Nach Tod von vier Jugendlichen verständigen sich Vertreter der Unfallkommission auf Sofortmaßnahmen – Verkehrsminister eingeschaltet.
Nach vier TodesopfernSo soll die Unfallkurve bei Kürten entschärft werden

In der Unfallkurve, in der am Samstag, 16. August, vier junge Menschen ums Leben kamen, gab es auf der Außenseite keine Leitplanke. Ungebremst soll der Wagen gegen den Baum rechts geprallt sein.
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Unabhängig davon, wie schnell der 16-jährige Unfallfahrer am frühen Morgen des 16. August auf der Dürschtalstraße unterwegs war, als der elterliche Toyota aus der Kurve schleuderte, gegen einen Baum prallte und vier Mitfahrer im Auto starben – die Straßenverkehrsbehörde des Rheinisch-Bergischen Kreises will die Unfallkurve sicherer machen und hat dazu die Mitglieder der Unfallkommission kontaktiert. Jetzt liegt ein erstes Sofortprogramm vor, wie Kreissprecherin Birgit Bär auf Nachfrage der Redaktion bestätigt.
Demnach haben zwischenzeitlich zwei Vor-Ort-Termine stattgefunden – von Mitgliedern der Unfallkommission, der neben dem Straßenverkehrsamt des Kreises auch das örtliche Ordnungsamt der Gemeinde Kürten, die Kreispolizei und der Straßenbaulastträger Straßen NRW angehören, sowie von Landrat Stephan Santelmann (CDU), dem Fachdezernat der Kreisverwaltung und der Polizei. Auch NRW-Verkehrsminister Oliver Krischer (Grüne) ist mittlerweile eingeschaltet, wie Kreissprecherin Bär berichtet.
Tempo 30 in der Unfallkurve soll bestehen bleiben – und ergänzt werden
Auf drei Sofortmaßnahmen haben sich die Beteiligten verständigt: Die an der Unfallstelle kurzfristig angeordnete weitere Reduzierung der Höchstgeschwindigkeit von 50 auf 30 Kilometer pro Stunde soll vorerst bleiben. Der Landesbetrieb Straßen ergänzt das entsprechende Tempo-30-Schild laut Kreissprecherin Bär noch um ein „Achtung Fußgänger“-Schild – auch wegen der Trauernden, die derzeit dort unterwegs sind. Außerdem werde der Kreis verdeckte Geschwindigkeitsmessungen durchführen, kündigt die Kreissprecherin an.
Wie berichtet hatte bereits eine Polizeikontrolle an einem Sonntag im Sommer 2024 ergeben, dass alle anderthalb Minuten ein Autofahrer oder eine Autofahrerin auf der Dürschtalstraße zu schnell unterwegs war. Nachdem seit einer Straßensanierung im Jahr 2021 einige Leitplanken entlang der Straße, darunter auch in der aktuellen Unfallkurve fehlen, war die erlaubte Höchstgeschwindigkeit 2023 auf Tempo 50 gedrosselt worden.
Leitplanke fehlt in Unfallkurve seit Jahren – Nun Verkehrsminister eingeschaltet
Der Landesbetrieb Straßen beruft sich darauf, dass die Leitplanke wegen in der Erde verlegter Versorgungsleitungen nicht errichtet werden könnten. Wann die Leitungen verlegt werden und in der Folge die Leitplanken errichtet werden könnten, ist laut Landesbetrieb unterdessen offen – unter anderem, weil den Leitungsbetreibern laut Landesbetrieb keine Frist zur Verlegung der Leitungen gesetzt wurde. Auch das soll der Kontakt ins Ministerium nun offenbar beschleunigen.
Warum es nun zunächst „verdeckte Geschwindigkeitsmessungen“ geben soll? „Wir müssen zunächst ermitteln, wie das Fahrverhalten der Verkehrsteilnehmer dort ist“, sagt Kreissprecherin Birgit Bär auf Nachfrage. Denn da die Unfallkurve aktuell noch keine Unfallhäufungsstelle sei, so Bär, müsse erst belegt werden, dass dort tatsächlich zu schnell gefahren werde, bevor etwa der Blitzerwagen des Kreises eingesetzt werden könne (siehe „Noch kein Unfallbrennpunkt“). „Erst wenn zehn Prozent der gemessenen Fahrzeuge mehr als zehn km/h zu schnell sind, ist das Kriterium dafür erfüllt, das Blitzfahrzeug dort einzusetzen“, erläutert die Kreissprecherin.
Weitere Einzelheiten zu dem tödlichen Unfall, vor dem der Unfallfahrer auf der Dürschtalstraße wie berichtet noch einen Motorradfahrer überholt haben soll, gibt die Kölner Staatsanwaltschaft aktuell auch auf Nachfrage nicht bekannt.
„Wir werden zuerst alle erforderlichen Ermittlungen abschließen“, sagt der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Ulrich Bremer, am Mittwoch auf Nachfrage. Die genaue Rekonstruktion des Unfallgeschehens werde, so Bremer, aber erfahrungsgemäß noch etliche Wochen dauern.