nachwuchsprobleme und musste für zwei Jahre eingestellt werden. Nach der Fusionierung der Musik- und Orchesterschule Burscheid (MOSB) bekam das Orchester jedoch wieder mehr Schüler. 13 junge Musikerinnen und Musiker spielen aktuell mit. „Wir wollen aber natürlich noch größer werden“, sagt Dirigentin Heide Wendt dazu. Es sei wichtig, dass auf dem Serenadenkonzert auch die Junioren mitspielen, denn: „Es ist schön, die Anfänge zu sehen, und für die Kleinen ist es natürlich schön, die großen Orchester zu hören – das ist eine Motivation, zu sehen, wo es hingehen kann“, sagt Wendt und fügt noch an: „Natürlich ist es auch besonders, vor diesem riesigen Publikum zu spielen.“
OVH bringt südamerikanisches Temperament nach Burscheid
„Man darf nur nicht ins Publikum gucken, sonst wird man nervös“, verrät die 12-jährige Merle, die im Junior-Orchester ein Solo spielt. Das Publikum ist jedenfalls begeistert vom Nachwuchs: „Die machen das aber echt gut“, wird getuschelt. Auch ihr Programm kündigen die Kinder selbst an: Sie spielen „The Buglers“, drei Solostücke und Easy Pop.
Nach dem Auftakt durch die Junioren folgt das Junge Orchester unter der Leitung von Simon Roloff, der an diesem Abend feiert, dass er seit zehn Jahren Dirigent des Orchesters ist. Das Ensemble hat unter anderem eine Jazz-Oper im Angebot. Und natürlich darf auf dieser Sommerserenade, wie in jedem Jahr, Filmmusik nicht fehlen: Das Junge Orchester präsentiert Auszüge aus Leonard Bernsteins Musical „West Side Story“ – darunter Hits wie „America“ oder „Tonight“.
Bernsteins puertoricanisch-amerikanischer Mix bereitet die Gäste schon mal auf den OVH vor, der mit ihnen eine musikalische Reise durch Spanien, Kuba, Argentinien und Mexiko unternimmt. Temperamentvoll startet das Orchester mit „Cuban Overture“, leitet dann über zu der Tango-Oper „Maria de Buenos Aires“, ehe die Musikerinnen und Musiker dirigiert von Timor Oliver Chadik Ausschnitte aus Bizets Oper „Carmen“ präsentieren.
OVH nahm am WMC teil
Sie zeigen an diesem letzten Sommerabend unterschiedliche Klangfarben und Rhythmen – aber ganz gleich, um welchen Stil es sich handelt, das hohe Niveau des Laienorchesters macht das Konzert in jedem Jahr einzigartig. Immerhin holte der OVH im vergangenen Jahr auf Bundesebene den ersten Preis als bestes sinfonisches Blasorchester; erst vor wenigen Wochen reisten sie zum World Music Contest (WMC) nach Kerkrade. Außerdem wurde ihr Tubist Alexander Wendt in diesem Jahr beim Bundeswettbewerb von „Jugend musiziert“ mit dem ersten Preis geehrt. Er holte 25 von 25 Punkten und gehört somit zu den besten Nachwuchsmusikern bundesweit.
Dass das Orchester allerdings nicht nur mit technischer Präzision, sondern auch mit seiner Spielfreude überzeugen kann, stellten die Musikerinnen und Musiker mit „La Boda de Luis Alonso“ unter Beweis. Schließlich beenden sie ihre musikalische Reise in Mexiko mit „Danzón No. 2.“ – das Publikum kann es kaum erwarten, seiner Begeisterung mit Standing Ovations Ausdruck zu verleihen. Treue Fans wissen aber auch: Es folgt noch eine Zugabe: Mit dem Bergischen Heimatlied holt der OVH sein Publikum dann wieder zurück in die Burscheider Kirchenkurve.