Die unvollständige Sanierung der Dürschtalstraße dauert trotz eines tödlichen Unfalls an. Schutzplanken fehlen seit 2021.
Warten auf SicherungStraßensanierung ist seit Jahren unvollständig, trotz tödlichem Vorfall

Leitplanken fehlen an der Dürschtalstraße an mehreren Stellen: Auch in der Kurve, in der vor gut einem Jahr vier junge Menschen bei einem Unfall ums Leben kamen. Auf der Innenseite der Unfallkurve gibt es eine Planke, auf der viel wichtigeren Außenseite nicht.
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Ein Auto zischt durch die Kurve. Nur wenige Meter daneben, etwas tiefer im Graben, flackern Kerzen zwischen Blumen und Erinnerungsstücken. An einem Baum hängen Fotos, daneben steht ein großes weißes Kreuz. Der 16. August 2025 ist darauf geschrieben. Vier Teenager kamen an diesem Tag bei dem verheerenden Unfall im Dürschtal ums Leben. Auch mehr als ein Jahr später erinnert die Gedenkstätte unmittelbar neben der Straße an sie.
Schutzplanken an der Dürschtalstraße fehlen seit 2021
Was an der Straße dagegen immer noch fehlt, ist die Leitplanke. Seit fünf Jahren schon. Bei der Sanierung der Dürschtalstraße 2021 wurden vorhandene Schutzplanken abgebaut. Weil Telekommunikationsleitungen im Boden einer erneuten Montage im Weg waren, kamen sie an Teilen der Strecke nicht zurück. Jahrelang geschah wenig. Nach dem tödlichen Unfall vor einem Jahr sollte dann alles schnell gehen. Bis Ende 2025, kündigte der Landesbetrieb Straßen NRW damals an, sollten die Schutzplanken wieder stehen.
Doch auch im August 2026 rauscht der Verkehr noch immer ungeschützt an Böschungen und Bäumen vorbei.
Landesbetrieb Straßen NRW nennt neuen Termin für Installation
Nun gibt es einen neuen Termin. „Die Verlegung der Leitungen wird voraussichtlich im September beginnen“, teilt Straßen-NRW-Sprecher Rainer Herzog auf erneute Nachfrage dieser Zeitung mit. Je nach Baufortschritt und Witterung sollen anschließend beziehungsweise parallel bereits die ersten Schutzplanken gesetzt werden. „Wir hoffen, dass bis Ende des Jahres alle Schutzplanken installiert sind“, sagt Herzog.
Es ist nicht die erste solche Ankündigung. Schon im September vergangenen Jahres hatte der Landesbetrieb nach Gesprächen mit den Telekommunikationsunternehmen erklärt, die Leitungen sollten im Oktober 2025 verlegt und die Schutzplanken „bis spätestens Ende des Jahres“ montiert werden. Daraus wurde nichts. Zwar waren später Erdarbeiten und Markierungen entlang der Straße zu sehen. Doch auf Nachfrage dieser Zeitung stellte sich im Januar heraus, dass es sich lediglich um Suchschachtungen gehandelt hatte, um Lage und Anzahl der Leitungen zu bestimmen. Die Leitungsbetreiber seien noch dabei, die Konditionen mit einer Baufirma zu vereinbaren, hieß es damals. Einen neuen Zeitplan konnte Straßen NRW zu diesem Zeitpunkt nicht nennen.
Tödlicher Unfall brachte erheblichen Druck in festgefahrene Angelegenheit
Dabei hatte der tödliche Unfall vom 16. August 2025 erheblichen Druck in die jahrelang festgefahrene Angelegenheit gebracht. Vier Jugendliche starben, nachdem der Wagen, in dem sie saßen, von der Straße abgekommen war. Nach den Ermittlungen war das Auto mit erheblich überhöhter Geschwindigkeit unterwegs gewesen.
Ob eine Leitplanke den Unfall oder dessen tödliche Folgen verhindert hätte, lässt sich nicht sagen. Die seit der Sanierung bestehende Sicherheitslücke rückte danach aber erneut in den Mittelpunkt. Der Rheinisch-Bergische Kreis berief kurzfristig die Unfallkommission ein, in der Straßenverkehrsbehörde, Polizei und Straßen NRW vertreten sind. Auch der damalige Landrat Stephan Santelmann schaltete sich ein und wandte sich an das NRW-Verkehrsministerium, um die notwendige Leitungsverlegung voranzutreiben.
Wegen der fehlenden Schutzplanken gilt seit Jahren Tempo 50 im Dürschtal
Als Konsequenz gilt auf Teilen der Dürschtalstraße bis heute Tempo 50. Doch ausgerechnet diese Geschwindigkeitsbeschränkung wird von zahlreichen Verkehrsteilnehmern ignoriert.

Wegen der seit 2021 fehlenden Schutzplanken gilt Tempo 50 auf der Dürschtalstraße. Nur halten sich viele nicht daran.
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Das zeigen aktuelle Zahlen des Rheinisch-Bergischen Kreises. In Kürten-Keller wurde seit dem 18. September vergangenen Jahres insgesamt 34-mal in beiden Fahrtrichtungen gemessen. Dabei registrierte der Kreis 1136 Geschwindigkeitsüberschreitungen. In Broichhausen fanden seit dem 19. September 38 Messungen statt. Dort wurden weitere 910 Tempoverstöße festgestellt. Macht zusammen 2046 Verstöße bei 72 Messungen.
Die Zahlen lassen zwar keinen Rückschluss darauf zu, welcher Anteil aller vorbeifahrenden Fahrzeuge zu schnell war und wie deutlich die Fahrer jeweils über Tempo 50 lagen. Sie zeigen aber, dass die Geschwindigkeitsbeschränkung keineswegs von allen akzeptiert wird.
Für die Aufhebung der aktuellen Geschwindigkeitsbeschränkung auf Tempo 50 sind noch Abstimmungen mit dem Kreis und der Polizei erforderlich.
Ob Tempo 50 wieder aufgehoben wird, wenn die Schutzplanken tatsächlich stehen, ist noch offen. „Für die Aufhebung der aktuellen Geschwindigkeitsbeschränkung auf Tempo 50 sind noch Abstimmungen mit dem Kreis und der Polizei erforderlich“, erklärt Herzog. Deshalb könne Straßen NRW dazu derzeit noch keine Aussage treffen. Vorerst bleibt damit eine Situation bestehen, die eigentlich nur vorübergehend sein sollte: Tempo 50 statt Schutzplanke.
Im September soll sich das nun endlich ändern – mehr als ein Jahr nach dem Unfall und fünf Jahre, nachdem die alten Schutzplanken im Zuge der Straßensanierung verschwanden.
Bis dahin rauschen die Autos weiter an der Stelle vorbei, an der Blumen, Kerzen und ein weißes Kreuz daran erinnern, wie verheerend eine Fahrt durch diese Kurven enden kann.

