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Jugendstrafe auf BewährungUrteil nach vierfachem Tod im Dürschtal bei Kürten

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Ein Autowrack steht auf der Dürschtalstraße, Feuerwehrleute stehen daneben.

Die Reste des Unfallwagens am Morgen nach dem verheerenden Unglück. Die Trauer an der Unfallstelle im Dürschtal bleibt.

17-Jähriger erhält zwei Jahre Jugendstrafe auf Bewährung und Auflagen – Als Fahrer überlebte er im August 2025 als einziger im Auto den Unfall.

Es war eine Fahrt, die nur wenige Minuten dauerte – und die das Leben zahlreicher Menschen für immer verändert hat. Vier junge Menschen starben in jener Augustnacht 2025 im Dürschtal bei Kürten. Der damals 16 Jahre alte Fahrer überlebte schwer verletzt. Gut ein Jahr später ist die strafrechtliche Aufarbeitung der Tragödie abgeschlossen: Das Jugendschöffengericht am Amtsgericht Bensberg hat den inzwischen 17-Jährigen an diesem Donnerstag (10.9.) zu einer Jugendstrafe von zwei Jahren auf Bewährung verurteilt.

Das Urteil ist rechtskräftig. Sowohl Staatsanwaltschaft als auch Verteidigung verzichteten auf Rechtsmittel. Das Gericht sprach den Jugendlichen wegen eines verbotenen Kraftfahrzeugrennens mit Todesfolge, fahrlässiger Tötung in vier Fällen, vorsätzlicher Gefährdung des Straßenverkehrs, Fahrens ohne Fahrerlaubnis sowie unerlaubten Entfernens vom Unfallort schuldig.

Gericht sah ein sogenanntes  „Rennen gegen sich selbst“

Nach Überzeugung des Gerichts war der Jugendliche am 16. August 2025 an der Unfallstelle mit technisch höchstmöglicher Geschwindigkeit über die kurvenreiche Dürschtalstraße gefahren – ein sogenanntes „Rennen gegen sich selbst“. Die Beweisaufnahme ergab dabei – abzüglich von Toleranzen – eine Spitzengeschwindigkeit von 113 Kilometern pro Stunde. Zuvor war aus Ermittlerkreisen von mehr als Tempo 120 die Rede gewesen.

Die gemeinsame Fahrt hatte an einem lauen Sommerabend begonnen. Eine Gruppe Jugendlicher und junger Erwachsener hatte sich zunächst in einem Garten getroffen. Später stiegen fünf von ihnen in den Wagen der Mutter des damals 16-Jährigen. Einen Führerschein hatte er nicht. Die Gruppe fuhr unter anderem zu einem Supermarkt, stieg dort noch einmal aus und anschließend wieder gemeinsam in das Auto. Offenbar ahnte niemand, was wenige Minuten später geschehen würde.

Zwei Mädchen im Alter von 14 und 16 Jahren sowie zwei 19-Jährige starben

Im Dürschtal verlor der 16-Jährige in einer Linkskurve die Kontrolle über den Toyota. Der Wagen kam von der Fahrbahn ab, prallte gegen einen Baum und überschlug sich. Zwei Mädchen im Alter von 14 und 16 Jahren sowie zwei 19-Jährige starben. Der Fahrer überlebte schwer verletzt.

Wie tief die Folgen dieser Nacht bis heute reichen, wurde auch während des Prozesses deutlich. Mehrere Hinterbliebene verfolgten die Plädoyers und die Verkündung des Urteils im Bensberger Gerichtssaal. Nebenkläger hatte das Gericht nicht zugelassen. Familien verloren ihre Kinder, Geschwister und Angehörigen, ein Freundeskreis vier junge Menschen. Und auch der heute 17-Jährige wird mit den Folgen jener Nacht weiterleben müssen.

Ein Stofftier, Kerzen udn Blumen an der Unfallstelle im Dürschtal.

Hunderte Menschen trauern bis heute um die vier Todesopfer des schweren Unfalls aus dem August 2025 an der Unfallstelle im Dürschtal.

