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HubschrauberDas nächtliche Auge der Polizei

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Rhein-Berg – Im ersten Moment waren BLZ-Leserin Heidrun F. (Name geändert) und viele ihrer Nachbarn besorgt, als Mitte vergangener Woche mitten in der Nacht ein Polizeihubschrauber seine Runden über Heidkamp drehte. Geiselnahme? Mord? Umweltkatastrophe? Die Sorge wich dem Ärger. Als auch nach Tagen nichts über den Grund für den nächtlichen Lärm zu erfahren war, schaltete F. die BLZ ein und deren Anfrage bei der Polizei brachte Klarheit: Eine alte Frau, dement, aber gut zu Fuß, war als vermisst gemeldet worden, und angesichts dieser Lage entschied sich die Polizei zu klotzen statt zu kleckern. Die Sache endete glimpflich.

Oft gibt es solche nächtlichen Hubschraubereinsätze nicht, versicherte Polizeisprecher Peter Raubuch der BLZ auf Nachfrage: „Vielleicht einmal im Monat, und dann auf das ganze Kreisgebiet bezogen und nicht allein auf Gladbach.“ Wenn die rheinisch-bergische Polizei Unterstützung aus der Luft benötigt, fordert sie diese bei der in Düsseldorf und Dortmund stationierten Polizeifliegerstaffel NRW an. Diese Staffel hat gegenwärtig sieben Hubschrauber und zwei Flugzeuge der Marke Cessna 182. Während die Hubschrauber, fünf vom Typ BK 117 für den Alltag, zwei vom Typ EC 155 für besondere Lagen, ständig eingesetzt werden, dienen die beiden Flugzeuge vorwiegend der Pilotenausbildung.

Die Hubschrauber der NRW-Polizei sind mit modernster Technik ausgerüstet, wie sie der Laie allenfalls aus amerikanischen TV-Serien kennt. Dazu zählen Wärmebild- und TV-Kameras, Nachtsichtbrillen und Peilanlagen, aber natürlich auch Scheinwerfer. „Der Vorteil des Hubschraubers ist, dass wir größere und unwegsame Gebiete in relativ kurzer Zeit nach Personen oder auch Gegenständen absuchen können. Dank der Wärmebildkamera ist dies auch zur Nachtzeit möglich, wenn die Kollegen am Boden an ihre Grenzen stoßen“, schilderte im vergangenen Jahr ein Beamter der Fliegerstaffel in einem Interview, das Polizeisprecher Raubauch für die interne Behördenzeitung „PIN“ mit ihm führte, die Vorteile der Lufteinsätze. Der Flugexperte: „Es gibt eigentlich keinen Einsatz, für den der Hubschrauber nicht schon eingesetzt wurde.“

Im nächtlichen Einsatz sind die Hubschrauberbesatzungen zu zweit unterwegs: Der Pilot, ausgerüstet mit einer Nachtsichtbrille, um Hindernisse rechtzeitig zu entdecken, fliegt und hält den Funkkontakt mit der Flugsicherung und den Kollegen am Boden. Sein Begleiter, der „Operator“, bedient die Wärmebildkamera. Der Polizeiflieger: „Ohne Wärmebild wäre unser Einsatzwert zur Nachtzeit nur sehr eingeschränkt, weil wir uns von de Lage kein ausreichendes Bild machen könnten.“

Nächtliche Verfolgung über 50 Kilometer

Pro Jahr hat die NRW-Fliegerstaffel fast 3000 Einsätze. Häufigster Anlass ist mit 750 bis 850 Fällen die Suche nach Vermissten oder Selbstmordkandidaten. Oft werden auch Ordnungshüter am Boden bei Fahndungen unterstützt, seltener bei Unfällen.

Fast gar nicht mehr gefragt ist die „Verkehrsaufklärung“. Von 1962 bis 2000 war das die Hauptaufgabe der Polizeihubschrauber, heute übernehmen das technische Anlagen an den Autobahnen. (sb)

So aber hat die Polizei schon zahlreiche Menschen retten und Ganoven festnehmen können. Etwa nach einer Verfolgungsfahrt, die hiesige Polizisten im Juni vergangenen Jahres von Bergisch Gladbach bis ins sauerländische Kierspe führte und die von einem Polizeihubschrauber begleitet wurde.

Die beiden Ganoven hatten seinerzeit gleich doppelt Pech: Nicht nur, dass sich neben den Streifenwagen am Boden auch ein Hubschrauber an sie „kettete“ und verfolgte, sondern auch, dass einer der Verfolger gerade erst ein Fahrtraining auf genau der Verfolgungsstrecke absolviert hatten.

Am Ende wurden beide Ganoven in Kierspe-Quabecke, fast 50 Kilometer von Bergisch Gladbach entfernt, festgenommen – und bei der nächtlichen Festnahme auch von oben im Bild verewigt. Das versöhnt dann auch schon mal die Bürger, die nachts aus dem Schlaf gerissen werden.