- Die Bürgerliste zeigt in den Räumen der Firma Gschaider historische Fotografien aus Witzhelden.
Leichlingen-Witzhelden – Yvonne Dahm hat in den vergangenen fünf Monaten an viele Türen in Witzhelden geklopft und die Bewohner haben ihr aufgemacht. Was sie alles gefunden, gehört und gesammelt hat, ist am Samstag und Sonntag, 23. und 24. April, in der Ausstellung „Witzheldener Geschichte in Bildern“ der Bürgerliste Witzhelden Leichlingen (BWL) zu sehen. Die BWL zeigt Exponate zum Wandel von Gewerbe und Handel im Höhendorf. An den beiden Tagen ist die Ausstellung jeweils von 10 bis 17 Uhr in den Räumen der Firma Gschaider, Hauptstraße 41, geöffnet. Der Eintritt ist frei.
„Da in Witzhelden die Idee eines Heimatmuseums nicht umsetzbar ist, gibt es diese Ausstellungen“, sagt Dahm, die sich selbst als Witzheldener Ureinwohnerin bezeichnet und die durch die fast 200 Stunden Arbeit an der Ausstellung ihrer Heimat noch ein Stück näher gekommen zu sein scheint.
So entdeckte sie die Schleifer, die in Oberbüscherhof einst ihrem Handwerk nachgegangen sind. Entweder hatten sich die Schleifer im Balker Kotten eingemietet oder zu Hause gearbeitet. „Die Landwirte hatten früher im Winter kein Einkommen. Da mussten sie sich einen Nebenerwerb suchen“, erläutert Dahm.
Körbe auf ihren Köpfen getragen
Die Frauen hätten in Körben auf ihren Köpfen den Männern die Rohware gebracht und das Endprodukt zu den Fabriken, wie der Firma Zwilling in Solingen. Neben der Schleiferei setzten manche Haushalte auf Webstühle. Für die Foto-Sammlung hat Dahm alte Plüsch- und Bandwebstoffe bekommen.
Wenn die Projektleiterin der Ausstellung mal nicht weiterkam, musste sie nur den Mund aufmache: „Es ist ein Dorf. Jeder weiß immer irgendetwas.“ Und so reihte sich eine Entdeckung an die andere. Dahm stieß etwa auf den Beruf des Stellmacher, in Süddeutschland nennt man sie Wagenmacher. „Dann habe ich recherchiert, wo die Nachkommen sind“, erinnert sich die Witzheldenerin. Und wieder wurde sie fündig, so dass in der Ausstellung eine Gesellenstück-Zeichnung zu sehen ist. „Und schon hatte ich wieder ein andere Idee. Denn wo Räder sind, braucht man Eisenbeschläge und dann war ich bei dem Thema Schmiede.“ So ist in der Ausstellung auf einer Schautafel zu sehen, wie aus einem Rohling eine fertige Schere wird. Auch ein altes Onduliermesser, Degen und Rasiermesser hat Dahm bei ihren historischen Recherchen ausgegraben, die neben rund 280 Fotos in der Ausstellung zu sehen sein werden. Um die vielen alten Bilder nicht zu beschädigen, haben die Organisatoren jedes Foto digital reproduziert und aufbereitet.
Spuren vergangener Handwerkskunst ließe sich auch noch an einigen alten Häusern im Höhendorf sehen, so die Witzheldenerin. „Otto Kottenberg ging 1880 auf die Walz und war unter anderem im Freiburger Münster und in der Schweiz“, erzählt sie. Diese Zeit der Wanderung hätte ihn sehr inspiriert und seine nachhaltig Arbeit geprägt. Noch heute seien Verzierungen von dem Handwerker an Fenstern und in Dachstühlen zu sehen. Dahm hofft von den Besuchern Anregungen für eine weitere Ausstellung zu bekommen. Doch da ist sie guter Dinge: „Es gibt hier wirklich eine funktionierende Dorfgemeinschaft. Hier kennt jeder jeden und die Hilfsbereitschaft untereinander ist groß.“