Sabine Werz hat viele Namen: Unter dem Pseudonym Hannes Wertheim ist die Autorin mit historischen Romanen erfolgreich. Als Leonie Bach schreibt sie Liebeskomödien, als Nina Gold Jugendliteratur. Als Ellen Jacobi hat sie das Bergische neu entdeckt: als liebenswerte Region charakterstarker Menschen und packende Kulisse für Verbrechen, die etwas andere Ermittler auf den Plan ruft. „Mordsjubiläum“ heißt ihr erster Krimi aus dem Bergischen Land, der gerade erschienen ist. Guido Wagner sprach mit ihr über das Buch, das „Mord mit Aussicht auf die Dhünntalsperre“ verspricht.
Es geht um Mord und Verbrechen – spreche ich jetzt am besten mit Sabine Werz oder Ellen Jacobi?
Das können Sie sich aussuchen (schmunzelt).
Dann zuerst eine Frage an Frau Werz: Warum haben Sie so viele Namen?
Als ich 1994 angefangen habe, Bücher zu schreiben, war es in der Verlagswelt üblich, verschiedene Genres auch unter unterschiedlichen Namen zu bedienen. Jeder Mensch hat aber ja auch unterschiedliche Persönlichkeiten in sich, und es ist witzig, damit zu spielen. Da geht’s mir vielleicht wie einem Schauspieler: Es ist total spannend, in verschiedene Rollen hineinzuschlüpfen.
Auch am Schreibtisch?
Ja, ich fühle mich beim Schreiben sehr in meine Charaktere hinein und finde es spannend, damit zu experimentieren. Unter meinem Klarnamen Sabine Werz habe ich vor allem Sachbücher veröffentlicht zuletzt ein populärwissenschaftliches: „Sex and Crime auf Königsthronen“. Eine Nachlese zu meinen historischen Romanen: Es gibt so viele spannende Geschichten und Anekdoten aus den europäischen Königshäusern, die verdienen es, einfach mal amüsant aufgeschrieben zu werden.
Ellen Jacobi: Mordsjubiläum – ein Krimi aus dem Bergischen Land, Taschenbuch, 399 Seiten, ISBN 978-3-404-17205-4, Bastei Lübbe Verlag, 8,99 Euro.
Mit Buch und Band ist Sabine Werz alias Ellen Jacobi am Freitag, 11. September, auf Einladung der Buchhandlung van Wahden zu Gast im „Markt 57“, Altenbergerstraße 57, in 42929 Wermelskirchen-Dabringhausen. Um 19.30 Uhr beginnt die Lesung mit Musik der Band „Heartland Travellers“. Die Gaststätte „Markt 57“ hat eine „bergische Speisekarte“ zum Buch zusammengestellt.
Eintrittskarten sind zum Preis von sieben Euro in der Buchhandlung (Markt 8, 42929 Wermelskirchen) erhältlich. Anmeldung erbeten unter (0 21 96) 8 86 79 46 oder per E-Mail. (wg)
Sabine Werz wurde 1960 in Neuss geboren. Als Tochter einer Bibliothekarin und Märchenbuchsammlerin entdeckte sie früh ihre Liebe zu Büchern und zum Geschichtenerzählen. In Düsseldorf studierte sie Anglistik, Germanistik und Philosophie, arbeitete als Reiseleiterin und Lehrerin in England. Sie war Dramaturgin am Kölner Schauspielhaus, Redakteurin beim Kölner Express, Dozentin für Frauengeschichte, Drehbuchautorin – und Kioskverkäuferin.
1994 schrieb sie ihr erstes Buch „Reiche Männer küssen besser“ – unter dem Pseudonym Leonie Bach. Seitdem kamen mehr als 30 Bücher hinzu, vom historischen Roman bis zum Sachbuch. Heute arbeitet Sabine Werz als freie Journalistin und Buchautorin und lebt mit ihrer Tochter in Köln. Seit sieben Jahren singt sie in der Band „Heartland Travellers“, die in Wermelskirchen probt. (wg)
Wie ist Ellen Jacobi entstanden?
Das erste Ellen-Jacobi-Buch war 2012 „Frau Schick räumt auf“, das spielte auf dem Jakobsweg, den ich zuvor mehrfach streckenweise gegangen war. Da erlebt man auch sehr anrührende Sachen. So ist Ellen Jacobi entstanden, sie greift sehr schwierige Lebensgeschichten auf, aber in einem humorvoll-versöhnlichen Ton.
Schreiben Sie unter einem männlichen Pseudonym wie Hannes Wertheim anders?
Ja, ich finde schon: getragener, auch wuchtiger. Das erste Buch unter dem Namen Hannes Wertheim spielte zur Zeit des Bauernkriegs und war relativ blutrünstig. Da wurde viel gekämpft, und ich habe gedacht: Och, ist doch auch mal ganz nett, als Mann zu schreiben, vielleicht krieg ich dann die Schlachtenszenen besser hin.
