Photovoltaik und Landwirtschaft müssen sich nicht ausschließen. Unter dieser Bedingung sind alle Politiker für den Bau in Dohm.
EnergiewendeWo Burscheids erstes Feld mit Sonnenkollektoren entstehen soll

Auf diesen drei Flächen soll eine Agri-Photovoltaikanlage entstehen. MIt dem blauen Bereich haben allerdings alle Fraktionen Probleme.
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Entweder Ackerbau oder Strom erzeugen. Inzwischen geht auch beides. Und das ist ein Segen. Seit 2022 hat die Kölner Rhein-Energie nach Flächen gesucht, auf denen Sonnenkollektoren montiert werden könnten. So richtig lohnt sich das erst ab zehn Hektar, und das habe die Suche nicht gerade erleichtert, sagt er am Donnerstagabend Marc Baack, der zweite Mann im Burscheider Rathaus. Es seien viele Leute angeschrieben worden, ein Echo war kaum zu hören. Letztlich sei ein Landwirt auf den Versorger und die Stadtverwaltung zugekommen.
Er bewirtschaftet größere Flächen in der Ortschaft Dohm, nicht alle seien in seinem Eigentum, berichtete Baack dem Stadtentwicklungsausschuss. Die Kombination aus landwirtschaftlicher Nutzung und Stromerzeugung werde möglich, indem die Kollektoren größere Abstände voneinander haben. „Ob dann auch noch ein Traktor da durch passt, muss man sehen“, so der Beigeordnete. Das sei Sache der Feinplanung, und die gibt es noch nicht.
Grünland muss Grünland bleiben
In den Fraktionen kommt das Projekt im Prinzip gut an. Für CDU-Sprecher Falk Wollschlaeger hat es die wichtigsten Vorgaben erfüllt, die seine Fraktion vor einiger Zeit im Umweltausschuss formuliert hatte: Die Photovoltaik-Anlage bringt keinen Verlust landwirtschaftlicher Flächen mit sich. Aus Sicht der Christdemokraten gilt: „Grünland muss Grünland bleiben und Ackerland muss Ackerland bleiben.“ Vor allem dürften keine besonders ertragreichen landwirtschaftlichen Flächen geopfert und kein Vollerwerbslandwirt wird in seiner Existenz bedroht werden. Schließlich dürfe auch „das Landschaftsbild nicht zerstört werden“.
Letzteres Kriterium, das zeigt auch die Übersichtskarte, wird nicht ganz erfüllt: Eine Fläche nordwestlich von Dohm sieht aber nicht nur die CDU als problematisch an. Würde man dort Kollektoren hinstellen, wirke sich das „extrem negativ auf die wundervolle Sicht von Paffenlöh in die Rheinebene auswirken“, so Wollschlaeger: Dieser Bereich nördlich der Straße „liegt wie ein blaues Auge da“. Deshalb beschloss der Stadtentwicklungsausschuss einstimmig, diesen Bereich aus der Planung heraus zu nehmen.
Die Stadt Burscheid soll auch finanziell profitieren
Auch Ulrike Hanke vom Bündnis für Burscheid sieht diesen Bereich kritisch. Sie wünscht sich zudem eine Ortsbegehung durch den Stadtentwicklungsausschuss. Dass man auch die Bürger vor dem Bau der mutmaßlich einzigen großen Photovoltaikanlage Burscheid auf freiem Feld bestmöglich informieren muss, war in der Sitzung unbestritten.
Ebenso, dass die Stadt auch finanziell bestmöglich von der Anlage profitieren muss. Die genutzte Fläche wird an die Rhein-Energie verpachtet – und das sollte zum höchstmöglichen Betrag geschehen, so Hanke. „Der Kämmerer wird da kaum widersprechen“, sagte Marc Baack im Sitzungssaal des Rathauses und lächelte: Diese Funktion füllt er ebenfalls aus.
Baack antwortete damit auch auf eine Frage von Markus Petzold (AfD). Er wollte wissen, „wie denn die Anwohner und die Stadt profitieren?“ Vom Feld direkt ins Netz werde der Strom nicht gehen, stellte der Beigeordnete klar. Aber neben der Pacht gibt es ja auch Steuereinnahmen. Außerdem steige ein Acker, auf dem Sonnenkollektoren verteilt sind, im Wert.
Das Stromnetz ist bereit
Die Einbindung ins Stromnetz, nach der Joachim Wirths (FDP) fragte, sei gegeben, wusste der Ausschussvorsitzende Peter Röttger. Das Mittelspannungsnetz sei zwischen Dohm und Unterwietsche ausreichend ausgebaut. Außerdem soll auf dem Feld ein Batteriespeicher aufgestellt werden.
Unter diesen Voraussetzungen erhob sich am Donnerstagabend keinerlei Widerspruch. Von der Rhein-Energie heißt es, die Agri-Photovoltaikanlage gewährleiste „die landwirtschaftliche Nutzung der Flächen weiterhin als Primärnutzung“, die Fläche werde also sparsam genutzt. Die Kollektoren könnten sogar „positive Auswirkungen auf landwirtschaftliche Kulturen haben“: als Schattenspender in den immer heißer werdenden Sommermonaten mit wenig Niederschlag.
