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Hochwasser in LeichlingenSturzflut toppte alle Prognosen

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Hochwasser Leichlingen1

Bereits nach den enormen Regenmengen Anfang Juni standen in Leichlingen Straßenzüge unter Wasser. 

Leichlingen – „Das Starkregenereignis am 10. Juni, oder warum ich in zehn Tagen mehr als 200 Jahre gealtert bin“ – so überschrieb Lars Helmerichs am Donnerstag seinen Vortrag im Ratssaal, als er vor Politikern eine Bilanz der Hochwasserkatastrophe zog. Auch den Leiter des städtischen Abwasserbetriebs, berufsmäßig mit dem nassen Element vertraut, hat die immense Regenflut, die in die Innenstadt und ins Weltersbachtal stürzte, entsetzt.

Denn sie hat alle Krisen-Szenarien übertroffen. Die Wassermassen waren so gewaltig, dass sie statistisch höchstens alle 200 Jahre vorkommen. Die Wirklichkeit hat die Theorie überholt.

Erste Überschwemmungen am 29. Mai

Das konnte Helmerichs mit Messdaten belegen, die er in der Sitzung des Infrastruktur-, Verkehrs- und Betriebsausschusses erstmals vorlegte. Sie stammen von einem „Regenschreiber“, der auf dem Dach des Rathauses installiert ist. Die Reihe von vier starken Regentagen begann am 29. Mai. An dem Nachmittag fielen in einer halben Stunde 26 Liter pro Quadratmeter und sorgten an der Oskar-Erbslöh-Straße und in Balken für erste Überschwemmungen.

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Am 1. Juni prasselten den Tag über 80 Liter vom Himmel, so viel wie sonst in einem ganzen Monat und was statistisch nur alle 100 Jahre vorkommen soll. Nach einem weiteren Guss am 8. Juni ging die Stadt dann am 10. Juni vollends unter: Innerhalb von nur 50 Minuten entluden sich über Leichlingen 62 Liter pro Quadratmeter aus den Gewitterwolken – damit hatten selbst 100-jährige Prognosen nicht gerechnet.

Helmerichs addierte, dass schlagartig 2,4 Millionen Kubikmeter Wasser aufs Stadtgebiet geflossen sind. Zum Vergleich: In einem ganzen Jahr verbrauchen alle Haushalte der Stadt zusammen nicht die Hälfte davon, 1,03 Millionen Kubikmeter, als Trinkwasser.

„Wild abfließendes Wasser“

„Solche Massen passen in keinen Kanal“, beantwortete Helmerichs die Frage, ob als Konsequenz aus den Millionenschäden das Abwassernetz vergrößert werden sollte. Selbst Mammutrohre hätten diese Überschwemmungen nicht verhindert, führte er aus, weil das Wasser über Dachrinnen und Gullis hinweg geschossen und gar nicht erst in den Kanal gelangt sei.

In der Fachsprache handelt es sich um „wild abfließendes Wasser“, das von Feldern und Wiesen ins Tal des Pilgerheims strömte und vom Bechlenberg in den Ortskern.

Gegen die Wupper geschützt

Geschützt ist die Stadt nur gegen Hochwasser der Wupper. Die Ufermauern und Dämme wurden beim Jahrhundertregen aber zur Falle: Hinter der Paul-Klee-Schule zum Beispiel staute der Wupperdeich den Regenstrom zum See, in dem die Schule versank. Eine Lehre aus dem Unwetter könne daher laut Helmerichs nur sein, den Abfluss des Oberflächenwassers zu verbessern.

Verkauf der Stadtplan-Grafik ist ein großer Erfolg

Als vollen Erfolg werten die Beteiligten den Sonderverkauf der Stadtplan-Grafik von Rainer Beils, dessen Erlös für besonders hart Geschädigte des Hochwassers bestimmt ist. Bei den Signierstunden des Leichlinger Grafikers in der Regional-Filiale der Kreissparkasse Köln konnten in vier Stunden 1900 Euro eingenommen werden. Die Kreissparkasse verdoppelte die Spende spontan, so dass der Bürgerstiftung 3800 Euro für das Sonderkonto Fluthilfe übergeben werden konnten.

Exemplare der nummerierten und handsignierten Illustrationen können für 20 Euro noch bis zum 12. Juli im Foyer des Rathauses erworben werden. (hgb)

Etwa durch die Anlage von Speicherbecken, die Schaffung von Überflutungsräumen und die Beseitigung von Hindernissen an Brücken und Durchlässen. Das sind Aufgaben für die nach dem 10. Juni im Rathaus gebildete „AG Starkregen“, in der auch Wupperverband, Landwirte und Feuerwehr mitarbeiten.

Starkregen-Karten und Fließwege-Analysen müssen wohl überarbeitet werden. Die Prognosen der Krisenszenarien, wo im Ernstfall „Land unter“ droht, waren zwar alle richtig, verglich Helmerichs. Am 10. Juni war jedoch alles noch viel schlimmer.