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GeburtshilfeZwei Jungs im Minutentakt

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Hebamme Carin Ruh (oben l.) und Ärztin Andrea Sündram mit Valentin und seinen Eltern

Bergisch Gladbach – Alexander und Dirk waren die Ersten. Als vor 50 Jahren, am 7. April 1963, die Entbindungsstation am Evangelischen Krankenhaus Bergisch Gladbach ihre Arbeit aufnahm, kamen zur Eröffnung gleich zwei Jungen zur Welt – im Abstand von einer Minute. Nach Alexander Kever (der Allererste) und Dirk Johann (kam kurz danach) erblickten weitere 31 000 Mädchen und Jungen auf dem Quirlsberg das Licht der Welt.

„Wenn zwei Geburten gleichzeitig stattfinden, tummeln sich ganz schön viele Menschen um einen“, erinnert sich Lydia Kever, die Mutter des Premierenkindes. Obwohl sie katholisch war, ging sie ins EvK, weil der erste Chefarzt der Station, Dr. Albert Kieffer, ihr niedergelassener Gynäkologe gewesen war. „Wenn man ein Baby bekommt, ist es doch egal, wo man landet, man braucht Hilfe.“

Während ihre Geburt „ganz normal“ verlief, hatte es der zweite Sprössling an diesem Sonntag schon eiliger. „Ich war gar nicht im Kreißsaal, der war ja belegt mit Frau Kever, sondern im Flur davor. Ich schrie kurz auf, eine Hebamme eilte herbei und dann war er auch schon da“, schildert Frau Burba ihre Sturzgeburt. Genau diese Sicherheit lernten nach dem Zweiten Weltkrieg immer mehr Frauen zu schätzen. Die Zahl der Hausgeburten sank kontinuierlich zugunsten einer umfassenden medizinischen Apparate-Versorgung – ein Trend, der erst in den letzten zehn Jahren wieder rückläufig ist.

„Die Natürlichkeit der Geburt und die Selbstbestimmung der Frau sind unsere obersten Ziele“, sagt der heutige Chefarzt der Frauenklinik, Dr. Christian Rudlowski. Hier wie an anderen modernen Geburtskliniken, etwa dem Bensberger Vinzenz-Pallotti-Hospital, geht es um die ganze Familie; dass der Ehemann bei der Geburt dabei ist, gilt mittlerweile als selbstverständlich.

Die Atmosphäre ist leger, jede Gebärende kann selbst entscheiden, wie sie ihr Baby bekommt, ob sie Schmerzmittel wünscht. Gleichzeitig finden viel mehr Vorsorgeuntersuchungen statt als früher. „Dadurch konnte die Anzahl der Totgeburten deutlich reduziert werden“, weiß Hebamme Carin Ruh: „Noch in den 1980er Jahren glich der Ultraschall einem „Schneegestöber.“

„Wir kennen viele Frauen bereits von den Geburtsvorbereitungskursen“, berichtet die Hebamme. Auch Dirk Johann und seine Frau sind für die Geburt ihres ersten Kindes nach Gladbach gefahren, obwohl sie in Köln wohnen: „Zum einen aus Familientradition, aber auch, weil es hier familiärer zugeht als in irgendeiner großen Klinik in Köln.“ (eck/rs)