Rhein-Berg – Die Zahl der Einbrüche ist im Rheinisch-Bergischen Kreis weitaus weniger stark zurückgegangen als bisher von der Polizei dargestellt. In einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz räumte die Kreispolizei am Dienstag einen Fehler in ihrer Statistik ein. Insgesamt seien 238 Einbrüche zu wenig eingeflossen, weil ein Mitarbeiter versäumt habe, an der richtigen Stelle im Computer-Programm ein Häkchen zu setzen.
Bock geschossen
„Wir haben einen Bock geschossen, und das zur Unzeit“, sagte Kripo-Chef Jörg Rosemann im Beisein des obersten Polizisten im Kreis, Polizeidirektor Gerhard Wallmeroth. Die 238 Taten werden nun nachträglich im Dezember in die Statistik eingetragen. Um nicht mit dem daraus resultierenden Extremwert für Irritationen zu sorgen, erkläre die Behörde die Daten jetzt schon einmal vorab.

Jörg Rosemann, Kripo-Chef
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Rosemann und Wallmeroth erläuterten, dass die hiesige Polizei – wie auch zahlreiche andere Polizeibehörden in NRW – auf ihrer Internet-Homepage mit zwei unterschiedlichen Statistiken operiere. Für den „Einbruchs-Radar“, der zeitnah aufzeige, wo gerade eingebrochen worden sei, verwende die Polizei die Daten aus ihrem System IGVP. Dabei handele es sich um eine Eingangsstatistik.
Dagegen verwende die Polizei für den relativ neuen monatlichen Daten-Infodienst „Sicherheit im Fokus“ die Werte aus der „Polizeilichen Kriminalstatistik“ (PKS). Dabei handele es sich aber um eine Ausgangsstatistik, in der die Fälle erfasst würden, die die Polizei nach Bearbeitung an die Staatsanwaltschaft weiterleite.
PKS-Daten zuverlässiger
Die IGVP-Daten böten das zeitnähere Bild, die PKS-Daten das zuverlässigere, weil sich, so Rosemann, beispielsweise eine vermeintliche Sachbeschädigung im Laufe der Ermittlungen als Einbruch herausstellen könne.
Bei den PKS-Daten setzte nun der Fehler an: Ein Polizeiangestellter habe zahlreiche Fälle zwar bearbeitet, aber nicht die Befugnis gehabt, sie per Mausklick in die PKS zu transferieren. Dies hätte ein Polizeibeamter tun müssen, der das aber versäumt habe.
Auf diesen Fehler sei die Polizei selbst gekommen, sie habe aber auch beim Landeskriminalamt nachgefragt. Verdacht geschöpft habe die Polizei, weil es sie den Rückgang um vermeintlich 53 Prozent selbst als zu drastisch empfunden habe.
In einer am Dienstag auf eine Leinwand projizierten Grafik wurden die unterschiedlichen Zahlen nach Eingangs- und Ausgangsstatistik aufgelistet. In der Eingangsstatistik wurden etwa im Juni 45, in den Folgemonaten dann 26, 27, 20 und 60 Wohnungseinbrüche in der IGVP erfasst. In die flossen nur sechs und dann elf, vier, vier und sieben Taten ein.
Tatsächlich registrierte die Polizei vom 1. Januar bis gestern laut Rosemann 530 Einbrüche in Rhein-Berg gegenüber 857 im Vergleichszeitraum 2015.
Spezielles Team im Einsatz
Die beiden leitenden Polizisten ließen gestern keine Zweifel daran, dass die Bekämpfung der Einbruchskriminalität weiterhin Priorität habe. Seit 1. November sei wieder ein spezielles Team im Einsatz, das jeden, der verdächtig wirke, kontrolliere, bevor er den Kreis wieder verlasse.
Eingesetzt wird das Team gegenwärtig im Nordkreis. Die Polizisten räumten aber auch ein, dass es letztlich einen Verdrängungseffekt gebe. Gegenwärtig stiegen im Norden des Bundeslandes die Fallzahlen.