Wie Sabine Werz zum Krimischreiben kam, und was das mit dem Bergischen zu tun hat, lesen Sie im nächsten Abschnitt
Wie kamen Sie zum Krimischreiben?
Der Verlag hat mich gefragt: Wie wär’s denn mal mit einem Krimi? Da hab ich zuerst gesagt: Oh, nee – das wollte ich eigentlich nie machen.
Zu banal?
Nein, ich selbst bin ein großer Krimi-Fan. Vor allem die englischen Krimis mag ich sehr, diese typischen Leiche-vorm-Kamin-Geschichten à la Agatha Christie …
Ein bisschen „miss-marpelt“ es ja auch in Ihrem Krimi aus dem Bergischen Land …
Ja, da „marpelt“ es sehr (lächelt). Ich habe nur immer gedacht, der Markt ist so gut gefüllt mit Krimi-Autoren, da möchte ich mich nicht auch noch reindrängen. Aber als der Verlag mir dann sagte: Du hast freie Hand, auch vom Setting her, da hab ich gedacht, jetzt versuche ich’s auch mal mit einem richtig gemütlichen Dorfkrimi.
Wie sind Sie aufs Bergische Land gekommen?
Wir haben uns in der Mitte getroffen. Der Verlag wollte die Eifel, die liegt mir aber nicht so, ich komme vom Niederrhein und wollte den Krimi dort spielen lassen, das aber wollte der Verlag nicht. Ja, und dann sind wir im Bergischen Land gelandet.
Wie haben Sie sich das Bergische erobert?
Eigentlich kannte ich es auch schon ganz gut. Seit acht Jahren bin ich Mitglied einer Band, die im Bergischen probt, in Emminghausen bei Wermelskirchen. Dadurch ist mir die Region schon sehr vertraut. Ich mag die Menschen dort sehr. Nicht zuletzt kommt meine Großmutter aus dem Bergischen, ich habe mich also auf meine eigenen bergischen Wurzeln besonnen und auf einmal gemerkt: Das Bergische Land stimmt. Stimmt für mich und passt zu meinem Krimi.
Was macht es aus?
Das Bergische hat dank seiner Wetterlage auch einen melancholischen Einschlag, aber es bringt wie viele Provinzen einen ganz besonderen Menschenschlag hervor. Sicher mit einer gewissen Sturköpfigkeit, aber ich habe auch unheimlich viele spannende Menschen kennengelernt, bunte Köpfe, Kleinkünstler. Was mir vor allem gefallen hat, ist, dass in der sogenannten Provinz unheimlich viel los ist, auch kulturell. Und das wird auch wahrgenommen. Hier in Köln haben wir ein Überangebot, da zählen manchmal nur noch die großen Namen. Im Bergischen aber habe ich viele Künstler mit einem wirklich hohen Niveau kennengelernt – ich finde, da ist wirklich viel los.
Wie Sabine Werz auf den Kriminalfall für „Mordsjubiläum“ kam, lesen Sie im nächsten Abschnitt
Ein seltenes Lob, das man von Kölnern nicht so häufig hört …
Ich komme ja auch aus der Provinz, vom Niederrhein, aber ich habe Köln jetzt auch lang genug gehabt. Und: Als Mutter sieht man eine Stadt noch mal mit ganz anderen Augen. Nein, ich mag das Bergische und habe da auch viel Integration erlebt: etwa von einem Algerier, der ein altes bergisches Gasthaus übernommen hat und heute voll integriert ist. Und natürlich weiß ich, dass gerade im Raum Bergisch Gladbach sehr viele reiche Menschen wohnen. Das eröffnet natürlich große Möglichkeiten für einen Krimi – von Erpressung bis zu Entführung
Wie sind Sie auf den Kriminalfall für „Mordsjubiläum“ gekommen?
Der war inspiriert durch einen Fall, der mich sehr erschüttert hat. Eine immer noch nicht aufgeklärte Brandstiftung an einer Autobahnbrücke, bei der auf ganz grauenhafte Weise in einem Auto eine junge schwangere Frau verbrannt ist. Das war für mich so entsetzlich, das hat in mir gearbeitet, so dass ich gesagt habe: Das ist ein Ausgangspunkt.
Wie es verarbeitet wird, wollen wir noch nicht verraten. Nur so viel: Ihr Buch beginnt ja gleich mit zwei Zeitungsberichten über einen Brand und einen mysteriösen Todesfall in einer Güllegrube. Spielt Ihr früherer Beruf als Journalistin beim Schreiben mit in die Handlung rein?
Bestimmt. Ich war auch immer sehr gern Journalistin, weil man da an Geschehnissen entlangerzählt, die man nur packend und gut schildern muss. Reportage hat mir immer sehr gelegen.
