Das Programm von Uwe Graetke steht auf der Kippe: Die Reserven sind aufgebraucht.
VeranstaltungenBurscheid Live greift Stadt und Politik an

Beim Festival „Internationales Burscheid“ zeigten Tanz- und Musikgruppen aus unterschiedlichen Kulturen ihre Talente auf der Bühne am Burscheider Marktplatz.
Copyright: Semih Kaya
Es ist nicht das erste Mal, dass sich Uwe Graetke lautstark zu Wort meldet. Der Verein Burscheid Live, dessen Vorsitzender er ist, hat zuletzt die Veranstaltung „6. Internationales Burscheid“ hinter sich gebracht. Und nach eigenen Angaben erfolgreich. Ein Kulturfest, an dem unter anderem auch das Integrationszentrum des Kreises, der albanische Verein Abetare und die Burscheider Ditib-Gemeinde teilgenommen haben, und das sich laut Graetke über „einen Rekordbesuch“ freuen konnte.
Dennoch ist Freude wohl nicht das Gefühl, das bei Graetke derzeit vorherrscht, wenn er an seinen Verein denkt. Denn der steht vor immensen Herausforderungen. Oder drastischer: Es geht um seine Existenz. Nachdem man beim Burscheider Altstadtfest schon Minus gemacht habe, reiße auch das „6. Internationale Burscheid“ ein Loch in die Kasse. Die Kosten steigen, Einnahmen sinken. Graetke formuliert: „Die Gelder auf dem Vereinskonto sind durch diese Entwicklung so gut wie aufgebraucht, sodass die Events im nächsten Jahr stark gefährdet sind.“
Es muss mehr Unterstützung her
Uwe Graetke fordert mehr Unterstützung. Einmal von der Politik, die häufig darüber entscheidet, ob und in welchem Umfang Veranstaltungen durch die Kommune gefördert werden. Aber auch von der Verwaltung und von Bürgermeister Dirk Runge. Vier Veranstaltungen im Jahr organisiere man und leiste damit einen erheblichen Teil für das Stadtmarketing. Die Wichtigkeit der Feste von Burscheid Live habe auch das Büro ASS herausgestellt, das für die Planung zum Innenstadtausbau zuständig ist, sagt Graetke. Aber für den „Oster-Familienspaß“, eine Burscheid-Live-Veranstaltung, lege die Verwaltung dem Verein Steine in den Weg, formuliert der Vorsitzende scharf.

Uwe Graetke beklagt mangelnde Unterstützung.
Copyright: Ralf Krieger
Was er meint: Vor zwei Monaten habe Burscheid Live ohne Vorgespräch mitgeteilt bekommen, dass man für das Fest am Osterwochenende erst am Samstagmorgen aufbauen könne, damit der Marktplatz am Karfreitag frei sei für die Besucherinnen und Besucher des evangelischen Gottesdienstes. Das könnte der Schaustellerbetrieb, der zwei Fahrgeschäfte und zwei Buden aufbauen müsse, aber nicht leisten. Er brauche den Gründonnerstag – wie bisher auch.
Seit Wochen keine Antwort
Der Vorschlag von Burscheid Live: Die Verwaltung könne Schilder aufstellen, sodass die Gottesdienstbesucher neben den Parkplätzen an der Hauptstraße auch die Abstellflächen an der Mittelstraße nutzen können. Acht Wochen sei es her, dass man der Stadt diese Anregung unterbreitet habe. Seitdem: keine Antwort. Alles sei in der Schwebe, das gelte auch für den Schausteller, der nicht planen könne.
Der Verein hat jetzt einen Antrag beim Bürgermeister eingereicht, dafür hatte Graetke rund 1800 Unterschriften gesammelt. Der Titel: „Antrag zum Erhalt unserer Veranstaltungen im früheren Stadtkern von Burscheid“. Denn der sei stark gefährdet, finanziell und personell. „Wenn wir nicht seitens der Stadt in beiden Punkten mehr Unterstützung erhalten, müssen nach der Wirtschafts- und Werbegemeinschaft ‚Wir für Burscheid‘ auch wir unsere Feste und Märkte einstellen.“
Man sei dankbar dafür, dass Runge dem Verein mehr entgegenkomme als sein Vorgänger. Zum Beispiel dafür, dass der Baubetriebshof die Absicherungsmaßnahmen für die Feste vornehme. Das reiche allerdings nicht, „da sich die Situation in den letzten Jahren für ehrenamtlich ausgerichtete Veranstaltungen kontinuierlich verschlechtert hat“, so Graetke.
Anderswo gibt es Zuschüsse
In Leichlingen übernehme inzwischen ein kommerzieller Veranstalter die meisten Feste, fürs Erntedankfest in Witzhelden gebe es einen 5000-Euro-Zuschuss von der Stadt. Auch in Wermelskirchen helfe die Kommune finanziell. „Das ist in Burscheid leider anders“, heißt es vom Verein. Der Politik macht Graetke den konkreten Vorwurf, einen Antrag auf Förderung für das „6. Internationale Burscheid“ aus der Integrationspauschale abgelehnt zu haben. Der Grund für die Ablehnung sei gewesen, dass das Fest nicht den Förderrichtlinien entspreche: „völliger Unsinn“ laut Burscheid Live. Nach einem zweiten Antrag gab es dann eine Förderung, allerdings eine geringere. Die Kasse sei derzeit so leer, dass es gerade noch reiche, die restlichen Veranstaltungen 2026 zu organisieren. Den Martinsmarkt zum Beispiel.
Der Verein fordert von der Stadt eine jährliche Zuwendung, um weiterarbeiten zu können. Das Minus beim Altstadtfest lag laut Graetke bei etwa 5000 Euro. Zudem soll die Stadt Mitveranstalter bei allen Innenstadtveranstaltungen sein. Denn Standfüße. Schranke, Schilder könne der Verein inzwischen nicht mehr selbst abholen, auf-, abbauen und zurückbringen. Auch aus Altersgründen.