Die Landestochter NRW Urban kann nach Vorgaben aus dem Rathaus bauen. Zum Beispiel in der Pastor-Löh-Straße.
Wie das Land Burscheid helfen kann, sich zu entwickeln

Im Burscheider Rathaus will man sich künftig von NRW Urban helfen lassen.
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Mit 1000 Euro kann sich die Stadt ungeahnte Perspektiven erschließen. So viel kostet nämlich ein Anteil bei einer Tochterfirma des Landesunternehmens NRW Urban, die kommunale Entwicklung betreibt. Diesen Eindruck vermittelt am Donnerstagabend der Besucher aus Düsseldorf. Ludger Kloidt ist einer von zwei NRW-Urban-Geschäftsführern. Das öffentliche Unternehmen hieß früher auch mal Landesentwicklungsgesellschaft, macht seit drei Jahrzehnten einen ganz bestimmten Job, der im vom Strukturwandel geprägten Nordrhein-Westfalen sehr wichtig ist: Sie übernimmt Land, das anders genutzt werden soll. Zum Beispiel Industriebrachen. In Leverkusen ist das frühere Manforter Stahlwerk Wuppermann ein Beispiel, aus dem NRW Urban langsam, aber sicher den „Innovationspark Leverkusen“ macht.
In Burscheid wird man ein paar Nummern kleiner anfangen. Aber die neuen Möglichkeiten sollen genutzt werden, da gibt es im Stadtentwicklungsausschuss keinen Zweifel. Das frühere Stadtwerke-Grundstück in der Pastor-Löh-Straße erfüllt nämlich die Kriterien, die bei NRW Urban für Stadtentwicklung aufgestellt wurden: Es liegt zentral, es ist recht gut ans Busnetz angeschlossen, es taugt auch, aber nicht nur, für Wohnungsbau.
Kloidt skizziert im Rathaus, wie Stadtentwicklung im Tandem mit den Städten abläuft. Ganz wichtig: „Alle Entscheidungen bleiben bei der Kommune. Wir haben keine Eigeninteressen.“ Allerdings das Ziel, eine Projektentwicklung mit einem Plus zu bilanzieren. Wobei auch das nur zum Wohl der Kommune sei. „Der Gewinn wird abgeführt“, unterstreicht der Geschäftsführer von NRW Urban.
Allerdings sei Gewinnmaximierung auch nicht heilig: NRW Urban baut auch Schulen oder Kindergärten, was naturgemäß kein Plus abwirft. Das kann in finanziell schwierigen Zeiten auch einen Reiz haben: Projekte, die in der Obhut von NRW Urban laufen, tauchen nicht zwangsläufig im Haushaltsplan auf. Möglich werde das, weil seine Gesellschaft derzeit mit einer Landesbürgschaft von 200 Millionen Euro arbeiten kann, berichtet Kloidt. Und gerade werde diskutiert, das Volumen noch zu vergrößern. Und den Hebel damit zu verlängern.
In den Rathäusern fehlen die Stadtplaner
Dass es die helfende Hand bei der Stadtentwicklung überhaupt gibt, erklärt Kloidt mit dem Personalabbau in den Bauämtern der Kommunen. Inzwischen macht sich dort auch ein eklatanter Mangel an Fachkräften bemerkbar. Beides führe dazu, „dass Bauland-Entwicklung von vielen Städten nicht mehr geleistet werden kann“, ist Kloidts Befund. Es sei aber keine Lösung, dieses Feld komplett privaten Entwicklern zu überlassen. Da nickt am Donnerstag Ute Hentschel heftig. Aus Sicht der Grünen sind in Burscheid die Erfahrungen mit Projektentwicklern längst nicht immer gut.
Deshalb soll nun eine andere Methode angewandt werden. So denkt es sich auch Diana Papierz, Stadtentwicklerin im Rathaus. Das Grundstück der Stadtwerke wird seit deren Übergang in den Kölner Rhein-Energie-Konzern nur noch zum Teil genutzt. Ein Teil der Fläche an der Pastor-Löh-Straße ist vermietet, in einem weiteren Teil sind derzeit Geflüchtete untergebracht „oder sind aktuell ungenutzt“ schreibt Papierz.
Das soll nicht so bleiben. Auf dem gut gelegenen Gelände könnte „nicht störendes Gewerbe“ mit Wohnungen kombiniert werden. Unter der Ägide von NRW Urban müssten 30 Prozent der Wohnfläche öffentlich gefördert sein, unterstreicht Ludger Kloidt. Wenn es gut läuft, könnte das Entwicklungsgebiet sogar noch größer werden. „Erste Gespräche mit den Eigentümern benachbarter Flächen wurden geführt“, heißt es aus dem Rathaus. Da eröffnen sich ganz neue Perspektiven. Die sehen auch die Mitglieder des Stadtentwicklungsausschusses.
