Bergisch Gladbach – Anfang der 70er Jahre war sein Name in Bergisch Gladbach ein Begriff: Franz Weissenberger, ein Bauunternehmer und Selfmade-Man aus dem Bilderbuch, der vom Balkan kam, um die Stadt an der Strunde umzukrempeln.
Die feuermelder-roten Opel Kadett seiner Mitarbeiter, deren Kennzeichen alle mit „GL-W“ anfingen und die der Chef spendiert hatte, kannte jeder. Die Bauobjekte auch: breitschultrig, klotzig, mit betongesättigter Optik, ganz im Stil der modernisierungswütigen Zeit.
Der heutige Wohnpark Gronau, jahrzehntelang bekannt als „Weissenberger-Häuser“, gehört dazu, den der Bauunternehmer am Standort des ehemaligen Schlachthofes hochzog. Desweiteren zwei Luxushotels, darunter das Weissenberger-Hotel in Bensberg, das – inzwischen ein vor allem vom Sozialamt belegtes Mietshaus – im letzten Jahr von einem Feuer verwüstet wurde. Aber auch das Forum, die Stadtbücherei in Gladbach-Mitte, das bei aller Kantigkeit durchaus keine architektonische Massenware, sondern ein Charaktergebäude darstellt. Und natürlich das Kreishaus am Rübezahlwald in Heidkamp.
Kein Großprojekt war denkbar, ohne dass der zeitweilig mit Zanders um den Titel des größten Arbeitgebers der Kreisstadt ringende Baulöwe die Finger im Spiel hatte – bis die Politik die Reißleine zog: genau genommen einige Politiker, denen das Ganze von Anfang an unheimlich war, während andere Weissenberger wie einen Superstar verehrten. Der Sturz war tief, endete in Konkurs und zweijähriger Untersuchungshaft.
Franz oder, kroatisch, Franjo Weissenberger, 1930 als Sohn donauschwäbischer Eltern im slawonischen Marjanci geboren, Angehöriger der deutschen Minderheit in Jugoslawien, wanderte 1956 nach Westdeutschland aus. Den Wehrdienst hatte der gelernte Maurer noch in Titos Reich absolviert. Sein Deutsch war sein Leben lang vom Kroatischen geprägt – und umgekehrt.
Ende der 60er Jahre trat die schillernde Persönlichkeit, die Charme und Dynamik mit Großmannssucht und einer gewissermaßen baustellentypischen Derbheit verband, mit großen Plänen in Bergisch Gladbach auf. Das erste Großprojekt verpuffte noch: Ein neuer Bergischer Löwe, der als Hochhausriegel den Konrad-Adenauer-Platz nach Süden begrenzt hätte. Das Vorhaben scheiterte letztlich an einem Wegerecht, das der Verleger Franz Heider innehatte und als Hebel benutzte, um das Projekt zu kippen.
Dieser Rückschlag ersparte Bergisch Gladbach eine kolossale Bausünde, aber stoppte den Aufstieg des Franz Weissenberger nur ganz kurzfristig. Dann ging es Schlag auf Schlag, Baustelle jagte Baustelle, meistens im öffentlichen Auftrag. Nebenbei wurde einigen Entscheidungsträgern die Villa zum Sonderpreis in die gepflege Landschaft gestellt. Dass Weissenberger bei allen Ausschreibungen stets der günstigste war, verblüffte nie.
Etwa fünf Jahre dauerte der Spuk: Wie viele Bauimperien vor ihm und nach ihm war Weissenbergers Reich nicht auf Beton, sondern auf Sand gebaut, viel zu schell gewachsen und lebte von immer rasender rotierendem Bankgeld. Das Ende kam, als der öffentliche Auftraggeber nicht mehr mitspielte. Der Bau der Integrierten Gesamtschule Paffrath wurde zum Prellbock, an dem der Weissenberger-Express zerschellte. Er bekam den Großauftrag nicht, trotz massiver Proteste der aufgebrachten Belegschaft und Drohungen gegen handelnde Politiker: Stadtdirektor Otto Fell ging damals nur zu Bett mit einer Pistole in der Nachttischschublade. Weissenberger meldete Konkurs an.
Das Verfahren wegen Konkursbetrugs endete nach Revision mit einer Strafe, die mit der Untersuchungshaft abgegolten war. In den 90er Jahren betätigte er sich im nun unabhängigen Kroatien erneut als Bauunternehmer. Am 31. Januar 2014 ist Franz Weissenberger verstorben.