Was bietet der Provinz-Krimi, was Romane nicht haben?
Zunächst mal fängt das Bergische Land vor meiner Haustür an. Ich bin also meinem Schauplatz ganz nahe, erlebe jeden Tag etwas, was zu meinem Kriminalroman passen würde. Und ich lerne meine Heimat auf eine ganz neue Art kennen.
„Mordsjubiläum“ lebt auch von sehr dichten Beschreibungen. Manchmal meint man ja sogar, diesen oder jenen Ort, etwa an der Großen Dhünn-Talsperre, wiederzuerkennen …
Das freut mich.
Waren Sie viel dort draußen unterwegs, bevor Sie das Buch geschrieben haben?
Ja, unbedingt. Ich fahre ja oft zu unseren Bandproben ins Bergische und bin auch vorher schon viel zu Fuß dort unterwegs gewesen. Meine Romane entstehen zu Fuß. Wenn ich nur mit dem Auto durch eine Region fahre, erlebe ich das nicht. Ich wandere gerne und liebe Altenberg, den Altenberger Dom, das ist ein ganz großer Ort, der macht viel mit einem. Auch die Region um Lindlar herum mag ich sehr. Und vieles muss ich noch entdecken. Bei den Vorbereitungen für den Krimi durfte ich auch mal eine Woche bei einem befreundeten Künstlerpaar bei Dabringhausen leben. Außerdem war ich in Maria in der Aue, das Ausgangspunkt für viele Wanderungen war. Und wenn ich dann mal ganz allein auf Wegen unterwegs bin, die ich noch gar nicht kenne, dann kommen da manchmal sogar richtige Gruselgefühle hoch, mit denen ich natürlich gut arbeiten kann. Da bin ich vielleicht auch noch sehr Reporter: gucke und beobachte.
Den Ort Biblinghausen, in dem Ihr Krimi spielt, wird man aber auf einer Landkarte vergeblich suchen.
Ja, ich habe mir ein Dorf zusammengebastelt, ein ideales bergisches Dorf, noch ziemlich intakt, aber auch modern – mit den verschiedenen Gestalten.
Wie Sabine Werz vorgeht, wenn sie ein neues Buch schreibt, lesen Sie im nächsten Abschnitt
Wie gehen Sie vor, wenn Sie ein neues Buch schreiben? Haben Sie zuerst eine bestimmte Handlung im Kopf oder einzelne Charaktere?
Bei mir sind immer zuerst die Figuren da. Wichtig im aktuellen Buch ist das Paar: der Anwalt aus der Großstadt Hamburg Lothar E. Schuknecht, der den Land-Hasser verkörpert, daneben Veronika Dornbusch-Bommelbeck, die im Ort einen kleinen Kramladen hat – die skurrile, originelle Figur. Die beiden geben einfach ein ganz prima Duo ab, mit all ihren Gegensätzen.
Werden Sie auch schon mal von Ihren eigenen Figuren überrascht?
Ja, als Autor verrennt man sich schon mal, hat einen Szenenplan gemacht, der aber absolut nicht funktioniert. Da wehrt sich dann zum Beispiel einer dagegen, getötet zu werden, andere wollen plötzlich doch nicht der Täter sein. Gott sei Dank gibt es dann auch immer Figuren, die quasi über Nacht mit einer eigenen Lösung aufwarten, wie es weitergehen könnte. Die haben schon ein gesundes Eigenleben …
Im Krimi kommt aber auffällig wenig Polizei vor. Warum?
Kommissare und Ermittler halte ich gerne möglichst raus. Die Beamten sind nicht so meins. Ich finde, es soll so alles aus der Mitte des Dorfes heraus kommen und passieren.
Hat sich Ihre Einstellung zum Krimi schreiben durch „Mordsjubiläum“ geändert?
In jedem Fall, ich habe angefangen, mich dafür zu interessieren. Die Fernseh-Serie „Mord mit Aussicht“ habe ich allerdings erst entdeckt, nachdem mein Krimi fertig war.
Da würde Ihr Krimi doch auch gut reinpassen. „Mordsjubiläum“ ließe sich sicher auch gut verfilmen.
Ja, klar. Vielleicht kommt ja wer drauf. Auch wenn ich erst gedacht habe: Mist, ich hätte meinen Krimi gar nicht schreiben müssen, besser kann man’s doch gar nicht machen. Aber dann habe ich mir gedacht: Das liegt wohl im Moment in der Luft und ist wirklich gute Unterhaltungskultur.
Haben Sie schon ein neues Buch im Kopf?
Ich schreibe schon am zweiten Band der neuen bergischen Krimireihe. Die Figuren stehen, am Verbrechen muss ich allerdings noch etwas arbeiten (grinst).