Mit großer Trauer nutzte er vor der Urteilsverkündung die Möglichkeit zum letzten Wort. Er sagte, wie sehr er sich wünsche, dass all das nicht geschehen wäre. Er entschuldigte sich im Gerichtssaal gegenüber den Anwesenden. Zusätzlich bot er den Hinterbliebenen eine persönliche Entschuldigung an, wenn das gewünscht ist. Zu einigen von ihnen bestehe bereits ein positiver Kontakt, berichtet seine Verteidigerin Dr. Eva K. Günther. „Es hat bereits mehrfach echter Austausch stattgefunden.“

Dieser Unfall mit seiner ganz besonderen Tragik eignet sich nicht für juristische Schlammschlachten.
Dr. Eva K. Günther, Strafverteidigerin des mittlerweile 17-jährigen Unfallfahrers

Dass das Gericht die Fahrt als „Rennen gegen sich selbst“ wertete, hält Günther zwar für falsch. Dennoch verzichtete auch die Verteidigung auf Rechtsmittel. „Mit dem   Ergebnis bin ich sehr zufrieden, auch wenn ich die rechtliche Beurteilung in diesem Punkt für falsch halte“, sagt die Strafverteidigerin mit Kanzlei an der Bensberger Schloßstraße. „Dieser Unfall mit seiner ganz besonderen Tragik, die auch im Gerichtssaal deutlich wurde, eignet sich nicht für juristische Schlammschlachten.“ Sie hoffe, dass nun alle Beteiligten, „und insbesondere die Hinterbliebenen“, einen Abschluss finden könnten.

Bei der Strafzumessung musste das Gericht die verheerenden Folgen der Fahrt und die festgestellte Schwere der Schuld gegen die besonderen Grundsätze des Jugendstrafrechts abwägen. Dort stehen erzieherische Gesichtspunkte im Mittelpunkt. Die Jugendstrafe von zwei Jahren wurde deshalb zur Bewährung ausgesetzt.

Blumen und Kerzen liegen und stehen in der Kurve, in der am 16. August 2026 vier Teenager bei einem Unfall ums Leben kamen.

Die Trauer an der Unfallstelle bleibt.

Zusätzlich muss der 17-Jährige mehrere Auflagen erfüllen. Außerdem verhängte das Gericht eine zweijährige Führerscheinsperre. Der Bergisch Gladbacher lebt weiterhin bei seiner Familie und absolviert eine Ausbildung im zweiten Lehrjahr. Sein Arbeitgeber habe bereits zugesichert, dass er seine Stelle behalten könne, wenn er in Freiheit bleibt, berichtet Günther. Sie sei überzeugt, dass ihr Mandant, der vor dem Unfall strafrechtlich nicht aufgefallen war, sämtliche Auflagen erfüllen werde. Einer erfolgreichen Bewährungszeit stehe nichts im Wege.

Die Dürschtalstraße selbst und Fragen etwa zur Beschilderung spielten nach Angaben der Verteidigung im Prozess nur eine untergeordnete Rolle.

An der Verantwortung des jungen Fahrers ließ Gericht keinen Zweifel

An der Verantwortung des jungen Fahrers für seine Fahrt ließ das Gericht am Ende keinen Zweifel. Zugleich machte das Verfahren deutlich, wie wenig sich die Folgen dieser Augustnacht mit einem Urteilsspruch abbilden lassen.

Vier junge Menschen werden nicht zurückkehren. Familien und Freunde müssen mit ihrem Verlust weiterleben. Und ein heute 17-Jähriger muss sich der Verantwortung für eine Fahrt stellen, die er nicht rückgängig machen kann.

Für alle Beteiligten haben Unfall, Trauer und Prozess tiefe Wunden hinterlassen. Mit dem rechtskräftigen Urteil ist das Strafverfahren beendet. Die Geschichte dieser Nacht im Dürschtal ist es für viele Menschen noch lange nicht.