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Krebs im Rhein-BergAggressiver Allesfresser

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Rhein-Berg – Nicht alles, was aus Amerika kommt, bringt die Menschheit weiter. Neuestes Beispiel: der Signalkrebs. Das aus den Rocky Mountains stammende Tierchen mit den roten Scheren hat sich zu einem Problem entwickelt, das mittlerweile auch Agger, Sülz und Dhünn heimsucht. Es verdrängt die heimischen Arten. Gewässerkundler schlagen Alarm und suchen nach Lösungen.

Der Signalkrebs ist nämlich ein heimtückischer Geselle. Einerseits frisst er alles, was ihm vor die Scheren kommt. Andererseits hat er eine hartnäckige Variante der Krebspest mitgebracht, gegen die er selbst immun ist, die andere Arten aber kräftig dezimiert.

Ökosystem negativ beeinflusst

„Es ist von einer deutlich negativen Beeinflussung des gesamten Ökosystems sowie des Fischbestandes auszugehen“, heißt es in einer Analyse der Technischen Hochschule Aachen.

Schuld an dem Dilemma ist erster Linie der Mensch. Um die Krebsfischerei wiederzubeleben, wurde ab 1960 der Signalkrebs auch in Europa eingeführt und in den Gewässern ausgesetzt. Dort hat er sich seitdem fleißig vermehrt – und rücksichtlos verhalten. Da er deutlich aggressiver ist als die heimischen Krebsarten, drängt er diese immer mehr an den Rand. Ganze Unterläufe von Fließgewässern, so die Aachener Fachleute, seien schon an den Signalkrebs verloren. Insbesondere der Edelkrebs sei vom Aussterben bedroht. Dabei ist die Signal-Variante kleiner als der Edelkrebs. Die Weibchen werden zwölf, die Männchen bis zu 16 Zentimeter groß.

Mehr noch: Untersuchungen haben ergeben, dass in Gewässern mit einer Überpopulation von Signalkrebsen eine derartige Hektik herrscht, dass auch Fischarten darunter leiden. Der Fraßdruck, also die pure Notwendigkeit, genügend Futter zum Überleben zu finden, sei enorm. Der Signalkrebs macht nämlich weder vor Tieren noch vor Pflanzen halt. Er frisst einfach alles. Selbst vor Kannibalismus, also vor dem Verzehr der eigenen Gattung, schreckt er nicht zurück.

Bei Zählungen in Gewässern der Region sind in jeweils fünf Reusen innerhalb von 24 Stunden zwischen 56 und 68 Signalkrebse gefangen worden. Mittlerweile haben viele Staaten auf das Problem reagiert und über ihre Fischerei- und Naturschutzgesetze den Besatz von Signalkrebsen in Freigewässern verboten. Auch vor einem Besatz heimischer Gartenteiche wird ausdrücklich gewarnt, weil dort in Windeseile das Ökosystem aus den Fugen gerät.

„Die Menge der Tiere hat sich trotz intensiver Befischung nicht reduziert“, berichtet Marcus Zocher vom Rheinischen Fischereiverband. Sie nehme eher noch zu. Es sei beobachtet worden, dass die Krebse einfach weiterwandern, wenn in einem Gewässer die Population zu groß geworden sei. Signalkrebse sind gut zu Fuß. Sie können durchaus mal eben zwei Kilometer über Land laufen. Die Tiere werden sieben bis zehn Jahre alt.