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ErfahrungsberichtMit dem Knotenpunktsystem durch den Rheinisch-Bergischen Kreis

4 min

Die Radkarte verzeichnet die Knotenpunkte. Zudem sind Thementouren und Sehenswürdigkeiten verzeichnet.

  1. Eine neue Radkarte soll die Orientierung auf langen unbekannten Strecken vereinfachen.
  2. Wir haben das Knotenpunktsystem im Rheinisch-Bergischen Kreis getestet.

Rhein-Berg – Wer unbekannte Strecken radeln möchte, kennt das Problem: An jeder Ecke muss man anhalten, die Karte aus der Tasche nesteln, den Standort lokalisieren und im Gelände irgendwie wiederfinden. Auch GPS-Tracks bescheren kein unbeschwertes Tourenvergnügen, weil man immer das oft ziemlich kleine Display im Auge behalten muss.

Glücklich, wer in Holland oder Belgien radelt, denn der hat längst Bekanntschaft mit dem genialen „Knoopunt“-System gemacht. Auf einer Radkarte sind Kreuzungen notiert, die Nummern tragen. Vor Ort finden sich Schilder, die zum nächsten nummerierten Knotenpunkt weisen, Richtung und Kilometerangabe inklusive.

Nach dem Weg fragen wir mehrfach. Rennradfahrer Armin Knauer hilft weiter und interessiert sich für die Karte.

Jetzt ist das System auch im Rheinland angekommen. Der Rheinisch-Bergische Kreis, der Verein Rad-Region Rheinland und der Tourismusverband Das Bergische haben die entsprechende Radkarte herausgebracht. Deutlich sichtbar sprießen immer mehr knallrote Knotenpunkte aus dem Boden und bieten „Anschluss unter dieser Nummer“. Oder auch nicht. Wir haben es ausprobiert und sind ein paar Punkte rund um Bergisch Gladbach abgefahren.

Leider kein Einstieg

Unser Startpunkt soll der Knoten 64 in Katterbach sein, von wo aus wir über Voiswinkel nach Herrenstrunden fahren möchten. Wir kennen die Gegend – das wird uns noch mehr als einmal zugute kommen. Denn es fängt bereits damit an, dass wir an der Paffrather Straße zwar ein Radwegschild finden, das auf die Nummer verweist, aber leider keinen Einstieg. Nicht weit ist die Altenberger-Dom-Straße, doch auch an der großen Kreuzung: Fehlanzeige. Links geht es nach Leverkusen, rechts Richtung Odenthal. Mein ortskundiger Begleiter ist sicher, dass wir in die Voiswinkeler Straße rechts einbiegen müssen, um auf die Piste zu kommen, obwohl dort kein Hinweis steht. Wir riskieren es, und tatsächlich stoßen wir bald auf ein Fahrradschild mit Pfeil. Immerhin befinden wir uns auf einem offiziellen Radweg.

Durch den Wald geht es bergauf Richtung Voiswinkel, vorbei an der Kirche St. Engelbert bis zur Odenthaler Straße, die wir laut Knotenpunktkarte kreuzen müssen. Gegenüber ein offensichtlich altes, stark verschmutztes Radwegeschild, das links nach Odenthal weist, rechts nach Bergisch Gladbach (richtig). Halb links oben soll es nach Kürten und Herrenstrunden gehen, doch die kleine Straße erweist sich als Sackgasse. „Nein, hier geht kein Radweg“, erklärt die freundliche Anwohnerin und weist auf einen holprigen Waldpfad. Zurück auf der Odenthaler Straße kann nur noch die Oberborsbacher Straße in Frage kommen, die liegt aber rechter Hand. Pech für Radler, die das nicht wissen. Wir kennen uns glücklicherweise aus und befinden uns schon bald auf der schönen Höhenstraße, auf der uns Armin Knauer auf seinem Rennrad entgegenkommt. „Ich kenne die Gegend im Schlaf“, sagt der Sportler aus Köln-Mülheim. „Ich brauche keine Hinweisschilder.“

Aus Holland und Belgien bekannt

Knotenpunkte sind ihm nicht aufgefallen. „Aber ich kenne das System aus Holland und Belgien und finde es toll“, sagt er und beugt sich interessiert über unsere Karte. „Schön, dass das jetzt auch bei uns eingerichtet wird.“ Nach einer Abfahrt erreichen wir tatsächlich, oh Wunder, am Abzweig „Strassen“ einen (fast) perfekten Radknotenpunkt. Mit einer roten „68“, Übersichtskarte, Orts- und Kilometerangaben. Nur: Wo fahren wir lang, wenn wir von hier aus die Punkte 67 (Scheuren), 60 (Bechen) oder 70/71 (Herrenstrunden) anpeilen wollen? Laut Karte müssten wir zur Nummer 71 eigentlich geradeaus weiter, doch kein Schild in Sicht. Aus der Straße Combüchen kommt glücklicherweise Alexander Paul angeradelt. „Ja, da unten geht es nach Herrenstrunden“, versichert der 19-Jährige. „Ich fahre die Strecke jeden Tag zur Arbeit.“ Trotzdem: Den Knotenpunkt direkt vor seiner Nase hat er noch nie gesehen. „Na ja, wenn man hier wohnt“, sagt er lachend.

Wir fahren weiter bis zu einer kleinen Kreuzung mit rotem Pfeil. Zeigt der jetzt geradeaus oder nach links? Eine Autofahrerin gibt Auskunft. „Ich wohne hier oben“, sagt sie. „Sie glauben gar nicht, wie oft ich von ratlosen Radlern nach dem Weg gefragt werde.“

In Herrenstrunden empfängt uns der perfekte Knotenpunkt. Wir sind begeistert. Es ist sogar eine Art Doppelknotenpunkt, denn wenige Meter nach 71 stoßen wir auf 70 und werden entspannt auf den Weg durchs Asselborner Tal geführt. Unser Ziel ist Herkenrath, Knotenpunkt 72, alles ist gut. Es läuft. Bis wir Immekeppel erreichen. Dort soll unsere Route über Untereschbach nach Bensberg führen. Auf der gegenüberliegenden Seite, knapp vor der Fußgängerbrücke, weist uns das Schild „Overath/Untereschbach“ direkt in die Sülz. Vielleicht über den nahen Wanderparkplatz? Oder rechts den Großhurdener Berg hoch? Ein Insidertipp, eigentlich unwahrscheinlich. Also rechts die viel befahrene Bahnhofstraße, unter der Autobahn her, ja, Punkt 79, abgehakt.

Wir sind Hobbyradfahrer in einem gewissen Trainingszustand. Mit unseren 22-Gang-Schaltungen sind wir theoretisch imstande, die folgende Herausforderung zu meistern. Denn nach der Kreuzung in Untereschbach weisen uns die Touristiker rechts hoch, die steile, lange Brüderstraße mit ihrer durchschnittlichen Steigung von mehr als zehn Prozent, die überdies nach einer Schranke in einen äußerst rustikalen Waldweg übergeht. Dazu haben wir jetzt keine Lust mehr. Ende der Etappe.